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Deutsche Bischofskonferenz

"Mehr als nur ein Schwarz-Weiß-Bild": Neue Arbeitshilfe zu christlich-muslimischen Beziehungen vorgestellt

25.02.2026

Im Rahmen eines Studientags hat sich die DBK-Vollversammlung in Würzburg mit relevanten Entwicklungen des muslimischen Lebens in Deutschland und den Folgen für den interreligiösen Dialog befasst. Dabei wurde auch die neue Arbeitshilfe Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland vorgestellt, die in der Nachfolge des Dokuments Christen und Muslime von 2003 steht. Bischof Bertram führte als Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog neben weiteren Experten bei einem Pressegespräch in das Thema ein: „Mit der aktuellen Arbeitshilfe verfolgen wir erneut das Anliegen, eine differenzierte Wahrnehmung der Realität zu ermöglichen und Orientierungen für kirchliches Handeln zu geben.“ 

Der Islam stelle hierzulande nach dem Christentum die zweitgrößte Religionsgemeinschaft dar, betonte der Bischof und konkretisierte zugleich, dass es sich dabei um keinen monolithischen Block handle. „Vielmehr hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten eine große Vielfalt muslimischen Lebens entwickelt, teils mit starken Verknüpfungen zu den Herkunftsländern muslimischer Migranten, teils aber auch mit ganz eigener Prägung. (...) Vielgestaltig sind nicht nur die islamischen Glaubensrichtungen und kulturellen Hintergründe, die in Deutschland vertreten sind, sondern auch die Formen gelebter Religiosität: Die Bandbreite reicht von einer betonten, den Alltag strukturierenden Orientierung an islamischen Normen bis hin zu eher losen Berührungspunkten zur religiösen Tradition.“

Das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Deutschland sei für ihn mehr als nur ein Schwarz-Weiß-Bild: „Neben Momenten der Skepsis oder Gleichgültigkeit gibt es im gemeinsamen Alltag das ganz selbstverständliche Miteinander von Nachbarn, Kollegen oder Freunden.“ Darüber hinaus habe sich in Deutschland eine vielfältige Dialoglandschaft entwickelt, die von Einzelinitiativen in Kirchen- und Moscheegemeinden ebenso wie vom Engagement überregionaler Netzwerke lebe. Dabei hob Bischof Bertram besonders die Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) hervor, die im Auftrag der deutschen Bischöfe den Dialog zwischen Christen und Muslimen in unserem Land aktiv mitgestalte.

Als wichtige Wegmarken für einen fruchtbaren Dialog nannte er den Aufbau einer islamischen Hochschultheologie und der Aufschwung des gemeinsamen ehrenamtlichen Engagements von Christen und Muslimen etwa bei der Flüchtlingshilfe, beim Klimaschutz oder beim Eintreten für Demokratie und Menschenrechte. „Katholischerseits wurden dabei viele Initiativen durch das zeichenhafte Wirken von Papst Franziskus inspiriert, der einen besonderen Schwerpunkt auf die Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften gelegt hat“, unterstrich der Bischof und erwähnte gleichsam das Abu Dhabi-Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen wie auch andere Begegnungen mit hoher Symbolkraft im Irak oder in Indonesien. Für den verstorbenen Papst sei immer klar gewesen, dass die Religionen das Potenzial hätten, aber auch die Pflicht, die Menschenwürde zu verteidigen und dem Frieden in der Welt zu dienen.

Bischof Bertram verschloss aber auch nicht die Augen vor der Tatsache, dass das Verhältnis zwischen den Religionsgemeinschaften nicht immer frei von Konflikten ist. Speziell das Aufflammen des Nahostkonflikts habe auch die interreligiösen Beziehungen in Deutschland stark belastet, etwa mit Blick auf multireligiöse Dialogformate. Während Juden sich zu Recht alarmiert über das Anwachsen antisemitischer Ressentiments und Übergriffe zeigten, beklagten Muslime eine mangelnde Solidaritätsbereitschaft mit palästinensischen Opfern und sehen sich unter „Generalverdacht“ gestellt, so der Bischof. „Aus kirchlicher Sicht sei eines klar: „Wir halten am Ziel eines gerechten Friedens im Heiligen Land fest, der die Rechte von Israelis wie von Palästinensern schützt; und wir treten dafür ein, dass Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und jegliche Form des Rassismus in Deutschland keinen Platz haben.“

Als Zielgruppe des neuen Dokuments bezeichnete Bischof Bertram zunächst diejenigen, die in einem katholischen Kontext mit Fragen der christlich-muslimischen Begegnung zu tun haben, weitet diesen Kreis und die Perspektive der Publikation aber mit seinem letzten Gedanken: professionelle „Multiplikatoren“ des Dialogs in den Diözesen, aber auch zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche in Gemeinden, kirchlichen Gruppen, Wohlfahrtsverbänden oder Bildungseinrichtungen. „Darüber hinaus ist uns aber auch daran gelegen, insgesamt einen Beitrag zum besseren Verständnis zwischen Christen und Muslimen in unserer Gesellschaft zu leisten. In diesem Sinne lade ich alle, die an guten interreligiösen Beziehungen in Deutschland interessiert sind, herzlich zur Lektüre ein.“

  

  

Die weiteren Statements aus dem Pressegespräch „Dialog zwischen Christen und Muslimen – Kontinuität und Wandel“ sind auf den DBK-Seiten dokumentiert.