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Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Einander Mensch und Begleiter sein

12.10.2026

Am Beginn eines neuen Semesters an der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt steht traditionell ein Gottesdienst, dem heuer Bischof Dr. Bertram Meier in der Eichstätter Schutzengelkirche in Vertretung des Großkanzlers vorstand. In seiner Wintersemestereröffnungspredigt an diesem Montag hielt der Bischof ein Plädoyer für echtes Menschsein und die Kraft der inneren Einkehr im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI).

Ausgehend von der Frage Jesu „Was sucht ihr?“ schlug Bischof Bertram vor Lehrenden und Studierenden gleichermaßen den Bogen vom universitären Alltag zur tiefsten Seelenschicht des Menschen. Ein gelingendes Studium verlange nach Leidenschaft und Hingabe mit Herz und Seele. Bereiche, in denen KI nur bedingt, das Menschsein dagegen umso mehr helfe. Zudem erinnerte er an die Einladung an uns, Jesus nicht nur als eine historische Persönlichkeit kennenzulernen, sondern als den menschgewordenen Gott. „Er lebt und er ist derjenige, bei dem Suche und Sehnsucht unseres Lebens einmal ans Ziel kommen.“

Der Blick nach innen

Dazu gab der Bischof seinen Zuhörern drei richtungsweisende Hilfestellungen mit auf den Weg. Gegen die oberflächliche Selbstvermarktung in den sozialen Medien brauche es stille Räume der Selbsterkenntnis, wie sie etwa der heilige Ignatius von Loyola mit der Abfassung seiner „Geistlichen Übungen“ oder Teresa von Ávila durch die Niederschrift ihrer Erfahrungen präsentiert haben. Mit ihrer literarisch und psychologisch hochwertigen Beschreibung habe Teresa einen Leitfaden geschaffen, der auch für den Menschen des 21. Jahrhunderts Orientierung biete. „Vielleicht darf diese Kirche für Sie ein Ankerpunkt der Stille im Alltag sein: ein Ort, an dem das Lernen, die Diskussion und die Unterhaltung pausieren, ein geschützter Raum, in dem die Seele zur Ruhe findet“, gibt der Bischof zu bedenken.

Begleitung und Gemeinschaft

Neben dem unverzichtbaren Blick ins eigene Innere bräuchten wir aber auch Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die von außen auf unser Leben schauen. Unser Glaube lehre uns, dass jedem Menschen ein Schutzengel an die Seite gestellt sei, Menschen, die uns uneigennützig darauf aufmerksam machten, was für unser Leben bedeutsam und wichtig ist, etwa Seelsorgende, Lehrende, Eltern, Kommilitoninnen und Kommilitonen, Geschwister, Freundinnen und Freunde sowie Heilige. Bischof Bertram: „Es gibt viele Möglichkeiten, wer diese Rolle in Ihrem Leben einnehmen kann. Niemand ist automatisch der richtige oder der einzige Ratgeber. Wählen Sie mit Bedacht, welchen Stimmen Sie Vertrauen schenken“, empfahl er.

Der Dienst am Nächsten

Rat und Unterstützung zu empfangen dürfe aber auch keine Einbahnstraße sein, so der Bischof. Wir alle seien auch dazu bestellt, „für andere da zu sein“: Niemand müsse erst auf das Studienende oder die Beseitigung aller Lebens- und Glaubenszweifel warten, um diesbezüglich selbst Verantwortung zu übernehmen. Übertragen auf eine Freundschaft bedeute das: „Sie braucht zwar Verbindlichkeit, muss aber auch die Luft der Freiheit atmen, sonst wird aus Beziehung schnell Abhängigkeit. Und wo Ehrgeiz herrscht, da empfiehlt es sich Teamwork zu lernen: Schauen Sie nach links und rechts und greifen Sie einander unter die Arme – natürlich nur, soweit es die Prüfungsordnung erlaubt!“

Bei goldenem Herbstwetter wurden die neuen Erstsemesterstudierenden im Anschluss an den Gottesdienst vor der Sommerresidenz begrüßt. Das Präsidium um KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien, der Eichstätter Oberbürgermeister Josef Grienberger sowie der Studentische Konvent hießen die neuen Studierenden willkommen.

Mit den Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester startete bereits am 5. Oktober das Wintersemester an der KU, bevor der erste Vorlesungstag der universitären Studiengänge an diesem Montag mit dem Gottesdienst eingeläutet wurde. Die Veranstaltungen der Fachhochschulstudiengänge begannen bereits mit dem 1. Oktober. Für insgesamt 5.200 Studierende läuft damit das neue Semester mit dem heutigen Tag so richtig auf Hochtouren.