„Marshallplan für die Seelen“
Freising (Renovabis). Kommenden Dienstag geht der russische Angriffskrieg gegen die Menschen in der Ukraine ins fünfte Jahr. „Die Situation ist für uns unvorstellbar. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, Winterkleidung – unsere Hilfe ist so nötig wie nie“, betont der Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, Prof. Dr. Thomas Schwartz, und fordert zur schnellen Winterhilfe für die Ukraine auf.
Die Partnerinnen und Partner des Hilfswerks berichteten von Temperaturen von minus 20 Grad, stundenlangen Stromausfällen, gefrierenden Wasserleitungen. Dazu komme eine zunehmende Erschöpfung und Verzweiflung – trotz der ukrainischen Landgewinne der letzten Tage. Vor diesem Hintergrund warnt Schwartz eindringlich vor einem „Ermüdungsszenario“ und mahnt stattdessen einen deutlichen Ausbau der Unterstützung für die Ukraine sowie klare politische Perspektiven für das Land an, das trotz des Krieges konsequent Reformen umsetze, um sich auf einen möglichen EU-Beitritt vorzubereiten. Die Handlungsträger müssten nun bereit sein, der Ukraine mit Flexibilität und einem klaren Bekenntnis zur Mitgliedschaft zu begegnen, so der Renovabis-Hauptgeschäftsführer.
„Gleichzeitig muss auch unsere psychosoziale Hilfe weitergehen“, betont Schwartz: „Gebäude kann man mit Beton wiederaufbauen, aber eine traumatisierte Gesellschaft braucht einen ‚Marshallplan für die Seelen‘“. Deshalb fördere das Hilfswerk etwa Projekte, die die Resilienz in der Ukraine stärken. Angebote wir therapeutische Lesekreise, Erzählcamps und Programme zur Traumabewältigung für Kinder legten die Grundlage für eine inklusive Nachkriegsgesellschaft.
Um den unmittelbaren Auswirkungen der enormen Kälte zu begegnen, hat Renovabis allein im Rahmen der Winterhilfe 2026 bisher 430.000 Euro ausgezahlt. „Unsere Partnerinnen und Partner leisten Außergewöhnliches unter diesen schwierigen, gefährlichen Bedingungen,“ berichtet Schwartz: Die Diözese Kyjiw-Zhytomyr etwa richtet derzeit zwölf Wärmestuben in den Pfarreien im Großraum Kyjiw ein – hier können sich täglich hunderte Menschen aufwärmen, ihre Handys aufladen und etwas Heißes trinken. Auch an vielen anderen Orten bestünden ähnliche Projekte. Insgesamt hat Renovabis seit Beginn der Vollinvasion mit mehr als 38 Millionen Euro die Menschen in der Ukraine und den ebenfalls vom Krieg betroffenen Nachbarländern unterstützt.
Am Sonntag, 10. Mai wird die traditionelle Pfingstaktion des Osteuropa-Hilfswerks mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr im Hohen Dom zu Augsburg eröffnet werden. Bereits in den Tagen zuvor werden Gäste aus Mittel- und Osteuropa das Bistum Augsburg besuchen und von den Projekten und Herausforderungen der Hilfsarbeit in ihren Heimatländern berichten. Den Abschluss der Aktion bildet ein ZDF-Fernsehgottesdienst aus Kaufbeuren am Pfingstsonntag, 24. Mai.
Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis wurde 1993 von der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die Projektarbeit in Mittel- und Osteuropa sowie die Förderung weltkirchlicher Ost-West-Partnerschaftsinitiativen. Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks ist seit 2021 der Augsburger Diözesanpriester Prof. Dr. Thomas Schwartz, der auf den ebenfalls aus dem Bistum Augsburg stammenden Geistlichen Dr. Christian Hartl nachfolgte.