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Kirche in Europa

„Gewalt allein schafft keinen Frieden“

27.02.2026

Augsburg (DBK/pba). „Der erste Schritt zu einem gerechten Frieden ist die schonungslose Selbstreflexion (...) Gerade dies sollten wir heute bedenken, wenn wir in besonderer Weise für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden beten", hat Bischof Bertram diesen Montagabend in einem Pontifikalgottesdienst in der Ulrichsbasilika betont. Die Feier fand im Rahmen der europaweiten "Eucharistischen Kette" statt, in der die katholische Kirche in Europa in besonderer Weise für den Frieden betet.

"In der Ukraine, im Heiligen Land, in Syrien und in den vielen Krisengebieten dieser Welt begegnen wir einer Wirklichkeit, die von Krieg, Terror, Vertreibung, Hunger, religiöser Vereinnahmung und politischen Machtspielen geprägt ist. Gewalt ist wieder eine selbstverständliche Sprache der Politik und erscheint uns leider oft auch als angemessene Reaktion auf diese Entwicklungen", erklärte der Bischof eingangs in seiner Predigt und fügte mit Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen hinzu, dass das Gebet für den Frieden notwendiger denn je sei: „Wir schauen alle gebannt auf die Bilder, die uns aus dem Iran und der Golfregion erreichen, von den Menschen in den Schutzräumen Israels, ja, bis hin zu den Militärbasen auf Zypern. In den seit Samstag tobenden Konflikt werden mehr und mehr Staaten hineingezogen, es droht ein Flächenbrand in der gesamten Region! Mögen die Waffen bald schweigen und möge vor allem das iranische Volk die Chance bekommen, zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückzufinden.“

Bischof Bertram appellierte eindringlich: „Auch wenn natürlich Staaten das Recht haben, sich zu verteidigen oder unter Umständen Gewalt zum Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger einzusetzen, sollten wir nie vergessen: Gewalt allein schafft keinen Frieden. Die heutige Lesung und das Evangelium sind hier eindeutig: Ein dauerhafter und gerechter Friede beruht auf Wahrheit und Barmherzigkeit.“ In seiner Predigt erinnerte er an die vielen Kriegsgebiete auf der Welt: „Zerstörte Städte, geschwächte Zivilgesellschaften, politische Repressionen, wirtschaftliche Nöte, religiöse Spannungen, Menschen auf der Flucht. All dies finden wir wieder und wieder in unterschiedlichen Ausprägungen. Immer ist Vertrauen auf lange Zeit zerbrochen. Ein echter Friede wird dort nicht möglich sein, ohne dass Schuld benannt wird. Ohne dass Unrecht anerkannt wird. Ohne dass die Wahrheit ans Licht kommt.“

Jeder, so Bischof Bertram, habe im Leben schon erlebt, dass die Wahrheit schmerzhaft sein könne: „Sie kann verletzen und Beziehungen zerstören. Wenn Andere Wahrheiten über uns offenbaren, kann dies unser Selbstbild erschüttern und uns in eine tiefe Krise führen.“ Darum sei es notwendig, Barmherzigkeit zu üben. Dabei bedeute Barmherzigkeit nicht, Unrecht zu verschweigen. „Sie bedeutet auch nicht, die Täter und ihre Taten zu verharmlosen. Aber sie bedeutet, dem anderen nicht endgültig jede Zukunft abzusprechen. Wer Barmherzigkeit mit einer Art billigen Versöhnung gleichsetzt, hat den tieferen Sinn der Worte Jesu nicht verstanden.“

Die Feier der Eucharistie ist ein zentrales Element der europaweiten Gebetskette für den Frieden.

Die Feier der Eucharistie ist ein zentrales Element der europaweiten Gebetskette für den Frieden.

Bischof Bertram erinnerte im Gottesdienst, der auch von zwei Priestern der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche mitgefeiert wurde, an seinen wenige Wochen zurückliegenden Besuch in Syrien. Die Begegnungen und Gespräche hätten ihm gezeigt, dass eine Entwaffnung des Herzens notwendig sei: „Nach Jahren von Bürgerkrieg, Terror, internationalen Interessen und tiefen Verwundungen braucht es mehr als politische Abkommen. Es braucht Räume des Dialogs, des Zuhörens, der lokalen Versöhnung. Es braucht die Bereitschaft, nicht nur an der eigenen Sicherheit zu arbeiten, sondern am gemeinsamen Zusammenleben. Die von Jesus geforderte Barmherzigkeit ist also keine Schwäche. Sie ist eine geistliche Stärke, die es wagt, an Veränderung zu glauben.“ Er fügte hinzu: „Ich weiß, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede klingt gerade in unserer heutigen Zeit utopisch. Denn wir alle wissen, dass der Friede vielfach bedroht ist und Abschreckung notwendig erscheint. Doch unsere christliche Hoffnung lässt sich nicht auf militärische Sicherheit beschränken. Sie fußt auf einem tieferen Verständnis der Welt, unseres Zusammenlebens und des konkreten Menschen. Unsere Hoffnung nährt sich aus einer einfachen Erkenntnis: Ein Friede, der allein auf Waffen beruht, bleibt fragil. Ein Friede, der Herzen erreicht, kann wachsen.“

Die "Eucharistische Kette" ist eine Initiative des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und stellt eine Reihe an Gottesdiensten dar, die während der Fastenzeit in verschiedenen europäischen Ländern für den Frieden gefeiert und dadurch eine europaweite und völkerverbindende Gebetskette befördern soll. Jeden Tag wird dazu mindestens ein entsprechender Gottesdienst in einem anderen Land der EU gefeiert. Am Sonntag fand das Gebet in Frankreich statt, während am Dienstag auf Deutschland die katholische Kirche in Griechenland folgt.