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Wallfahrt

Himmlische Verstärkung für die Christen in Grafrath

21.06.2026

Eine ganz besondere Konstellation: Gläubige aus gleich zwei Bistümern haben am Sonntag das Fest des heiligen Grafen Rasso in der Wallfahrtskirche zu Grafrath im Landkreis Fürstenfeldbruck gefeiert. Der frühmittelalterliche Adlige wirkte im 9. und 10. Jahrhundert in der Region und wurde bald nach seinem Tod von den Gläubigen verehrt. Zu Gast war auch Bischof Dr. Bertram Meier, der in seiner Predigt vor allem den christlichen Lebensentwurf thematisierte.

Ausgehend von den Schriftlesungen des 12. Sonntages im Jahreskreis und mit Blick auf den hl. Rasso, der einst als Graf das Kloster in Grafrath gegründet hatte, betonte er in seiner Predigt, dass schon der Apostel Paulus zwischen zwei Herrschaftsbereichen unterscheide: Sünde und Gnade. Bischof Bertram: „So gegenübergestellt erscheint die Wahl einfach und ja, im Grunde hat unser Glaube etwas sehr Einfaches: Gott ist der verlässlichste Partner des menschlichen Lebens; in Jesus Christus hat er uns eine Liebe gezeigt, die grenzenlos ist. Wieso sollten wir nicht darauf bauen?“ Aber auch als getaufte Menschen blieben wir hin- und hergerissen.

Der christliche Lebensentwurf sei herausfordernd. Als Christ ernte man inmitten einer pluralen Gesellschaft nicht nur Applaus. Für die Sache Gottes einzustehen könne einem von außen betrachtet sogar Nachteile bringen. Der Prophet Jeremia könne davon ein Lied singen. Und doch habe sich seine in der ersten Lesung geschilderte Klage in Zuversicht und Lobpreis verwandelt. Motiviert habe ihn die feste Erfahrung, „dass Gott treu ist und dass Gottes Liebe stärker ist als jedes Hindernis“. Diese Zusage schweiße Christinnen und Christen im Glauben zusammen.

Zu der durch Jesus gestifteten Gemeinschaft untereinander trete allerdings auch „himmlische Verstärkung“ hinzu. Die Heiligen würden zeigen, dass es möglich sei, nach den Maßstäben des Evangeliums zu leben, und dass so ein Leben „froh und frei“ mache. Der heilige Rasso zeige gerade wegen seiner vor allem regionalen Bedeutung, dass „das Heilige uns nicht fern, sondern mitten unter uns ist“.

St. Rasso in Grafrath

Die Wallfahrtskirche zum heiligen Rasso liegt in der Gemeinde Grafrath im Landkreis Fürstenfeldbruck. Im Gegensatz zum zugehörigen Pfarrverband liegt sie allerdings noch auf dem Gebiet des Bistums Augsburg. Die Seelsorge vor Ort üben Franziskanermönche aus. Patron ist Graf Rasso, dessen genaue Lebensdaten unbekannt sind. Als Todesjahr gilt entweder 854 oder 954. Rasso gilt als Ahnherr der Grafen von Andechs und von Dießen. Die von Rasso wahrscheinlich im Heiligen Land erworbenen Reliquien bilden bis heute den Grundstock des Heiltumsschatzes in Andechs. Das von ihm gestiftete Kloster, in das er selbst gegen Ende seines Lebens eintrat, ging spätestens im 12. Jahrhundert unter. Sein Gedenktag ist der 19. Juni.

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Die Reliquien des heiligen Rasso befinden sich im Hochaltar der Kirche.

1468 wurden seine Gebeine erhoben, seit 1695 befinden sie sich in einem Glasschrein im Hochaltar der Kirche. Schon bald wurden seine Reliquien das Ziel zahlreicher Pilger. Wunderberichte und Mirakelbücher entstanden ebenfalls. Zwischen 1688 und 1695 wurde an der Stelle eine neue Kirche errichtet, die den Wallfahrern mehr Platz bot. Als Architekt konnte damals Michael Thumb gewonnen werden. 1836 übernahmen Franziskanerbrüder die Seelsorge vor Ort. Pfarrverbandsleiter ist Pater Flavian Michali OFM. Außer in Grafrath wird der hl. Rasso auch in Untergammenried, in Schweinegg (Eisenberg) und in Untermühlhausen verehrt.