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Predigt von Bischof Bertram zur Wiedereröffnung der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Halsbach

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen!“

03.05.2026 10:30

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! „Mit vielen Händen ein schnelles Ende – wir packen‘s an!“[1] – so lautet eine Überschrift, die ich in einem Pfarrbrief Ihrer Gemeinde St. Peter und Paul in Halsbach gelesen habe. Der nachfolgende Artikel über die Renovierung dieser Pfarrkirche ließ mir als Bischof wahrlich das Herz aufgehen, denn ich konnte ihm entnehmen, mit welcher Freude und Tatkraft die Haupt- und Ehrenamt­lichen zusammengeholfen und auf unterschiedliche Weise beigetragen haben, damit dieses schöne Gotteshaus wieder in neuem Glanz erstrahlt. Hierfür danke ich Ihnen allen und sage ein herzliches „Vergelt’s Gott“!

Die heutigen Tageslesungen vom 5. Sonntag der Osterzeit könnten mit Blick auf den Anlass der feierlichen Wiedereröffnung passender kaum sein; denn an mehreren Stellen geht es darum, auf welchen „Steinen“ die Kirche Christi steht. Im Wesentlichen werden dabei zwei Grunddienste genannt, zu denen ich Ihnen jeweils meine Gedanken anbieten möchte. Diese sind: der (1) Dienst des Wortes und der (2) Dienst der Tat.

1. Kirche und der Dienst des Wortes

Wer bei der ersten Lesung genau aufgepasst hat, konnte feststellen, dass es in der Urgemeinde von Jerusalem, aus der heraus sich später die weltweite Kirche entwickelte, im Laufe der Zeit Spannungen gab. War es zu Beginn noch eine Gemeinschaft voller Harmonie und Einmütigkeit, wie die Apostelgeschichte berichtet (vgl. Apg 2,46), taten sich bald schon erste Konflikte auf - wie das eben so ist, wenn Dinge organisiert werden müssen und unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. Konkret ging es darum, dass Griechisch sprechende Christen sich bei der Versorgung ihrer Witwen gegenüber den Aramäisch sprechenden Christen benachteiligt fühlten (vgl. Apg 6,1). In der Folge entschied man, den Dienst des Wortes vom Dienst des Tisches, womit auch die Versorgung jener Frauen gemeint war, voneinander zu trennen und für Letzteren geeignete Männer auszuwählen, die später als die ersten „Diakone“ in die Kirchengeschichte eingingen und dem Amt ihr spezifisch karitatives Profil gaben.

Ein Punkt scheint mir bei diesem Vorgang aus heutiger Sicht besonders spannend zu sein: Der Dienst des Wortes, also die christliche Verkündigung, ist nur dann wirklich überzeugend, wenn er mit einer entsprechenden Lebensweise einhergeht und „synodal“ verstanden wird. Damit meine ich, dass wir als Weltkirche, aber auch als Ortsgemeinde mehr denn je heute dazu aufgerufen sind, einen Weg einzuschlagen, der „geprägt ist vom Hören auf das Volk Gottes und vom Unterscheiden der Hirten“[2], wie es im Schlussdokument der weltweiten Bischofssynode heißt.

Die Art und Weise, wie die Apostel vor zweitausend Jahren den Streit lösten, kann uns dabei beispielhaft zeigen, wie auch heutzutage Entscheidungen getroffen und Konflikte gut gelöst werden können: Zunächst ist es sehr wichtig, dass die Kirchenleitung den Gläubigen stets mit einem offenen Ohr und Interesse begegnet, wenn diese eine Frage oder ein bestimmtes Anliegen haben. In großer Wertschätzung sollen sie angehört werden, und dann soll man miteinander überlegen, wer die passende Kompetenz hat, um für das vorliegende Problem eine gute Lösung zu finden. Diese Personen sollen schließlich von der Leitung mit der Umsetzung beauftragt werden. So waren es am Ende auch die Apostel, welche den Diakonen die Hände auflegten und sie zu ihrem Dienst beriefen. Das Problem konnte gelöst werden und alle Seiten waren zufrieden, was meiner Meinung nach vor allem daran lag, dass die Beteiligten die Wirklichkeit gut wahrgenommen haben und im gemeinsamen Dialog eine Lösung fanden.

