Jubiläum: 900 Jahre Kloster Roggenburg
Die Feierlichkeiten zum 900-jährigen Bestehen des Klosters Roggenburg haben an diesem Samstag ihren Höhepunkt erreicht. Bei einem Pontifikalamt mit Bischof Dr. Bertram Meier, Generalabt Dr. Jos Wouters und Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller wurde an die lange und bewegte Geschichte des Klosters erinnert. Den Prämonstratensern sei es gelungen, die Niederlassung nach Jahren der Krise wieder zum Leben zu erwecken, würdigte Bischof Bertram das herausragende Wirken der Ordensbrüder und nannte es ein beispielgebendes Zeugnis himmlischer Experimentierfreudigkeit.
Die Säkularisation habe auch vor dem Kloster Roggenburg nicht Halt gemacht, erinnerte Bischof Bertram in seiner Predigt an die Abkehr der Chorherren im frühen 19. Jahrhundert und lobte gleichzeitig die gelungenen Wiederanfänge zu Beginn der 1980er Jahre. Diese vorbildhafte Erfolgsgeschichte wurzele vor allem auf der praktizierten „Einheit“ der Ordensbrüder, stellte er angelehnt an den „Tag der Deutschen Einheit“ an diesem Samstag fest. „Einheit innerhalb der Gesamtkirche sehe ich durch die Prämonstratenser darin verkörpert, dass sie weltweit über Niederlassungen verfügen und sie so gut katholisch vernetzt sind! In Zeiten kirchenpolitischen Reformdrucks, in denen Länder und Bistümer mit unterschiedlichen Vorstellungen und Tempi unterwegs sind, schaffen sie Verbindendes über Bistums- und Ländergrenzen hinweg!“
Eine wichtige Facette dieser praktizierten Einheit sei die „Einmütigkeit“, betonte Bischof Bertram mit Blick auf die Augustinische Ordensregel und ihre Bedeutung im Ordensleben der Prämonstratenser. „Einheit ist uns von Christus nicht nur aufgetragen; sie wird uns auch durch ihn geschenkt“, erinnerte er an das Wasser der Taufe, das über soziale, familiäre und kulturelle Grenzen hinweg verbinde. Dies spiegele sich auch alltäglich in der Lebensform der Priestergemeinschaft der Chorherren wider: „Leben, Glauben, Besitz und Zeit miteinander teilen, sich gegenseitig stützen, um stark nach außen wirken zu können.“
Dieses einheitliche Auftreten wie es die Prämonstratenser vorlebten, sei auch hinsichtlich der Territorialseelsorge von entscheidender Bedeutung. „Dass unsere Pfarreien Orte bleiben, an denen Menschen geschwisterlich verbunden sind, einander Unterstützer und Wegbegleiter werden; daran sollten wir alle gemeinsam arbeiten. Gläubige brauchen die Geborgenheit und Stärkung einer geistigen Heimat, um in der Welt ihre Frau und ihren Mann stehen zu können.“ Um eine Kirche zu werden, die bei aller Buntheit Einheit ausstrahle, lohne sich ein Blick auf die Wiederanfänge des Roggenburger Kloster, die ein Wagnis gewesen seien: „Da gab es keine langen Planungsperioden mit Sanierungs- und Pastoralkonzepten. Es war ein Sprung in die Hände Gottes! […] Dieses Zeugnis soll uns ermutigen zu einer himmlischen Experimentierfreude“, lud Bischof Bertram ein, Risiken einzugehen im Vertrauen auf Gott. „Nach Gott zu suchen, darin sehen die Prämonstratenser eine Lebensaufgabe. Ja, es sollte unsere vorrangige Sorge sein, die alle anderen Sorgen hinter sich lässt“, betonte der Bischof.
Der Festgottesdienst wurde vom Chor der Klosterkirche Roggenburg gemeinsam mit Sängerinnen und Sängern des Kirchenchors Biberach sowie des Abteichors Windberg feierlich musikalisch begleitet. Für Bischof Bertram ebenso ein Zeugnis der katholischen Vernetzung der Prämonstratenser, wie er in seiner Predigt herausstellte.
Diese zeigten sich dankbar für die vielen Gläubigen, die dem Gottesdienst beiwohnten und so ihre Verbundenheit zum Kloster zum Ausdruck brachten. „Wenn wir zurückblicken, tun wir dies mit tiefer Dankbarkeit und Bescheidenheit. Das Jubiläum sehen wir als Bestärkung unseres Auftrags“, so Pater Stefan Kling, Prior des Klosters sowie Leiter des Amts für Kirchenmusik im Bistum Augsburg.
In der Klosterkirche fanden in den vergangenen Jahren aufwendige Sanierungsmaßnahmen statt. Seit Ende Juli dieses Jahres kann die Kirche wieder in ihrem barocken Glanz bewundert werden. Letzte Zeugnisse der Bauarbeiten sind noch durch Gerüste im Altarbereich zu sehen. Dort sind die Reparaturen noch nicht fertig abgeschlossen.
Jubiläumsjahr
Das große Jubiläum wird im Kloster Roggenburg das ganze Jahr über gefeiert begleitet von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm. Neben monatlichen Jubiläumssonntagen lädt ein neu konzipierter Escape-Room zum Entdecken des Klosterschatzes ein. Darüber hinaus gibt es Konzerte, Vorträge, Führungen und spirituelle Angebote, die sich an Jung und Alt, Gruppen und Einzelpersonen richten. Hier finden Sie das Veranstaltungsprogramm
Auch über das Jubiläumsjahr hinaus bietet das Kloster Roggenburg im „Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur“ ein reiches Bildungs- und Kulturprogramm für Familien, Kinder oder Schulklassen, für Alleinstehende und Ehepaare.
Geschichte von Kloster Roggenburg
Das Kloster Roggenburg wurde um 1126 von Graf Bertold von Bibereck gegründet und von Prämonstratensern aus Ursberg besiedelt. Bereits im 12. Jahrhundert entwickelte es sich zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum mit Klostergründungen bis in die Schweiz.
Nach der Erhebung zur Abtei 1444 und Erhalt der Reichsunmittelbarkeit 1544 erlebte das Kloster im 18. Jahrhundert seine große Blütezeit. Unter bedeutenden Äbten entstand die bis heute prägende barocke Klosteranlage mit der Klosterkirche, die 1758 eingeweiht wurde.
Im Zuge der Säkularisation wurde das Reichsstift 1802 durch bayerisches Militär besetzt und der Konvent mit 36 Chorherren aufgelöst. Die Klostergebäude wurden anschließend unter anderem als Gericht, Gefängnis und Schule genutzt.
Nach rund 180 Jahren kehrten die Prämonstratenser 1982 nach Roggenburg zurück. 1986 wurde das Kloster offiziell wiedererrichtet und 1992 zum abhängigen Priorat erhoben. Seitdem wurden die historischen Gebäude umfassend saniert. Mit einem „Zentrum für Bildung, Familie und Umwelt“ sowie einem breitgefächerten Kunst- und Kulturprogramm ist das Kloster heute Anziehungspunkt für Gläubige und Besucher aus Nah und Fern.