„Gott klopft an unsere Herzenstür“
Ein neuer Klang wird ab sofort von der Kirche St. Remigius in der kleinen Gemeinde Raisting in der Nähe des Ammersees ausgehen. Mit drei Glocken aus der ehemaligen Füssener Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ und einer neu gegossenen Glocke hat die Pfarrkirche ein komplett frisches Geläut erhalten. Das ganze Dorf war auf den Beinen, als Bischof Dr. Bertram Meier das Ensemble am Wochenende weihte.
230 Kilogramm wiegt die neue, extra für St. Remigius gegossene Glocke. „Nun gesellt sie sich zu jenen Glocken, die aus Füssen stammen“, so Bischof Bertram: „Zusammen ergeben sie eine neue unverwechselbare Symphonie. Und jeder vor Ort weiß – so klingt St. Remigius.“
In seiner Predigt ging der Bischof auf die besondere Bedeutung von Kirchenglocken ein, die viel mehr seien als öffentliche Uhren, die mit Glockenschlägen die Zeit angäben. In drei Punkten erläuterte er, welche Rolle sie vielmehr in Bezug auf das Hören von Gottes Wort spielen.
Glocken würden als erstes dafür sorgen, dass die Gläubigen zum Gottesdienst zusammenkommen, stellte Bischof Bertram fest und erinnerte gleichzeitig daran, dass das Hören von Gottes Botschaft weniger eine akustische Wahrnehmung sei: „Gott klopft in erster Linie nicht an unserem Trommelfell an, sondern an unserer Herzenstür.“ Dies geschehe nicht nur durch biblische Verse, sondern auch durch Ereignisse, Begegnungen oder die Schönheit der Schöpfung. „Vielleicht müssen Sie sich in den kommenden Wochen auch erst einmal an den veränderten Klang der neu eingesetzten Glocken gewöhnen. Mit der Stimme Gottes ist es ähnlich. Wir müssen uns damit auseinandersetzen; es braucht Übung, damit wir sie aus den vielen Stimmen des Alltags heraushören.“
Um Gottes Botschaft wahrnehmen zu können, sei darüber hinaus auch eine passende „Bodenbeschaffenheit des Herzens“ von Nöten, gab Bischof Bertram als zweite Herausforderung zu bedenken. „Selbst wer kein Landwirt ist, begreift: Das beste Saatgut nutzt nichts, wenn Erdreich und Klima nicht mitspielen. Und Gottes Wort ist das beste Saatgut, das wir erwerben können. Menschen aller Generationen haben erfahren, dass ihnen dieses Wort Orientierung schenkt und dass es sie am Leben hält.“ Der Bischof ermunterte die Gläubigen deshalb, sich mit dem Glauben aktiv zu beschäftigen und Gottes Wort nicht im Trubel des Alltags ersticken zu lassen.
Vielmehr sei unser Auftrag als Christen, die Botschaft Gottes in die Welt zu tragen, führte er schließlich als dritten Punkt an. „Wir verlängern den Klang der Glocken in eine Gesellschaft hinein, die nicht auf den Ruf dieser Glocken reagiert. Wir sind bestellt, um Saatkörner des Guten auszustreuen“, so Bischof Bertram abschließend.
Die ursprünglichen Glocken aus St. Remigius waren im Zweiten Weltkrieg wie in so vielen Kirchen ausgebaut worden. 1947 bekamen die Raistinger dann ein Geläut aus Stahl. Ab sofort ertönt in Raisting wieder ein wunderbarer bronzener Klang vom Kirchturm.