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Wichtiges
Minister Mehring und Bischof Bertram im Gespräch

Kirche und Politik – ein Miteinander?

26.03.2026

Im Rahmen eines Kamingesprächs haben sich Bischof Dr. Bertram Meier und Staatsminister Dr. Fabian Mehring am Mittwochabend über das Verhältnis von Kirche und Politik ausgetauscht. Eingeladen hatte dazu die Pfarreiengemeinschaft Starnberg, die ihr Pfarrzentrum zur Verfügung stellte. Das Ergebnis: Im Miteinander lässt sich die Gesellschaft zum Besseren hin verändern.

Gerade das katholische Bayern kannte lange eine enge Verbindung von Kirche und Staat. In einer immer diverser werdenden Gesellschaft brechen aber auch manche Fundamente spürbar weg. Immer wieder stellt sich daher auch die Frage, inwieweit sich Bischöfe zu politischen Themen äußern dürfen und sollen. Ob aus dem Miteinander schon ein Nebeneinander oder gar ein Gegeneinander geworden ist, das wurde im Starnberger Pfarrzentrum St. Maria ausdiskutiert.

Impulse von den beiden Hauptakteuren zum Einstieg

So gab Bischof Bertram zu Beginn seines Einstiegsimpulses zu, dass das Verhältnis beider Akteure heutzutage vor allem von zwei „Megatrends“ geprägt sei. So sei die heutige Gesellschaft weitaus heterogener als früher, aber auch die fortschreitende Säkularisierung habe Folgen. So hätten immer weniger Politiker einen religiösen Hintergrund, weshalb die Kirche gerne einmal zum „Prügelknaben“ werde. Viele kirchliche Akteure seien aber auch verwundert darüber, dass manche politischen Akteure der Kirche die Definition des „Christlichen“ abspenstig machen würden.  Nicht selten münde das in den Vorwurf, dass die Kirche sich aus der Politik herauszuhalten habe. Und doch: „Die Kirche muss politisch sein, weil auch das Evangelium politisch ist“, so der Bischof. So enthalte das Christsein immer auch einen Auftrag zur Weltgestaltung. Sein Fazit lautete deswegen: „Kirche und Staat sollen dort zusammenarbeiten, wo sie zum Wohl der Menschen gemeinsam etwas bewirken können, sie sollen sich aber nicht der Rolle des anderen zu sehr annähern.“ Die Kirche spreche daher immer wieder gerne die Einladung zu einem „fruchtbaren Miteinander“ aus.

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Bischof Bertram sprach eine Einladung zum "fruchtbaren Miteinander" aus.

Staatsminister Mehring, selbst gläubiger Katholik, hielt wiederum fest: „Kirche und Klerus sind nicht die besseren Regenten, und der Staat ist nicht die bessere Kirche“. Die Wahrheit sei, dass Kirche und Staat nicht ohneeinander könnten. Während die Kirche allerdings seit bald 2000 Jahren auf einem stabilen Wertegerüst aufbaue, seien politische Systeme immer auch Veränderungen unterworfen gewesen. Der Staat würde gerade im sozialen Bereich ohne die Kirchen gar nicht funktionieren. So sei das Verhältnis von Kirche und Politik aber eben kein reines Nebeneinander, sondern ein gegenseitiges Aufeinanderangewiesensein. Gleichzeitig formulierte der Staatsminister aber auch einen konkreten Wunsch: „Mischen Sie sich als Kirche wieder mehr in Debatten ein!“

Fragen an Bischof und Minister

Im Rahmen des anschließenden Kamingesprächs, das durch Markus Huber moderiert wurde, hatten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen. So kam gleich zu Beginn das Thema auf, in welchen Formaten Kirche heute präsent sein müsse. Die ehrliche Antwort des Bischofs: In manchen Dingen sei die Kirche zu bieder und zu medienscheu. Man müsse noch viel mehr die Binnensicht durchbrechen, damit nicht immer nur „bad news“ über die Kirche Platz in den Medien finden würden.

Staatsminister Mehring wiederum wurde gefragt, wann die Kirche sich auch hinsichtlich technologischer Fortschritte äußern solle. Klar sei, so Mehring, dass KI die Welt grundlegend verändern würde und es für diesen Prozess bislang keine „gesellschaftliche Handhabe“ gebe. Eine wertebasierte Einschätzung durch Theologinnen und Theologen sei hier unerlässlich.

Eine weitere Person wollte vom Bischof wissen, wie man Menschen in Kirche und Politik wieder mehr für das Ehrenamt begeistern könne. Bischof Bertrams klare Antwort: „Nur brennende Personen können andere begeistern. Wir brauchen also ,burning persons‘. Dienst nach Vorschrift entzündet keine Begeisterung.“

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Vor einem digitalen Kamin diskutierten Bischof und Minister über die Möglichkeit, Menschen fürs Ehrenamt zu begeistern.

Spannend wurde es, als die Frage aufkam, ob sich kirchliche Werte nicht auch am Zeitgeist ausrichten müssten. Der Bischof stellte hier klar fest, dass es Werte gebe, die unverrückbar seien, zum Beispiel in Hinsicht auf das menschliche Leben. Bischof Bertram: „Die Kultur des Lebens werden wir nicht relativieren.“ Gleichzeitig plädiere er aber auch dafür, zum Beispiel mehr Führungsämter innerhalb der Kirche mit Frauen zu besetzen, um patriarchale Strukturen abzuschaffen.

Auch Minister Mehring trat dafür ein, Kirche und Politik nicht laufend am Zeitgeist neu auszurichten. Vielmehr wäre es die Aufgabe von Politik und Kirche, ihre gleichbleibende Botschaft zeitgemäßer zu vermitteln. Dabei erinnerte er an seine letzte Begegnung mit Bischof Bertram beim Schulwerksjubiläum in der Augsburger WWK-Arena. Rund 22.000 Kinder hätten den Bischof damals wie einen Popstar gefeiert. Eine moderne Darreichungsform helfe dabei, Menschen für den Glauben zu gewinnen.

Das Schlusswort des Abends hatte wiederum Stadtpfarrer Andreas Jall: „Es lohnt sich also, sich in Politik und Kirche zu engagieren, weil wir gemeinsam für die Menschen da sein können.“

Zur Person:

Dr. Fabian Mehring (*1989 in Augsburg) ist Mitglied der Partei der Freien Wähler und seit Oktober 2018 Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Ministerpräsident Markus Söder berief ihn im November 2023 als Staatsminister für Digitales in sein Kabinett. Mit Bischof Bertram ist er bereits bei verschiedenen Gelegenheiten zusammengetroffen.