Crescentiafest

„Nicht Maschinen, Menschen erneuern die Kirche“

25.04.2021

Beim Pontifikalgottesdienst zum Crescentiafest in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Kaufbeuren hat Bischof Dr. Bertram Meier an die besondere „Strahlkraft“ Crescentias erinnert und sie als „Frau voll Heiligen Geistes“ vorgestellt. Ihre Heiligsprechung jährt sich heuer zum zwanzigsten Mal. Die Messe wurde gefeiert unter Beisein von Stadtpfarrer Bernhard Waltner und weiteren Priestern, den Schwestern des Crescentiaklosters sowie Vertretern von Vereinen und Verbänden mit Fahnen und Bannern.

Schon als Mädchen habe sich Crescentia von der besonderen Strahlkraft Jesu Christi in Bann ziehen lassen. Der Heilige Geist, den der Auferstandene ausstrahlt und mit dem er die Menschen zum Leuchten bringen will, habe Crescentia zeitlebens erfasst und in ihrem Tun und Wirken geleitet. „Die göttlichen Strahlen wiederspiegeln, damit sie andere erfassen: Die heilige Crescentia steht dafür Modell“, betonte Bischof Bertram in seiner Predigt. Der Heilige Geist sei jung und bringe Schwung. „Er ist nicht konservativ, sondern innovativ. Haben wir keine Angst vor dem Heiligen Geist“, forderte Dr. Meier und stellte die Frage, welche göttliche Strahlkraft von unserer Gesellschaft, Kirche und Gemeinde heute noch ausginge.

Die Kirche warnte der Bischof dahingehend vor der Gefahr, aus ständiger Betriebsamkeit den Kern der eigentlichen Botschaft zu vernachlässigen: „Wenn Seelsorge zum Betrieb wird, dann opfern wir auf Dauer unser geistliches Leben auf dem Altar der menschlichen Organisation.“ Selbst der Heilige Geist, der wehe, wann und wo er will, tue sich dann schwer. „Nichts als ‚Volldampf im Leerlauf‘ strahlt eine solche Kirche aus“, betonte Dr. Meier gegenüber den Gläubigen und warnte davor, vor Anweisungen, Rechtsvorschriften und Schutzkonzepten den Heiligen Geist nicht mehr durchkommen zu lassen. „Eine reine ‚Apparate-Kirche‘ bringt uns nicht nach vorne. Nicht Maschinen, sondern Menschen – vom Geist erfüllt – erneuern die Kirche. Wir dürfen uns nicht selbst in einen pastoralen Dauer-Lock-Down kicken“, sagte er und formulierte damit auch das Programm seines eigenen Wirkens als Bischof: „Ich bin nicht mehr Diözesanadministrator (Verwalter), ich will als Bischof wirken: nah bei den Menschen Hirte und Seelsorger sein, das Evangelium anbieten.“

Das Bild einer Politik und Gesellschaft, die von allen guten Geistern verlassen scheint, biete sich laut Bischof Bertram mit Blick auf den Gesetzentwurf zum assistierten Suizid. Dieser betreffe eine Frage, bei der es nicht nur ums Leben, sondern ans Leben gehe: „In der Pandemie wird alles getan, um Leben zu schützen, doch wir verteidigen das Leben nicht, wenn es auf der Kippe steht: im Mutterleib und am Ende, wenn sich der Mensch nicht mehr artikulieren kann.“ Wer helfe, wenn sich einer das Leben nehmen will, setze kein Zeichen der Humanität, sondern im Gegenteil: „Er handelt unchristlich, vielleicht sogar unmenschlich: Denn es steht uns nicht zu, über das Recht auf Leben zu befinden“, betonte Dr. Meier.

An die Franziskanerinnen des Kaufbeurer Crescentiaklosters richtete sich der Bischof mit einem Blick auf das Lebens- und Glaubensbeispiel der Heiligen, deren Quelle das Vertrauen auf den Heiligen Geist gewesen sei. „Ich weiß, dass sinkende Zahlen und düstere Zukunftsprognosen auch uns geistliche Menschen manchmal mutlos machen können. Doch wir werden wieder mehr ausstrahlen, wenn wir uns nicht nur selbst bespiegeln als Nachlassverwalter einer verklärten Vergangenheit.“  Im Hinblick auf die nötigen Schritte in die Zukunft legte der Bischof den Schwestern einen Gruß der frühen Christen ans Herz: „Wandle im Heiligen Geist“.

Der Gottesdienst wurde von der Kirchenmusik der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren feierlich begleitet. Das Crescentiafest wird in Kaufbeuren jährlich im April anlässlich des Todestags der Heiligen gefeiert.   

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zum Crescentiafest

Der Festgottesdienst zum Crescentiafest wurde auf dem Youtube-Kanal der PG Kaufbeuren übertragen und ist dort weiterhin zu finden.