Augsburger Bischöfe

25. Todestag von Bischof Dr. Josef Stimpfle

12.09.2021

Vor 25 Jahren, am 12. September 1996, ist der langjährige Bischof von Augsburg Josef Stimpfle verstorben. Der gebürtige Maihinger übte sein Amt fast dreißig Jahre lang von 1963 bis 1992 aus und spielte eine wichtige Rolle besonders in der Umsetzung der liturgischen und pastoralen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils im Bistum.

Am 12. September vor 25 Jahren verstarb der langjährige Bischof von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle. (Foto: Helmut Hien)
Am 12. September vor 25 Jahren verstarb der langjährige Bischof von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle. (Foto: Helmut Hien) © Helmut Hien

Bischof Dr. Bertram Meier betonte, dass Stimpfle als einer seiner Vorgänger im Amt „Spuren gelegt“ habe. „Er wollte die Kirche geistlich erneuern und hat mit seiner Begeisterung für dieses Anliegen Klerus, Ordensleute und viele Frauen und Männer mitgenommen. Neben seiner Prägung in Rom, die er schon als Germaniker erfuhr, hat Bischof Stimpfle nie seine Herkunft aus dem Ries verleugnet. Im Gegenteil: Bodenständig und kernig verfolgte er seine Anliegen.“ Längst vor dem Fall der Mauer habe er Brücken zu mittel- und osteuropäischen Ländern geschlagen, besonders nach Polen. Insofern sei der Besuch des Papstes 1987 in Augsburg auch ein Ausdruck der Freundschaft gewesen, die die beiden Bischöfe im Rahmen der deutsch-polnischen Versöhnung zusammengeführt habe, so Bischof Bertram. „Wenngleich Bischof Stimpfle im Laufe seiner fast 30-jährigen Amtszeit immer bewahrender wurde, hat er sein Bischofsamt stets als Dienst ‚für das pilgernde Gottesvolk‘ verstanden. Er wollte die ihm anvertraute Herde zu Christus, dem obersten Hirten, führen. Von dieser hohen Verantwortung war er überzeugt und beseelt.“

Josef Stimpfle wurde am 25. März 1916 in Maihingen im Ries als Bauernsohn geboren. Von 1926 an besuchte er das Bischöfliche Knabenseminar in Dillingen, wo er sich schon früh für die priesterliche Laufbahn entschieden hatte. Nach seinem Abitur 1935 trat er in das Priesterseminar ein und begann ein Studium der Theologie und Philosophie zunächst in Dillingen und später am Collegium Germanicum in Rom.

1940 wurde Stimpfle zum Kriegsdienst herangezogen, wo er als Italienisch-Dolmetscher und Funker beim Oberkommando der Wehrmacht tätig war. Kurioserweise musste der Priesterseminarist dabei unter anderem den „Feindsender“ Radio Vatikan abhören. Nach Kriegsende und einer kurzen Kriegsgefangenschaft kehrte Stimpfle in das Bistum Augsburg zurück und empfing am 28. Juli 1946 die Priesterweihe. Nach einer zweijährigen Kaplanszeit in Augsburg-Oberhausen (St. Peter und Paul) ging Stimpfle wieder nach Rom zurück und promovierte dort 1951 zum Doktor der Theologie.

Bischof Stimpfle pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu Papst Johannes Paul II. (Foto: Bildarchiv pba)
Bischof Stimpfle pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu Papst Johannes Paul II. (Foto: Bildarchiv pba)

Nach nur 15 Monaten als Kaplan an der Augsburger Ulrichsbasilika wurde Josef Stimpfle 1952 zum Subregens am Dillinger Priesterseminar berufen. Am 12. September 1963 wurde er schließlich von Papst Paul VI. zum Nachfolger des kurz zuvor verstorbenen Bischofs Joseph Freundorfer ernannt und am 26. Oktober desselben Jahres durch den Erzbischof von München und Freising Julius Kardinal Döpfner zum Bischof geweiht. Nur wenige Tage nach seiner Weihe machte er sich bereits auf den Weg nach Rom, wo er als Konzilsvater an allen weiteren Versammlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils bis zu dessen feierlichem Abschluss 1965 teilnahm.

Die Umsetzung der Reformen und Impulse, die das Konzil gesetzt hatte, nahm in Bischof Stimpfles Wirken fortan einen zentralen Platz ein. In den Jahren nach dem Konzil kam es neben der Neugestaltung des liturgischen Lebens in der Diözese auch zu der Einrichtung von Pfarrgemeinderäten und des Diözesanrats sowie den ersten Weihen zum Ständigen Diakonat. 1984 lud er zur Augsburger Diözesansynode ein, die nach jahrelanger Vorbereitung schließlich 1990 stattfinden konnte. Zwischen 1963 und 1992 weihte er zudem über hundert Kirchen.

In den fast drei Jahrzehnten seines Wirkens als Bischof war Josef Stimpfle darüber hinaus auch weltkirchlich stark engagiert. Vor allem die Situation der Kirche in Osteuropa und Lateinamerika lag ihm dabei am Herzen. In diesem Rahmen veranstaltete er 1988 eine Wallfahrt nach Kiew anlässlich der tausendjährigen Christianisierung Russlands. Als er am Zielort angelangt war, wurde er wegen des Verteilens von Bibeln kurzfristig in Gewahrsam genommen, konnte aber mit Verweis auf seine Kontakte zu Michail Gorbatschow seine Freilassung erreichen. 1991 wurde er angesichts seiner Verdienste um die weltkirchliche Verbundenheit zum Sonderdelegaten des Heiligen Stuhls für die Osteuropahilfe ernannt.

Einer der großen Höhepunkte in Bischof Stimpfles Amtszeit war sicherlich der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Augsburg, der am 3. und 4. Mai 1987 im Rahmen der päpstlichen Deutschlandreise stattfand. Der Papst weihte zu diesem Anlass auch das neugebaute Priesterseminar St. Hieronymus ein, das unter Bischof Stimpfle von Dillingen nach Augsburg in die unmittelbare Nähe der Universität umgezogen war.

Am 30. März 1992 nahm Papst Johannes Paul II. das altersbedingte Rücktrittsgesuch von Bischof Stimpfle an und verlieh ihm in Anerkennung seiner Lebensleistung den persönlichen Titel eines Erzbischofs. Erzbischof Stimpfle starb am 12. September 1996 im Alter von 80 Jahren und wurde in der Krypta des Hohen Doms zu Augsburg beigesetzt. Am 11. September wurde für ihn eine Gedenkmesse in der Kathedralkirche gefeiert und eine eigens angefertigte Kerze entzündet.