Das klingt, wenn man das so hört, recht einfach. Wir alle wissen aber, dass es in der Realität oft hakt. Auch eine Kirchenrenovierung kann da durchaus Kon­fliktpotential bergen, wie die Erfahrung zeigt. Das beginnt mit den Fragen, was genau renoviert werden muss, wer für was zuständig ist, wann etwas gemacht werden soll, wer was bezahlt usw. Bei all dem sollte immer das Ziel sein, dass die Gemeindeleitung in einem guten Miteinander mit Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat sowie mit den staatlichen und diözesanen Stellen zusam­menarbeitet. Dies scheint mir hier in Halsbach gelungen zu sein, wozu ich Sie noch einmal beglückwünschen möchte.

Der neu renovierte Kirchenraum ist der zentrale Ort der Verkündigung, die den Aposteln vor zweitausend Jahren so wichtig war, dass sie dafür sogar soziale Aufgaben wie die Witwenversorgung an die eben erwähnten Diakone dele­gierten. Heute gibt es dafür eigene kirchliche Einrichtungen wie die Caritas, doch sollte kein Christ, egal ob Priester oder Laie, den Fehler machen, einzelne Grunddienste der Kirche zu vernachlässigen oder gar gegeneinander aus­zuspielen. Verkündigung ohne konkrete Taten der Nächstenliebe bleibt unglaubwürdig! Umgekehrt ist die Kirche keine reine Hilfsorganisation, sondern von Jesus Christus dazu berufen, die frohe Botschaft des Reiches Gottes zu verkünden. Somit geht das Wort der Tat voraus, muss sich dann aber im Leben bewähren, was mich zu meinem zweiten Gedanken führt.

2. Kirche und der Dienst der Tat

Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir als Christinnen und Christen von Gott sprechen und sein Erlösungswerk loben. Gleichzeitig darf der „Dienst an den Tischen“ (Apg 6,2) im Sinne einer praktizierten Nächstenliebe nicht fehlen. Hierfür gibt es innerhalb einer Pfarrgemeinde eine Reihe an Möglichkeiten. Ich denke beispielsweise an Besuchsdienste, die Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigung oder in Notsituationen. Auch wird es in Halsbach Frauen und Männer geben, die verwitwet und vielleicht einsam sind. Und vergessen wir niemals unsere Kranken oder Menschen, die traurig sind. „Dienst am Tisch“ kann demzufolge bedeuten, den Blick auch für andere zu haben, aufeinander zuzugehen, Zeit miteinander zu verbringen, sich zuzuhören, einander zu unterstützen. Das ist keine Aufgabe, die an eine einzelne Berufsgruppe wie die Diakone abgetreten werden kann. Wir ALLE sind dazu aufgerufen, Jesu Beispiel zu folgen, der uns im heutigen Evangelium lehrt, dass wir in IHM das Wesen des himmlischen Vaters erkennen können (vgl. Joh 14,9): voller Liebe und Fürsorge. Wenn Jesus sagt, dass niemand zum Vater kommt außer durch IHN (vgl. Joh 14,6), heißt das für uns, dass wir unser Leben ganz an seinen Worten und Taten ausrichten sollen. Ein wesentliches Merkmal ist hierbei die liebevolle Hinwendung zu den Mitmenschen. Fragen Sie sich also in den nächsten Tagen einmal: Wem kann ich in meinem persönlichen Umfeld Gutes tun? Wer braucht ein Wort der Aufmunterung oder des Trostes? Wo kann ich mithelfen, dass Menschen etwas von der österlichen Freude spüren können?

Kirche lebt in erster Linie nicht von Gebäuden aus Stein, sondern von den Gläubigen. So rufe ich Ihnen abschließend noch einmal die Worte aus dem ersten Petrusbrief zu, die wir vorhin gehört haben: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen!“ (1 Petr 2,5), deren „Eckstein“ (1 Petr 2,7) und Fundament Jesus Christus ist. Solange SEIN Name in dieser Kirche gepriesen wird und es Menschen gibt, die dem Sohn Gottes in Wort und Tat nachfolgen, solange dürfen wir voller Hoffnung sein und darauf vertrauen, dass Gott auch weiterhin die Gläubigen der Gemeinde Halsbach mit seinem Segen begleitet. Denn damals wie heute gilt: „Wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde!“ (1 Petr 2,6)

Schriftlesungen vom 5. Sonntag der Osterzeit: Apg 6,1-7; 1 Petr 2,4-9; Joh 14,1-12

[1] Pfarrbrief der katholischen PG Feuchtwangen-Dürrwangen, Ausgabe 2/2022, 12.

[2] Papst Franziskus, XVI. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“, Schlussdokument, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2025, 7.