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Wichtiges
Stiftung Sankt Johannes

Lebendiges Wasser und gelebte Nächstenliebe

09.03.2026

Die Stiftung Sankt Johannes unterstützt, betreut und pflegt bereits seit 1860 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen im Bistumsnorden. Beim Patronatsfest mit Einweihung neuer Räumlichkeiten der Förderstätten stellte Bischof Bertram am vergangenen Sonntag die bereits seit 1860 währende stolze Geschichte der Einrichtung heraus – und betonte zugleich, dass die Stiftung auch weiterhin in eine mit Gott verbundene Zukunft hineingehen möge.

Im Bezug auf die biblische Erzählung von der Begegnung Jesu mit einer Frau am Jakobsbrunnen betonte der Bischof im teilweise auch in leichter Sprache gehaltenen Festgottesdienst in der Stiftungskirche, dass Hunger und Durst des Menschen über das rein physische Verlangen hinausgingen: „Auch unser Herz, unsere Seele, hat Hunger und Durst.“ Indes könne das „lebendige Wasser“, das den Durst der menschlichen Seele löschen könne, nicht gekauft werden; stattdessen sei es ein Geschenk Gottes an die Menschen, die es freilich zunächst mit offenem Herzen annehmen müssten.

Dieses „lebendige Wasser“ habe sich wohl auch in Fülle über die Barmherzigen Brüder ergossen – nicht nur über den Ordensgründer und Stiftungspatron Johannes von Gott, an dessen Festtag der Gottesdienst stattfand, sondern auch über diejenigen Brüder, die im Jahr 1860 das Schloss Schweinspoint erwarben und in den barocken Räumlichkeiten eine erste „Anstalt für unheilbar Kranke“ errichteten, aus der im Laufe der Jahrzehnte die heutige Stiftung hervorging. „Sie wurden selbst zu einer Quelle, von der viel Gutes für Andere ausging. Seelsorge und Krankenpflege, Tatkraft, Humor und stets ein aufmunterndes Wort auf den Lippen - auf je eigene Weise verkörperten diese Männer die bedingungslose Zugewandtheit unseres Gottes. Kreuz, Hand und Herz stehen symbolisch dafür“, so Bischof Bertram.

Im Rahmen des Festgottesdienst begrüßte Bischof Bertram auch den designierten neuen Stiftungsvorstand Gernot Jungbauer.

Im Rahmen des Festgottesdienst begrüßte Bischof Bertram auch den designierten neuen Stiftungsvorstand Gernot Jungbauer.

Ein derart den Menschen zugewandtes Leben zehre allerdings auch stark an den eigenen Kräften, genauso wie die damit unweigerlich verbundenen Widerstände, Rückschritte und Abweisungen. Umso wichtiges sei es darum, die stete Verbindung mit jener nie versiegenden Quelle lebendigen Wassers zu suchen: „Halten wir Jesus unsere leer gewordenen Becher hin! Bleiben wir in steter Verbindung mit ihm!“ Es gebe keinen besseren Ort als das Kreuz Christi, um all das abzuladen, was das Herz belaste und schwer mache: „Ergreifen wir die Chance, die uns die Fastenzeit bietet: Räumen wir unsere Herzen frei, damit frisches Wasser darin Platz hat!“ 

Wer den Zugang zu Gott finden wolle, der brauche dafür aber wiederum Andere als Wegbegleiter, betonte der Bischof abschließend. Somit sei auch die Stiftung Sankt Johannes eine spirituelle Gemeinschaft, in der die Mitarbeitenden Anderen den Weg zu Gott eröffneten und sich gleichzeitig selber darauf leiten ließen. „Die St. Johannesstiftung geht in die Zukunft. Dass diese Zukunft mit Gott verbunden bleibe, darum beten wir heute. Einem Brunnenplatz ähnlich werden auch hier viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Mögen die neuen Räume dazu beitragen, dass alle, die hierherkommen, gute Nahrung finden und dass sie satt werden an Leib und Seele.“

Nach dem Gottesdienst zog eine Prozession von der Kirche zur ehemaligen Friedhofsmauer, wo der Bischof zwei Gedenktafeln segnete.

Nach dem Gottesdienst zog eine Prozession von der Kirche zur ehemaligen Friedhofsmauer, wo der Bischof zwei Gedenktafeln segnete.

Im Anschluss an den Festgottesdienst segnete Bischof Bertram die neuen Räumlichkeiten im Souterrain und überreichte den Bewohnerinnen und Bewohnern ebenso die Kreuze, die die Räume in Zukunft schmücken werden. Die um drei Gruppen erweiterte Förderstätte hatte die bislang ungenutzten und nun aufwändig renovierten und modernisierten Räumlichkeiten für die eigene Arbeit benötigt. Ebenso segnete der Bischof auch eine Gedenktafel an der Nordmauer des früheren Anstaltsfriedhofs, die in Hoch- und leichter Sprache an die dort beerdigten Mitarbeiter und Bewohner der ehemaligen Anstalt erinnern soll. Besonders hervorgehoben wurden dabei die Barmherzigen Brüder Sympert Fleischmann (1872-1949) und Wolfgang Kaiser (1905-1992), die im 20. Jahrhundert mehrfach als Prior in Schweinspoint wirkten und in der Geschichte der Einrichtung eine bedeutende Rolle gespielt hatten.

Das im 17. Jahrhundert neu gebaute Schloss Schweinspoint bei Marxheim wurde 1860 vom Orden der Barmherzigen Brüder erworben und in eine Pflegeanstalt für Menschen mit Behinderung umgebaut. Von 1893 bis Ende der Achtzigerjahre bestand zudem ein eigener Anstaltsfriedhof, auf dem bis 1976 über 2.500 Menschen begraben wurden. Die Barmherzigen Brüder, die zeitweise mit Unterstützung der Augsburger Franziskanerinnen von Maria Stern mehr als hundert Jahre lang in Schweinspoint wirkten, übergaben die Stiftungsverwaltung 1971 an den Caritasverband. Seitdem agiert die Stiftung Sankt Johannes als eigenständiger Träger diverser Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und bietet zurzeit rund 290 entsprechende Wohnplätze an. Mit über vierhundert Mitarbeitenden mit und ohne Behinderung ist die Stiftung zudem mit Abstand der größte Arbeitgeber vor Ort.