Prälat Bertram Meier besuchte Heiliges Land

Salvatorschule in Nazareth: „Eine Schule des Friedens“

09.02.2010

Augsburg (IBA). Domkapitular Prälat Dr. Bertram Meier, Weltkirchenreferent der Diözese Augsburg, hat während einer Wallfahrt durch das Heilige Land unter anderem die Schule der Salvatorianerinnen in Nazareth besucht. Seit fünfzig Jahren sind die Schwestern dieser Ordensgemeinschaft im Heiligen Land präsent und aktiv. Zu den ersten Pionierinnen zählt die aus dem Bistum Augsburg stammende Schwester Klara Berchtold. Die aus dem Wallfahrtsort Maria Steinbach bei Legau gebürtige Ordensfrau ist seit 1959 in Nazareth und hat maßgeblich am Aufbau der dortigen Salvatorschule mitgewirkt.

Prälat Meier zeigte sich beim Besuch der Schule beeindruckt: „Die Einrichtung ist eine Schule des Friedens. Unter dem Dach der Salvatorianerinnen finden Christen, Muslime und – wenn gewünscht – auch Juden Platz. Trotzdem ist die Schule kein Markt der Möglichkeiten: Es ist selbstverständlich, dass christliche Religion unterrichtet wird, und die Eltern der Kinder müssen dazu ihr Einverständnis erklären. Das ist ein Impuls für den interreligiösen Dialog auch bei uns: nicht abtauchen, sondern auftauchen mit dem Angebot des Evangeliums. Das Evangelium von der Würde jedes Menschen ist unser christlicher Trumpf.“

Wenngleich die Schwestern im Jahr 2000 die Schulleitung an einen Laien abgegeben haben, ist Schwester Klara bis heute an einer Schlüsselstelle: Sie vertritt den Träger, den Orden der Salvatorianerinnen („Gemeinschaft der Schwestern vom Göttlichen Heiland“), der von Pater Franziskus Jordan vom Kreuz zusammen mit Mutter Maria von den Aposteln (Therese von Wüllenweber) 1888 in Tivoli bei Rom gegründet wurde.

Als die ersten zwei Schwestern vor einem halben Jahrhundert auf Bitten des griechisch-katholischen Erzbischofs von Haifa nach Nazareth kamen, war ihnen zunächst die Sorge um ein Waisenhaus anvertraut. Daraus ist heute ein großer Schulkomplex geworden, in dem rund 1500 Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung von der Grundschule bis zum Abitur erhalten. Das Lehrerkollegium umfasst 100 Personen, die zum Teil selbst die Salvatorschule besucht haben.

Schwester Klara Berchtold dankte für die großzügige finanzielle Hilfe, die das Heimatbistum Augsburg regelmäßig ihrer Schule zukommen lässt und fügte hinzu: „Noch wichtiger als Geld ist die moralische Unterstützung. Besuche aus Deutschland zeigen, dass wir Rückenwind haben für unser Tun. Es sind rund 800 Familien, deren Kinder in unserer Schule sind. Trotzdem können wir nicht alle Wünsche erfüllen. Unsere Kapazitäten haben Grenzen. Wir freuen uns, dass unsere Schule einen so guten Ruf hat. Mit unserem Angebot wollen wir einen Beitrag leisten zur positiven ganzheitlichen Entwicklung der jungen Menschen.“ Im Hinblick auf die Christen im Heiligen Land ist Schwester Klara nachdenklich: „Nur etwa 1,7 Prozent der Gesamtbevölkerung in Israel sind Christen. Tendenz fallend.“ Einheimische Christen sind doppelt benachteiligt: Zunächst als Araber und dann als christliche Minderheit in einem muslimischen Umfeld.

Die Salvatorschule steht an einem Berg, so dass der Bau durch eine Mauer abgestützt werden musste. Eine Mauer ganz anderer Art bekam Prälat Meier in Bethlehem zu sehen. Die Mauer führt mitten durch die Stadt und trennt Araber und Israelis. Sie weckt Erinnerungen an die Mauer, die in Berlin stand, und drückt auf das Gemüt. Prälat Meier: „In Bethlehem zeigt sich die Doppeldeutigkeit der Mauer: Die Israelis wollen sich schützen durch den Bau der Mauer, Palästinenser und Pilger sehen darin einen schmerzlichen Trennungsstrich. Wo die Krippe des Friedenskönigs stand, steht der Friede auf dem Spiel.“

Auch die Stimmung in Jerusalem bezeichnet Prälat Meier als „schillernd“: Für die drei großen monotheistischen Weltreligionen hat diese Stadt eine besondere Bedeutung. Sie ist heiliger Boden, doch noch weit entfernt, eine „Stadt des Friedens“ zu sein. Beeindruckt war Prälat Meier von der Präsenz der Ordenschristen im Heiligen Land: „Sie halten die Stellung, auch wenn sie keinen leichten Stand haben. Was wir tun können, ist, treu Kontakte zu halten und zu den heiligen Stätten zu pilgern.“