Frieden wächst dort, wo Religionen sich begegnen
Die Repräsentanten unterschiedlicher Religionsgemeinschaften sind an diesem Mittwoch in Augsburg zum bundesweiten „Tag der Religionen“ zusammengekommen. Er stellt die zentrale Veranstaltung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland dar, die in der Regel einmal jährlich zusammen mit einer Kommune durchgeführt wird. Bischof Bertram erinnerte an die friedensstiftende Kraft und Verantwortung des interreligiösen Dialogs.
Für die Deutsche Bischofskonferenz wirkte der Vorsitzende der Kommission Ökumene und Interreligiöser Dialog, Bischof Dr. Bertram Meier, am Podiumsgespräch mit, das den „Tag der Religionen“ abrundete. Er erinnerte an die Geschichte Augsburgs als Friedensstadt: „Augsburg ist ein guter Ort, um über Religion und Frieden zu sprechen. Hier wurde 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen, hier feiern wir jedes Jahr das Hohe Friedensfest, und hier haben Katholiken und Lutheraner 1999 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterzeichnet.“ Zugleich verwies er darauf, „dass der Frieden oft erst nach langen Jahren des Konflikts gelernt wurde“, und betonte die besondere Friedensverantwortung der Religionen: „Es genügt nicht, einander zu versichern, dass wir alle den Frieden wollen. Wir müssen auch hinschauen, wo Religion missbraucht wird. Wo Gott zum Garanten der eigenen Macht erklärt wird, wo Kriege als ‚heilig‘ tituliert werden, da droht das Heilige entstellt zu werden. Dem muss ein Bischof – ebenso wie jeder fromme Mensch – aus der Mitte seines Glaubens widersprechen.“
Bischof Bertram ermutigte dazu, dass die Religionen ihr friedensstiftendes Potenzial im praktischen Handeln entfalten: „Es gilt, miteinander Verantwortung zu übernehmen – in der Stadt, im Land und darüber hinaus. Dazu gehören das gemeinsame Engagement für Menschen an den Rändern der Gesellschaft und ein klares Wort, wo immer Religionen oder Weltanschauungen als Werkzeug der Spaltung instrumentalisiert werden. Kurzum: Es geht um eine Haltung der Mitmenschlichkeit und um echte Geschwisterlichkeit.“ Bestärkt werde solch eine interreligiöse Friedensarbeit von einer Perspektive der Hoffnung: „Wo Menschen verschiedener Religionen einander wirklich begegnen, zuhören und füreinander einstehen, da wächst etwas von dem Frieden, zu dem wir berufen sind.“
Prof. Dr. Markus Vogt, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialethik an der Ludwig- Maximilians-Universität München, betonte zuvor in seinem einführenden Vortrag: „Hoffnung ist keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern eine Kraft, die sich in ihr bewähren muss. Sie befähigt dazu, Angst nicht in Hass, Wahrheit nicht in Herrschaft und Glauben nicht in Feindschaft zu verwandeln. Frieden fällt uns nicht in den Schoß. Er muss denkerisch, menschlich und politisch verankert werden. Die Religionen können dazu beitragen, wenn sie ihre Hoffnung in jene mutige und beharrliche Solidarität übersetzen, die Menschen auch unter schwierigen Bedingungen einen neuen Anfang ermöglicht. Ihr nüchterner Realismus verbindet Gelassenheit mit Tatkraft.“
Neben Bischof Bertram beteiligten sich auch die jüdische Theologin Helene Braun, die muslimische Religionspädagogin Dr. Selcen Güzel und Dr. Nicola Towfigh vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá’i an der Podiumsdiskussion. Bereits zuvor versammelten sich die Mitglieder des Runden Tisches zu einem multireligiösen Gebet in der Moritzkirche.
Hintergrund
Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland (RTD) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Religionsgemeinschaften: Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus und Bahá’i. Ziel ist es, den interreligiösen Dialog zu fördern, Vertrauen zu stärken und gemeinsam Verantwortung für den gesellschaftlichen Frieden zu übernehmen.
Einmal im Jahr veranstaltet der Runde Tisch im Zusammenwirken mit einer größeren Stadt den „Tag der Religionen“. Dieser eröffnet einen Raum der Begegnung, macht religiöse Vielfalt sichtbar und zeigt, dass Religion – dialogisch gelebt – eine verbindende und friedensstiftende Kraft sein kann.
Die Geschäftsführung des Runden Tisches hat derzeit Dr. Timo Güzelmansur inne, er ist der Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO).
Weitere Informationen zum Runden Tisch der Religionen in Deutschland sind verfügbar unter www.runder-tisch-der-religionen.de.