Ordensgemeinschaft

Kloster Roggenburg: Prämonstratenser zum Diakon geweiht

15.10.2021

Freude im Kloster Roggenburg - und darüber hinaus: An diesem Donnerstagabend ist der Prämonstratenser Frater Franziskus Schuler (30) durch Bischof Dr. Bertram Meier in der Klosterkirche zum Diakon geweiht worden. Neben zahlreichen Ordensleuten aus Nah und Fern feierten auch Angehörige und Bekannte des Neu-Diakons den festlichen Weihegottesdienst (Livestream) mit. Der gebürtige Günzburger trat 2014 in die im Dekanat Neu-Ulm beheimatete Ordensgemeinschaft ein.

Bischof Bertram spricht das Weihegebet. (Foto: Livestream Kloster Roggenburg)
Bischof Bertram spricht das Weihegebet. (Foto: Livestream Kloster Roggenburg) © Kloster Roggenburg

In seiner Predigt stellte Bischof Bertram dem Weihekandidaten den Gebetsruf des König Salomon „Schenke Deinem Diener ein hörendes Herz!“ (1 Kön 3,9) vor Augen, damit der Neugeweihte sein Ideal ein Leben lang einlöse. Er legte diesen Satz in seinen verschiedenen Facetten aus und ermutigte den künftigen Diakon dazu, gleichermaßen mit dem Herzen zu hören und es sprechen zu lassen. „Denn Gott legt das Maßband nicht um den Kopf, sondern um das Herz.“ Aus ganzem Herzen Diakon zu sein, sei ein ansprechendes und zugleich anspruchsvolles Motto, so der Bischof.

„Wir alle wissen es: Hören ist oft schwerer als reden. Jeden Tag werden wir mit Geräuschen, Gerüchten und Geschwätz überhäuft. Da stellt sich die Frage: Worauf sollen wir hören? Worauf kommt es wirklich an? Intensiv hören; durch das Vordergründige hindurch achten auf das, was zwischen den Zeilen liegt; nicht Gesagtes, doch Gedachtes erlauschen; ganz Ohr sein: Das ist die Kunst.“ Nur wenige Menschen beherrschten die Kunst des Hörens: behutsam, aber treffend nachzufragen; dem anderen wie eine Hebamme zu helfen, die Wahrheit über sich selbst ans Licht zu heben, Wichtiges, Frohes und auch Bedrückendes auszusprechen. „Vielleicht ist die Krise des Bußsakramentes auch eine Krise der Beichtväter, die das Lauschen verlernt haben“, stellte Bischof Bertram die Frage in den Raum.

Das Herz sei auch der Ort, an dem sich wichtige Entscheidungen zutragen, so der Bischof. „Wofür unser Herz schlägt, da liegt auch unser Schatz.“ Als Ausdruck dafür, dass sich geistliche Menschen Gott als ihrem Schatz verschrieben haben, versprechen sie ein Leben gemäß den evangelischen Räten Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit führen. Die Treue in diesen Versprechen erfordere den Schutz des Gebetes. Und so bittet der Bischof wie einst König Salomon: „Schenke uns, Deinen Dienern, ein hörendes Herz!“ Gerade mit Blick auf das Leben in Armut sei doch die eine oder andere Herausforderung verbunden. Daher empfiehlt Bischof Bertram „kleine Zeichen“ zu setzen, die zeigen, dass Besitz nicht alles ist. „Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht zu zeigen: Geben ist seliger als nehmen.“

Sich hingeben als „Diener des Wortes“, so formuliert der junge Prämonstratenser im Gespräch vor der Weihe sein Verständnis vom Diakonenamt, erinnerte sich der Bischof. „Sie wollen dem Wort dienen – keiner Sache, keinem gedrucktem Programm, sondern konkret einer Person, die Namen und Gesicht hat: Jesus von Nazareth.“ Dabei sei der Dienst am Wort nicht nur Predigt oder Text, sondern Zeugnis pur, Praktikum im Leben. „Danke, lieber Frater Franziskus, für diese Lektion, die nicht nur mir gilt, sondern uns allen.“

Durch Gebet und Handauflegung spendete Bischof Bertram dem jungen Prämonstratenser im Anschluss an Predigt die Diakonenweihe. In den sich anschließenden ausdeutenden Riten legte fr. Franziskus Stola und Dalmatik an und empfing das Evangeliar aus den Händen des Bischofs als Zeichen für den Auftrag der Glaubensverkündigung: „Was du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“

Frater Franziskus Schuler OPraem wurde 1990 als Andreas Schuler in Günzburg geboren und begann nach seinem Abitur am Spätberufenenseminar St. Matthias in Waldram 2014 das Noviziat (zweijährige Einführungszeit) bei den Prämonstratensern im Kloster Roggenburg. Das Studium der Theologie und Philosophie absolvierte er im Bischöflichen Studium Rudolphinum in Regensburg. Studienbegleitend führten ihn das Sozialpraktikum in das Förderzentrum des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg und das Pfarrpraktikum in die Pfarreiengemeinschaft Füssen. Derzeit ist Frater Franziskus als Pastoralpraktikant in der PG Babenhausen tätig.