Gründonnerstag: Begreifen, was Jesus getan hat
Am Abend vor seinen Leiden hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen und das Letzte Abendmahl gefeiert. An beide Aspekte wurde auch im Augsburger Dom erinnert. Die symbolischen zwölf Jünger, denen der Bischof die Füße wusch, waren heuer neugewählte Pfarrgemeinderatsmitglieder aus den Pfarreien der Stadt. Die Fußwaschung, so Bischof Bertram, sei aber mehr als eine Geste. In ihr werde vielmehr „Gottes Herzschlag“ spürbar.
Zu Beginn seiner Predigt erinnere der Bischof an die Unterschiedlichkeit der beim Letzten Abendmahl anwesenden Jünger. Der Kreis der Apostel sei aber auch „unser Kreis“, ein Modell der christlichen Gemeinde mit vielen Gesichtern, vielen Lebensgeschichten, vielen Schicksalen, vielen Erwartungen und ebenso vielen Ecken und Kanten. Im Abendmahl habe Jesus die Zwölf angenommen und zusammengebunden. Und so schweiße er auch uns heute Abend zusammen, „mit unseren Runzeln und Falten, mit unseren Sprachen und Mentalitäten, mit unseren Sympathien und Blockaden“.
Die Menschlichkeit der Fußwaschung sei gleichsam der Angehalken, mit dem Jesus uns in die göttliche Sphäre ziehe, so der Bischof am Gründonnerstag. Sie mache den Herzschlag Gottes für die Menschen spürbar. Und genau deshalb stelle Jesus auch den heutigen Gläubigen die Frage: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Fußwaschung und Abendmahl seien aber auch untrennbar miteinander verbunden. Jesus diene sich auf mit Leib und Leben, mit Fleisch und Blut. Bischof Bertram: „Er gibt alles von sich, was er hat – nicht nur im Wort, sondern im Leben.“
Worauf es beim Empfang der Kommunion ankommt
Bischof Bertram blickte auch auf den Empfang der Eucharistie. Von der Gemeinde wollte er daher wissen, ob es vorkomme, dass „wir nach dem Empfang der heiligen Kommunion an unseren Platz zurückkehren – ganz selig vor Freude, weil Jesus bei uns ist“. Das Brot des Lebens gehöre aber bekanntlich „zur schwerverdaulichen Kost auf der ,Menükarte‘ heutiger Sinnesangebote“, die viel leichter und billiger zu haben seien. „Es stimmt mich traurig, dass das Verlangen nach dem Brot des Lebens nur bei kirchlichen Insidern wach geblieben ist. Es macht mich nachdenklich, dass anscheinend in jeder beliebigen Wochenendfete Gemeinschaft eher erlebt wird als in der Kommunion des Brotbrechens“, so der Bischof. Unsere Zeit drohe das „Gespür für das Heilige“ zu verlieren. Deshalb sollten sich die Gottesdienstbesucher auch bewusst daran erinnern, dass man in der Kommunion das „Aller-heiligste, was wir überhaupt haben“, in die Hand gelegt bekäme: Jesus selbst.
Gleichzeitig ging er auch auf die Diskussion um die richtige Art des Kommunionempfangs ein. Vor Gott zähle nicht die Form, sondern die Haltung. Bischof Bertram: „Wer Gott alles schenkt, darf ihn empfangen. Und wer ihn hat, hat alles.“ Das geschehe in der heiligen Kommunion, das geschehe aber auch am heutigen Abend.
Der Gründonnerstag als Tag des Abschiedes
Die Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag erinnert an den letzten Abend im Leben Jesu. Nach dem Bericht der Evangelisten feierte er der jüdischen Tradition gemäß zunächst das Pascha-Mahl. Der Evangelist Johannes erwähnt in diesem Zusammenhang auch eine Fußwaschung, die in der Liturgie seit Jahrhunderten symbolhaft nachvollzogen wird. Nach der Eucharistiefeier werden die Hostien an einen Anbetungsort übertragen. Dort finden dann Ölbergstunden statt, im Zuge derer des einsamen Gebetes Jesu auf dem Ölberg sowie seiner Verhaftung gedacht wird. Als Zeichen der sich anbahnenden Trauer werden auch die Altäre abgedeckt.
Die Messe vom Letzten Abendmahl bildet den Auftakt für das sogenannte österliche Triduum, das sich bis zum Ostersonntag erstreckt und einen einzigen großen Gottesdienst bildet. Die musikalische Gestaltung am Gründonnerstag hatte der Domchor inne. Zu hören waren die „Missa Sanctae Crucis“ von Josef Rheinberger. Außerdem erklangen die Werke "Nos Autem Gloriari" von Felice Anerio, "In Monte Oliveti" von Anton Bruckner und "Tristis est Anima" von Johann Kuhnau.