Dillinger Franziskanerinnen aus Buchloe verabschiedet
Seit 1915 wirkten Schwestern der Dillinger Franziskanerinnenkongregation in Buchloe. Dort übernahmen sie verschiedene Aufgaben, zuletzt vor allem im dortigen Krankenhaus, das bis 1997 unter ihrer Trägerschaft stand. Am Sonntagabend wurden die vier verbliebenen Schwestern im Rahmen eines feierlichen Pontifikalgottesdienstes in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt verabschiedet. Für Bischof Bertram, der selbst in Buchloe zur Welt kam, kein Anlass für Schwermut, sondern für ein herzliches Dankeschön, wie er in der Predigt betonte.
Zu Hochzeiten lebten 55 Dillinger Franziskanerinnen im Konvent im Krankenhaus St. Josef. Sie arbeiteten dort als Pflegerinnen, in der Küche, im OP, als Lehrerinnen oder in der Pfarrei oder dem örtlichen Kindergarten. Aufgrund des fehlenden Ordensnachwuchses und des vorangeschrittenen Alters der vier Schwestern Irmgard, Magdalena, Helga und Walbirg hatte sich die Ordensleitung schweren Herzens für die Auflösung des Buchloer Konventes entschieden. Ende November ziehen drei von der über 80-jährigen Damen in das Dillinger Mutterhaus, eine Schwester siedelt nach Oberstdorf um.
Zum Abschied am Sonntag reiste Bischof Dr. Bertram Meier nach Buchloe, um das Wirken des Schwesternkonventes ein letztes Mal zu würdigen. Bischof Bertram, der selbst 1960 im St. Josefskrankenhaus zur Welt kam und in der dortigen Krankenhauskapelle getauft wurde, ist nur eines von zahlreichen „Buchloer Kindeln“, die die Schwestern in ihren ersten Lebenstagen begleiteten.
In seiner Predigt in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt betonte er, dass man sich das Krankenhaus ohne die Schwestern nur schwer vorstellen könne, die „seine Atmosphäre mit ihrer beruflichen Kompetenz, aber auch mit ihrer Glaubensstärke und Güte geprägt haben“. Trotzdem solle die Schwermut nicht das letzte Wort haben: „Wir sind gekommen, um Ihnen, liebe Schwestern, ein großes Dankeschön zu sagen – und natürlich auch, um Gott zu danken, der die Wege der Dillinger Franziskanerinnen in Buchloe über mehr als ein Jahrhundert hinweg begleitet hat.“, so der Bischof. Er sei überzeugt, dass die Schwestern durch ihr Wirken gezeigt hätten, dass ihre Herzen nicht verschlossen seien. Bischof Bertram: „Ganz im Gegenteil! Jahrzehntelang standen Sie unermüdlich im Dienst der Kranken, im Dienst der Gesellschaft, im Dienst des Evangeliums. Ihr Einsatz in Buchloe war segensreich!“ Es sage viel aus, dass heute so viele Menschen zum Abschied gekommen seien. „Ich bete darum, dass Gott Sie auf Ihrem weiteren Weg mit seiner Nähe begleitet.“ In dieses Gebet schließe er auch ganz bewusst die bereits verstorbenen Schwestern des Konventes mit ein. Zum Ende äußerte er einen Wunsch: „Der Pfarrgemeinde und meiner Geburtsstadt wünsche ich, dass sie das Zeugnis der Dillinger Franziskanerinnen in dankbarer Erinnerung bewahrt und sich auch in Zukunft davon inspirieren lässt. Möge Gott uns alle segnen!“
Die Kongregation der Franziskanerinnen von Dillingen
1241 schlossen sich einige fromme Frauen zu einer Art klösterlicher Gemeinschaft zusammen und bekamen vom damaligen Augsburger Bischof, der aus der Familie der Grafen von Dillingen stammte, ein Haus in der Nähe der Pfarrkirche geschenkt. 1302 übernahm die Gemeinschaft die Ordensregel des hl. Franz von Assisi (+ 1226) und wird seitdem dem Dritten Orden zugerechnet. Während des 30-jährigen Krieges im durchlebte die Gemeinschaft im 17. Jahrhundert eine höchst schwierige Phase, konnte die kriegsbedingten Zerstörungen und Vertreibungen aber überstehen. 1803 kam es im Zuge der Säkularisation zu einem vorübergehenden Verbot Novizinnen aufzunehmen. Die Gemeinschaft ging infolgedessen auf nurmehr fünf Schwestern zurück.
1827 erlaubte der bayerische König die Neubelebung als Kongregation päpstlichen Rechtes. Der Konvent wuchs stark an, sodass 600 Jahre nach der Gründung ab 1843 erste Filialen in Deutschland, im 20. Jahrhundert Niederlassungen in den USA, Brasilien und Indien gegründet werden konnten. Eine Hauptaufgabe der Schwestern besteht vor allem im Schuldienst; viele arbeiten aber auch in Kindergärten, Altenheimen, Kinderheimen und Krankenhäusern. Von den sieben Konventen befinden sich heute drei in Deutschland, zwei in Brasilien sowie je einer in Indien und den USA. Der Sitz des Generalats sowie der Deutschen Provinz befindet sich in Dillingen. Aktuelle Generaloberin ist Sr. Elisabeth Schneider.