Gemeinsame Erklärung vorgestellt: „Austausch statt Einkapselung“
München/Augsburg (pba). Bischof Dr. Bertram Meier hat an diesem Montag in München gemeinsam mit Bayerns Innen- und Integrationsminister Joachim Herrmann sowie Vertreterinnen und Vertretern von Religionsgemeinschaften und Akteuren des interreligiösen Dialogs die ‚Gemeinsame Erklärung' des Bayerischen „Dialogforums Religion und Integration“ vorgestellt. Das Dialogforum geht auf eine Initiative von Minister Herrmann zurück und hatte sich erstmals im Herbst 2025 getroffen.
Unter den Religionsvertretern waren neben Bischof Bertram unter anderem der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, der Vorsitzende und Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, Rabbiner Elias Dray, und der Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz.
Die Erklärung betont die Schlüsselrolle der Religionen für ein friedliches Miteinander auf der Basis der im Grundgesetz formulierten freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Bayerischen Verfassung. Die Unterzeichnenden erklären darin ihre Bereitschaft, „auch in schwierigen Zeiten und bei kontroversen Standpunkten für das Ziel, auf der Basis gemeinsamer Werte friedlich, frei und sicher in Bayern zusammenzuleben“, im konstruktiven Austausch zu bleiben.
„Die ‚Gemeinsame Erklärung‘ ist keine Selbstverständlichkeit“, so Bischof Dr. Bertram Meier bei deren Vorstellung in München. „Sie ist die Frucht eines ehrlichen und intensiven Austausches und setzt ein hohes Maß an Vertrauensbildungsarbeit voraus.“ Vertrauen gelte für ihn als Grundvoraussetzung gelingender interreligiöser Kommunikation und wachse nicht nur durch persönliche Begegnungen, sondern auch durch transparente Strukturen, die das Miteinander förderten und den Austausch von Gaben ermöglichten. Der Dialog habe sowohl eine persönliche als auch eine systemische Dimension und die vorliegende Erklärung trage beiden Aspekten Rechnung. „Sie will nicht bloß an das Gewissen appellieren, sondern Voraussetzungen schaffen, damit der Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen sachlich, konstruktiv und nachhaltig wirken kann“, so der Bischof.
Innenminister Joachim Herrmann betonte: „Der heutige Anlass ist ein Meilenstein in der Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern des Dialogforums und bedeutet mir auch persönlich sehr viel. Ich danke daher allen, die sich an unseren Diskussionen, an der Formulierung der Erklärung und auf der Suche nach verbindenden Worten so engagiert beteiligt haben.“
Das Dialogforum biete Vertreterinnen und Vertretern von Religionsgemeinschaften, Hochschulen, Institutionen des interreligiösen Dialogs sowie Verwaltung und Politik eine Begegnungsplattform, die Kommunikation auf Augenhöhe ermögliche und in der ein ehrlicher und konstruktiver Dialog gepflegt werde. Der interreligiöse Dialog leiste einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in unserer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft. „Denn religiöse Toleranz, gegenseitiges Verständnis, Respekt und offene, konstruktive Kommunikation sind Grundvoraussetzungen für ein harmonisches und gelingendes Zusammenleben in unserem Land, für das die Religionsgemeinschaften in unserem Land eine wichtige Bedeutung haben“, erklärte Herrmann.
Auf die ‚Gemeinsame Erklärung' sei der Minister sehr stolz, weil sie zeige, dass alle Unterzeichner zusammen gegen Hass, Hetze und Diskriminierung einstehen und Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und jegliche Form von Intoleranz gegenüber Menschen, die ein religiöses Bekenntnis haben, verurteilen.
Bischof Bertram: „Wir brauchen Austausch statt Einkapselung, Dialog statt Polemik…Die oft leise, durchaus positive, tiefgreifend integrative und nachhaltig verbindende Kraft der Glaubensgemeinschaften prägt das Miteinander der Menschen, auch in stark säkularen Gesellschaften. Die Religionen sind da – machen wir das Beste daraus!“
