Abschluss mit Ausblick
Wie der Glaube an Jesus Christus nicht nur Menschen in Deutschland, sondern weltweit begeistern kann, wurde während des Katholikentags beim weltkirchlichen Gottesdienst im Kiliansdom spürbar. Als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz rief Bischof Dr. Bertram Meier am Samstagabend auf, gemeinsam als "christliche Crew" aufzutreten und in weltkirchlicher Solidarität die Perspektive der Geringsten einzunehmen. Bei einem Gottesdienst mit der Edith-Stein-Gesellschaft warnte er zudem vor einem Erstarken von Extremismus und Antisemitismus. Am heutigen Sonntag geht damit der 104. Deutsche Katholikentag zu Ende.
Die Gerichtsrede Jesu fordere uns zu einem radikalen Umdenken heraus, stellte Bischof Bertram bezugnehmend auf das Evangelium fest und betonte, dass deshalb ein konkretes Handeln im Hier und Jetzt als Maxime für jeden Christen gelte müsse. „Es fordert uns auf, den Blick jener einzunehmen, die am Rand der Gesellschaft stehen: der Menschen auf den Müllhalden dieser Welt, Menschen, die in den Kriegsgebieten – in der Ukraine, im Nahen und Mittleren Osten, im Sudan und im Kongo – ums Überleben kämpfen, Menschen, deren Lebensgrundlagen zerstört sind, aber auch solche in unserer unmittelbaren Umgebung.“
Der christliche Glaube verlange den Blick von unten. „Das ist kein Randaspekt des Evangeliums, sondern sein Kern“, sagte Bischof Bertram und wandte sich gleichzeitig dankend an alle weltkirchlich Engagierten, die die Messe im Würzburger Dom mitfeierten und auch mitgestaltet hattet. In Ihrer Arbeit mit den Partnerländern weltweit würden sie genau dieses Prinzip umsetzen.
Dabei gab der Bischof gleichzeitig zu bedenken, nicht nur die Symptome der Krisen in den Blick zu nehmen, sondern auch deren Ursachen. So seien die soziale und ökologische Krise untrennbar miteinander verbunden, erinnerte er an die Botschaft von Papst Franziskus und dessen Enzyklika Laudato si. „Gerade in einer Zeit, in der Solidarität allzu oft vernachlässigt oder geringgeachtet wird, braucht es unsere Stimme als Christinnen und Christen umso mehr. Es braucht eine Perspektive, die den Blick Christi einnimmt: eine Sicht, die über das Eigene hinausgeht und die Welt als gemeinsames Haus erkennt.“
Auf die Gefahr eines zunehmenden Erstarkens rechter Kräfte im In- und Ausland wies Bischof Bertram bereits am frühen Nachmittag in einer Messe mit der Edith-Stein-Gesellschaft in der Würzburger Pfarrkirche St. Gertraud hin. Die Gesellschaft wurde 1994 gegründet und bemüht sich seither das Erbe und Lebenszeugnis Edith Steins wachzuhalten.
Dies machte sich auch Bischof Bertram in seiner Predigt zu eigen und warnte ausgehend davon vor aktuellen, gesellschaftlichen Entwicklungen. Denn würde einerseits das Narrativ von der Erneuerung des christlichen Abendlands gepflegt, um christliche Wählerstimmen zu gewinnen, seien Großkirchen andererseits vermehrt politisch motivierten Angriffen ausgesetzt. „Extremismus und Christentum sind keine tragfähige Allianz“, betonte er dahingehend und blickte auf den Widerstand, den Edith Stein angesichts der Bedrohung durch den Nationalsozialismus gelebt hat. Er stellte dafür drei Handlungsimpulse der Heiligen vor, die leitend seien, um nicht einem Klima der Angst, Polarisierung und Gewalt zu verfallen.
Neben dem aufmerksamen Wahrnehmen gesellschaftlicher Entwicklungen und ihrem Mut zur Stellungnahme, sei ihre Christusbeziehung das Fundament ihres Handelns gewesen. „Uns nicht von der Angst vereinnahmen lassen, sondern uns in Christus und in seinem Frieden verankern – das müssen wir in diesen Tagen wieder neu lernen“, erinnerte der Bischof an den unerschrockenen Charakter der Heiligen einerseits und ihre fürsorgliche Art andererseits. „Auf die heutige Situation gemünzt heißt das: Begnügen wir uns nicht damit, in Opposition zu gehen. Bemühen wir uns zu verstehen, welche Ängste Menschen umtreibt - ehe sie sich radikalisieren.“
Die Liebe Christi ermögliche uns, allen bedrohlichen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen. „Stehen wir für diese Liebe ein: wachsam, fürsorglich und ohne Furcht“, so Bischof Bertram. Am Samstagmorgen war er bereits im Großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik mit der Islamtheologin Prof. Dr. Asmaa El Marooufi aus Münster über die Blindenheilung bei Jericho in einen „biblischen Dialog“ getreten und hatte über die daraus folgenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Glaubens- und Gebetsleben von Christen und Muslimen diskutiert. Mehrere hundert Zuhörerinnen und Zuhörer konnten dabei mitverfolgen, wie manchmal überraschend und manchmal amüsant die beiden Theologen gemeinsam darüber nachdachten, wie Christentum und Islam letztendlich doch durch den aktiven Glauben an den einen barmherzigen Gott geprägt sind.
Der weltkirchliche Gottesdienst im Kiliansdom stand am Ende eines wettertechnisch wechselhaften, aber dennoch von großer Freude, reger Teilnahme und starkem Interesse der zehntausenden Besuchenden gekennzeichneten 104. Deutschen Katholikentages. In Würzburg hatten die Menschen die Gelegenheit, die Vielfalt und Bandbreite des deutschen Katholizismus umgeben von Wasser und Weinbergen kennenzulernen – die Kirchenmeile entlang des Mains bot dazu reichlich Gelegenheit. Am Stand des Bistums luden die Diözese und der Diözesanrat gemeinsam dazu ein, sich entsprechend des Katholikentagsmottos „Habe Mut, steh auf!“ Gedanken darüber zu machen, was Heldinnen und Helden eigentlich ausmacht. Figuren aus der Bistumsgeschichte wie die Bistumspatrone Ulrich, Afra und Simpert oder die heilige Crescentia von Kaufbeuren, aber auch Alltagsheldinnen und -helden etwa aus der Pflege oder dem Bildungswesen inspirierten die Menschen dazu, sich entsprechende Gedanken zu machen und zu überlegen, wo sie in ihrem eigenen Leben heldenhaft sein könnten. Kaffee, Kekse und Allgäuer Käse rundeten das Angebot am Bistumsstand ab.
Mit dem Festgottesdienst am Würzburger Residenzplatz nehmen vier intensive Tage schließlich ihr feierliches und erfolgreiches Ende - oder wie eine Teilnehmerin neben einem „Gebäude überfüllt“-Schild vor dem Dom bemerkte: „Das ist bei Kirchen selten geworden!“ Doch nicht nur beim Fußball gilt: „Vor dem Spiel ist nach dem Spiel“, und so wird der Paderborner Erzbischof Udo Bentz beim Abschlussgottesdienst auch gleich zum 105. Deutschen Katholikentag in seine ebenfalls schöne Bischofsstadt einladen können. Und natürlich wird auch das Bistum Augsburg dort wieder mit einem Stand vertreten sein: Vom 24. bis 28. Mai 2028 in der Hansestadt Paderborn.