Bischof Bertram

"Wir trinken noch heute davon!"

01.05.2021

Bischof Bertram hat am Vorabend des Hochfestes Patrona Bavariae die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in seiner Geburts- und Taufstadt Buchloe besucht. In seiner frei gehaltenen Predigt stellte er das Hochzeitswunder von Kana in den Mittelpunkt und betonte, dass die Wandlung von damals auch heute noch wirken könne.

Bei jüdischen Hochzeiten sei es heute der Brauch, dass der Bräutigam ein Glas mit seinen Füßen zertrete. Dazu rufe die ganze Hochzeitsgesellschaft: „Masel tov!“, übersetzt „einen guten Stern!“ oder frei übertragen: „Viel Glück!“. Und doch sei dieses Glück dem Brautpaar von Kana vorerst versagt geblieben, betonte der Bischof, denn ihnen ging der Wein aus. Ein alter jüdischer Hochzeitsbrauch besage, dass die Gäste entweder Geschenke bringen oder sich um Essen und Trinken zu kümmern haben. „Wenn Maria auf den kargen Wein hinweist, dann dürfen wir daraus schließen, dass die Familie von Jesus sich verpflichtet hatte, für ausreichend Wein zu sorgen. Aber: Sie hatten sich verschätzt, auf Kosten der Eheleute, sie hatten keinen Massel! Auf jeden Fall: die ganze Hochzeitsgesellschaft saß im Schlamassel.“

Die Heilige Messe in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Fotos: Julian Schmidt / pba)
Die Heilige Messe in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Übertragen auf heutige Situationen sähe das so aus: Eheleute, die sich nicht mehr lieben, Eltern, die mit ihren Kindern nicht zurechtkommen, Jugendliche, die im Lockdown verzweifeln und Senioren, deren Kräfte und Nerven zunehmend verbraucht sind: „Die Energie fehlt uns, wir sind verbraucht wie die Weinvorräte von Kana!“ Maria zeige uns nun den Weg vor, wenn sie Jesus um ein Wunder bat. Und doch sei auch sie zunächst abgewiesen worden: Jesus sei eben weder Wunderheiler noch Lückenbüßer. „Wenn unsere Möglichkeiten ausgeschöpft sind, schlägt seine Stunde und wieder taucht Maria auf mit ihrem guten Rat: ‚Was er euch sagt, das tut‘“, betonte Bischof Bertram.

Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Rechts Bürgermeister Robert Pöschl

Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Rechts Bürgermeister Robert Pöschl.

Die Krüge von Kana mit Wasser zu füllen, wie es Jesu Anweisung gewesen sei, bedeute übertragen, dass wir das Wasser des Lebens und Leidens in die Krüge Gottes hineingießen sollten: „Alles dürft ihr hineingießen in die Krüge seiner Liebe, vor ihm betend, bekennend, klagend, weinend es herausschreien oder es ihm einfach bloß stumm hinhalten.“ Denn dann könne das Wunder von Kana sich auch heute noch ereignen und sich das Wasser des Lebens in einen köstlichen Wein der Freude verwandeln. sagte der Bischof und zitierte abschließend den heiligen Hieronymus, der auf die Frage, ob die Hochzeitsgesellschaft den ganzen Wein Jesu getrunken hätte, gesagt habe: „Nein, wir trinken noch heute davon.“

Im Anschluss an den Gottesdienst trug Bischof Bertram sich auf Einladung des Bürgermeisters in das Goldene Buch der Stadt Buchloe ein. In seinem Dankeswort betonte er die stabile Kooperation in Bayern zwischen Kirche und Kommune, die es auch weiterhin zu erhalten gelte. Zudem wünschte er sich gerade im Hinblick auf das am Tag zuvor gefeierte Fest der heiligen Katharina von Siena, dass es gelinge, Frauen immer mehr nicht nur als Assistentinnen, sondern in Diensten und Ämtern in der katholischen Kirche zu beheimaten.