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Wichtiges
Kirche und Musik

Christus musikalisch bezeugen

15.07.2026

Die Kemptener Basilika St. Lorenz hat diesen Sonntag ein besonderes Doppeljubiläum gefeiert: Gemeinsam mit Bischof Bertram gedachte man 200 Jahre Basilikachor und 40 Jahre Vokalensemble Kempten, das ebenfalls in der Basilika angesiedelt ist. Bischof Bertram deutete die vier Buchstaben des Wortes „Chor“ dem Anlass entsprechend um: „Christus – Hören – Offen sein – Rufen“.

Kirchliche Musik sei immer auch mit der in Ton gegossenen Verherrlichung Christi verknüpft, dem schon zu seiner menschlichen Geburt die Engel ein Loblied gesungen hätten. Die Musik sei dafür ein passendes Medium, da sie in besonderer Weise die Menschen innerlich berühren und „eine Ahnung von der transzendenten Wirklichkeit geben“ könne. Komponisten wie Johann Sebastian Bach oder Joseph Haydn, die seit zwei Jahrhunderten durch den Kemptener Basilikachor aufgeführt würden, hätten die Kirchenmusik stets auch als „musikalische Form der Verkündigung“ verstanden: „Möge darum auch in den kommenden Jahrzehnten die musica sacra in der prächtigen Basilika St. Lorenz zu Kempten erklingen, mit Vertonungen, die uns allen dabei helfen, in eine möglichst innige Christus-beziehung zu gelangen, aus der heraus wir Kraft und Freude für unser Leben schöpfen können.“

Dafür brauche es wiederum das „Hören“, das als Hören auf Gottes Wort und als Aufeinander-Hören der Menschen zu verstehen sei – nicht nur, um als Chor gut zu funktionieren, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene: „Der Chor als Gemeinschaft, wo man zusammenstehen sollte, wenn es mal Probleme gibt.“ Dies erfordere eine Offenheit füreinander und für Gottes Botschaft. „Wahre Christen begegnen allen Menschen mit Respekt und Nächstenliebe. Mehr noch: Sie leisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag und helfen denjenigen, die benachteiligt oder in Not sind“, betonte der Bischof. In Kempten werde dies in besonderer Weise gelebt, etwa mit dem Projekt „Lorenz unterwegs“.

Schließlich umfasse das „Rufen“ im christlichen Sinne ebenfalls zwei Richtungen. Zum einen seien alle Menschen von Gott berufen, „seine Liebe jeden Tag in Wort und Tat zu bezeigen.“ Dies gelinge freilich nicht immer oder scheitere bisweilen ganz. In diesen Momenten könne man wieder auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen: „Gerade dann also, wenn wir am schwächsten sind, tritt Gott an unsere Seite und ruft uns zu: ‚Ich bin bei dir alle Tage!‘ Welch ein Trost!“ In diesem Sinne und mit dieser Deutung der vier Buchstaben im Wort „Chor“ versehen wünschte der Bischof den Mitgliedern von Basilikachor und Vokalensemble, „singend voran“ durch die Zeiten zu gehen – denn wie es der heilige Augustinus einst formulierte: „Singen ist denen eigen, die lieben.“

Im Pontifikalamt wurde die „erdwärtsmesse“ des österreichischen Komponisten Peter Jan Marthé von beiden Chören und unterstützt von einem großen Blechbläserensemble, drei Schlagwerkern, der großen Orgel und einem Baritonsolo aufgeführt. Die Gottesdienstgemeinde war dabei ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen. Im Anschluss an den Gottesdienst fand im Pfarrzentrum ein Festakt zum Doppeljubiläum statt. Der Gottesdienst wurde live auf K-TV übertragen.

Anlässlich der doppelten Jubiläumsfeier wurde vom Kemptener Historiker und Basilikachorsänger Markus Naumann eine 56-seitige Festschrift verfasst, die der Geschichte der beiden Vokalensembles nachspürt. Sie ist im Pfarrbüro von St. Lorenz für vier Euro erhältlich.

Die Basilikamusik im Laufe der Geschichte
Das ehemalige Fürststift Kempten blickt auf eine lange und große kirchenmusikalische Tradition zurück. So beherbergt die Zentralbibliothek Zürich ein Hymnarium aus Kempten, das um das Jahr 1000 geschrieben wurde. Es enthält unter anderem Gesänge, die auch heute noch gesungen werden wie z.B das „Veni Creator Spiritus“. Repräsentationsbedürfnis und Selbstverständnis der Benediktiner in Kempten drückten sich nicht nur im Neubau von Residenz und Kirche aus (1652-1669), sondern fanden ebenso ihren Niederschlag in der Musik des Stiftes.

So wirkten ab dem 17. Jahrhundert als Stiftskapellmeister einflussreiche Musiker, u.a. Philipp Jakob Baudrexel (1672-1677), P. Thomas Eisenhuet (1677-1702) und Franz Xaver Richter (1740-1747). Letzterer zählte zu den bedeutendsten Musikern seiner Zeit und hatte als Mitglied der Mannheimer Schule großen Einfluss auf die folgende Wiener Klassik.

Im 20. Jahrhundert erwarben sich vor allem Franz Lehrndorfer (1924-1955) und Hans Gurski (1976-1998) große Verdienste um die Kirchenmusik in Kempten. Mit der Gründung des Vokalensembles Kempten (1986) und der Basilikamusikschule e.V. (2007) versucht die Basilikamusik, breit und differenziert aufgestellt den Anforderungen kirchenmusikalischer Arbeit der heutigen Zeit zu entsprechen. Seit 2009 ist Benedikt Bonelli Chordirektor und Organist der Basilika St. Lorenz.