15.000 Ehejahre in der Basilika
15.000 - das ist zunächst einmal nur eine Zahl. Emotional wird sie dann, wenn man diese Zahl mit einer Geschichte verknüpft. Zum Beispiel: Vor 15.000 Jahren endete die Eiszeit, bevölkerten Mammuts die Erde und die Menschen lebten als Jäger und Sammler, aber: Sie lebten schon zusammen. Vermutlich nicht genauso wie die Ehepaare, die sich an diesem Freitag in Sankt Ulrich und Afra versammelten, aber die Zahl 15.000, immerhin, verbindet sie doch. Denn im Pontifikalamt für die Ehejubilare waren in der Basilika 15.000 Ehejahre versammelt - mindestens.
Denn darauf wies Bischof Bertram Dr. Meier zu Beginn des Gottesdienst in der prall gefüllten Basilika hin: 600 Menschen, 300 Ehepaare waren da, jedes mit mindestens 50 gemeinsamen Jahren. Ein Paar hatte sogar schon vor 70 Jahren geheiratet.
„Was kann ein Bischof Ehepaaren sagen, die schon seit Jahrzehnten verheiratet sind“, fragte der Bischof zu Beginn. Doch er versicherte: „Wenn man über lange Zeit viele Paare als Seelsorger begleiten darf, hört man so einiges und erkennt bestimmte Muster, die immer wieder auftauchen. Da gibt es Kennzeichen, man könnte es auch Voraussetzungen nennen, die für das Gelingen einer dauerhaften Beziehung von entscheidender Bedeutung sind.“ Drei dieser Voraussetzungen griff Bischof Bertram in seiner Predigt heraus: Liebe, Treue und Glaube.
„Liebe ist nichts Statisches, das man einmal hat und das sich nicht verändert. Hören wir dem anderen 'mit dem Ohr des Herzens' zu, wie es über den heiligen Ulrich berichtet wird, dessen wir in dieser Woche besonders gedenken? Bemühen wir uns ehrlich darum zu verstehen, was den Ehepartner in seinem Innersten bewegt? Umgekehrt: Sagen wir dem anderen, wonach wir uns sehnen, und sagen wir es in einer Weise, die ihn oder sie nicht gleich unter Druck setzt? Worte wie das 'JA' bei der Trauung verbinden Menschen miteinander. Wir wissen aber, dass Worte auch verletzen und Beziehungen zerstören können. Seien wir also stets darauf bedacht, in welcher Gesinnung und mit welchen Ausdrücken wir miteinander reden.“
Liebe und Treue, so der Bischof, gehörten untrennbar zusammen: „Es sind zentrale Werte des Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, aber auch der Menschen untereinander. Manchen Paaren fällt es überraschend leicht, hier keinerlei abwegige Gefühle zu entwickeln und stets verlässlich zueinander zu stehen. Andere haben mehr zu kämpfen. Menschen sind oft schwach und machen Fehler. Mit der Hilfe Gottes aber haben wir die Kraft, unsere Fehler einzusehen, um Entschuldigung zu bitten und einander zu vergeben. So ein Tag wie heute kann auch ein Moment sein, an dem man seinem Partner einmal dafür danken könnte, dass er oder sie einem all das verziehen hat, was man im Leben falsch gemacht hat. Das wäre zutiefst christlich.“
Im Namen Gottes segne ein Priester schließlich auch den Ehebund in der Trauung. Bischof Bertram: „Das ist kein liturgisches Beiwerk, sondern ein ganz wesentlicher Vollzug dessen, woran wir als Christinnen und Christen glauben: Gott geht all unsere Wege mit und er will, dass es uns gut geht. Wenn zwei Eheleute also überzeugt sind, den richtigen Partner gefunden zu haben, und dies nicht nur öffentlich bezeugen, sondern auch entsprechend leben, dürfen sie davon ausgehen, dass der Herr bis zum Tod an ihrer Seite geht. Die Erfahrung unzähliger Paare zeigt, dass der Glaube das zentrale Fundament ist, auf dem die Liebe wachsen und die Treue sich bewähren kann. Etwas einfacher formuliert: Mit Gott sind Sie stark und können allen Stürmen trotzen.“
Direkt nach dem Gottesdienst ließen sich zahlreiche Paare von Bischof Bertram und den anderen anwesenden Priestern den Einzelsegen spenden, bevor es dann zu einer reich gedeckten Kuchentafel ins Haus Sankt Ulrich ging. Ein Service, den die Paare vor 15.000 Jahren vermutlich nicht hatten.