Menü
Wichtiges
Aufruf zum Weltgebetstag am 24. Mai

Bischof Bertram warnt vor weiteren Restriktionen für die Kirche in China

18.05.2026

Die katholische Kirche ruft auch in diesem Jahr am 24. Mai zum weltweiten Gebet für die Kirche in China auf. Der Gebetstag wurde im Jahr 2007 von Papst Benedikt XVI. begründet und findet am Festtag „Maria, Hilfe der Christen“ statt. Angesichts der aktuellen Situation für die Kirche in China warnt Bischof Dr. Bertram Meier als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz vor weiteren Einschränkungen gegenüber den Christen.

„Immer stärker begrenzen staatliche Restriktionen und Regulierungen den Handlungsspielraum für Christen und andere Religionsgemeinschaften in China. Als praktizierender Christ läuft man nicht selten Gefahr, auch ungewollt gegen den dichtmaschigen Katalog von Vorschriften zu verstoßen. Dass Chinas Christinnen und Christen dennoch immer wieder Wege finden, ihren Glauben zu leben, ist bewundernswert und zeugt von großer Beharrlichkeit und innerer Stärke“, erklärt Bischof Bertram. Bestehende Regelwerke der chinesischen Zentralregierung, wie die seit 2018 geltenden „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“, werden kontinuierlich durch Detailbestimmungen ergänzt. Dazu gehören etwa Regelungen zur Verwaltung religiösen Personals oder zur Veröffentlichung religiöser Inhalte im Internet. Staatlich organisierte Fortbildungen verpflichten Geistliche dazu, die Rechtsnormen zu studieren, „religiöse Disziplin“ zu wahren und ein „gutes Image“ im Sinne der Regierungsbestimmungen zu vermitteln. „In der Praxis führen diese bürokratischen Detailregelungen zu einem immer engeren Korsett für das religiöse Leben. Selbst digitale Räume unterliegen strenger Kontrolle. Gerade dort, wo junge Menschen heute viel Zeit verbringen, wird die Weitergabe von Glaubensinhalten massiv eingeschränkt“, so der Bischof.

Im Dezember 2025 veröffentlichten die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung – die von der Partei gelenkte Dachorganisation der Katholiken in China – und die staatlich organisierte Chinesische Bischofskonferenz vorläufige Bestimmungen zur Standardisierung der Reisepassverwaltung für katholisches religiöses Personal. Das bedeutet, dass Bischöfe, Priester und Ordensleute bei Auslandsreisen ihre Pässe in der jeweiligen Diözese hinterlegen müssen. Reisen – ob offiziell oder privat – sind fortan genehmigungspflichtig und bedürfen einer vorherigen Antragstellung; vom einmal genehmigten Reiseprogramm darf nicht abgewichen werden. Für Geistliche ist es damit deutlich schwieriger geworden, ins Ausland zu reisen. „Mit diesen Ausreiserestriktionen werden die Begegnung und der Dialog mit Ortskirchen in Europa, die für die Christen in China von großer Bedeutung sind, erheblich erschwert“, so Bischof Bertram. „Gerade der internationale Austausch aber stärkt die kirchliche Gemeinschaft, er eröffnet neue Perspektiven und gibt den Gläubigen Rückhalt. Wenn diese Möglichkeiten noch mehr als ohnehin eingeschränkt werden, trifft das die Kirche als weltumspannende Gemeinschaft.“

Insbesondere unter Staatspräsident Xi Jinping verfolgt die Kommunistische Partei Chinas eine Politik der sogenannten „Sinisierung“, die darauf abzielt, die Ausrichtung der Religionen an der Staatsideologie sicherzustellen. Plastisch greifbar wird dies etwa am Wallfahrtsort Sheshan: Der Pilgerweg, der zu der auf einer Anhöhe gelegenen Basilika führt, ist zwischen Heiligenfiguren und Kreuzwegstationen von roten Plakaten gesäumt. Auf ihnen werden einige der von der Kommunistischen Partei Chinas aufgestellten „sozialistischen Kernwerte“ – Wohlstand und Stärke, Demokratie, Gleichberechtigung, Harmonie und Vaterlandsliebe – propagiert und zugleich religionspolitische Vorschriften in knapper Form in Erinnerung gerufen. Der Weg und die Kirche selbst sind mit Kameras überwacht, die die Einhaltung staatlicher Vorgaben sicherstellen sollen, etwa auch das Verbot der Teilnahme von Minderjährigen an gottesdienstlichen Aktivitäten.

Vor diesem Hintergrund bittet Bischof Bertram eindringlich um das Gebet für die Christen in China: „Lassen wir sie mit unserem Gebet und unserer Solidarität wissen, dass sie trotz aller Einschränkungen nicht allein, sondern Teil der weltweiten Gemeinschaft der Kirche sind. Möge die Muttergottes von Sheshan, deren Heiligtum die chinesischen Katholikinnen und Katholiken so sehr verehren, ihnen beistehen und immer wieder Wege aufzeigen, ihren Glauben zu leben und das Evangelium zu verkünden.“

Hintergrund
Am 24. Mai jedes Jahres findet die traditionelle Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai statt. Die katholische Kirche begeht weltweit an diesem Datum den Gebetstag für die Kirche in China. Sie ruft alle katholischen Christen auf, im Gebet ihre Verbundenheit und Solidarität mit den chinesischen Christen zu zeigen.

Hinweis
Weitere Informationen und liturgische Hilfen sind auf der Internetseite des China-Zentrums e. V. unter www.weltgebetstag-china.de verfügbar.