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Wichtiges
50 Jahre Augsburger Domsingknaben

Musik als eine Schule des Glaubens

01.11.2026

Dieser Tage begehen die Augsburger Domsingknaben den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Aus diesem Anlass fand am Vorabend zum Allerheiligenfest im Hohen Dom zunächst eine Pontifikalmesse statt. Im Anschluss wurde das Jubiläum festlich im Goldenen Saal des Rathauses gefeiert. Festredner aus Kirche, Politik und Gesellschaft würdigten dort das Wirken der Sängerknaben. Bischof Dr. Bertram Meier erinnerte in seiner Grußbotschaft daran, dass die Domsingknaben sowohl „den Himmel im Ohr“, als auch die „Stimme in der Welt“ hätten.

50 Jahre ist es her, dass Reinhard Kammler an der Augsburger Kathedrale die Tradition der Kathedralsängerknaben wiederbelebte. Ein halbes Jahrhundert später gehören die Augsburger Domsingknaben laut Bischof Dr. Bertram Meier neben dem FC Augsburg, der Puppenkiste, Rudolf Diesel und Leopold Mozart in die „absolute Top-Liga der städtischen Botschafter“. Sie könnten sich ja auch mit dem Titel eines immateriellen Kulturerbes schmücken. Die Domsingknaben stünden auch für eine exzellente Pflege der Kirchenmusik auf Weltklasseniveau, so der Bischof in seinem Grußwort beim Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses.

Als Chor verwurzelt im Dom

Das Fundament ihrer Arbeit sei, dass die Jungen und Männer „den Himmel im Ohr“ hätten. Die „musica sacra“ sei deshalb niemals nur liturgisches Beiwerk, sondern eine besonders kraftvolle Form der Verkündigung des Wortes Gottes. Mit ihrem „himmlischen Klang“ würden sie im Gegensatz zu manchem bloßem Wort, die Herzen der Menschen erreichen. Deshalb seien sie „Brückenbauer zwischen Himmel und Erde“. Angesichts der zahlreichen Konzertreisen und Theatereinsätze bat er aber auch darum, dass sich die Sängerknaben ihrer Heimat am Dom bewusst bleiben.

Gleichzeitig sprach der Bischof auch seinen Dank aus, an die Mitarbeitenden und Freunde der Domsingknaben, aber auch an die Eltern der Sängerknaben. Der Institution wünsche er für die Zukunft alles Gute: „Mögen die Domsingknaben noch viele Jahrzehnte erquickliche musikalische Früchte hervorbringen – zum Lobe Gottes und zur Erbauung und Freude der Menschen! Dieser Anspruch verpflichtet. Oder mit einem Augenzwinkern gesagt: Werdet nicht Augsburger Stadtmusikanten, bleibt Domsingknaben!“

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Reinhard Kammler erinnerte an die Entstehungsgeschichte der von ihm gegründeten Domsingknaben.

Neben dem Bischof sprach im Rahmen des Festaktes auch Domkapellmeister a.D. Reinhard Kammler. Von den 50 Jahren des Bestehens, leitete Kammler die Domsingknaben 43 Jahre lang. In seiner Ansprache erinnerte er an wichtige Weggefährten sowie bedeutende Augenblicke, beispielsweise in den Einzug ins Haus St. Ambrosius und das Konzert für Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle.

Sabine Beck, Regierungsvizepräsidentin, überbrachte als Vertreterin der Bayerischen Staatsregierung die Grüße des Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Altoberbürgermeisterin Eva Weber und FCA-Präsident Markus Krapf ergriffen in ihren Redebeiträgen ebenfalls das Wort. Generalvikar Msgr. Dr. Wolfgang Hacker betonte, dass die Domsingknaben ihren eigentlichen Auftrag im Dienst an der Liturgie fänden. Die Kirchenmusik sei dort „nicht nur schmückende Begleitung, sondern selbst Teil der Liturgie, Ausdruck des Glaubens und eine besondere Weise, Gott zu loben und die Herzen der Menschen für seine Gegenwart zu öffnen“. Dr. Hacker ging auch auf den Bildungsaspekt ein, zu der auch die religiöse Dimension gehöre, die den eigenen Glauben reifen lasse.

Domkapellmeister Stefan Steinemann, der die Domsingknaben seit 2020 leitet, gebührte das Schlusswort des Abends. Dabei erinnerte er an seinen eigenen Werdegang bei den Domsingknaben und dankte seinem eigenen Vorgänger Reinhard Kammler für dessen Vertrauen. Am Ende äußerte er auch einen Wunsch: „Ich wünsche mir, dass noch viele Kinder hier ihre Stimme entdecken, Freundschaften schließen und Menschen finden, die ihnen etwas zutrauen, so wie wir es selbst auch einmal erfahren haben, als wir klein waren.“

Zu hören waren im Rahmen des Festaktes eine Solistenauswahl des Kammerchores mit „Sing we and chant it“ von Robert Lucas Pearsall und „Luna de Xelajú“ von Paco Pérez sowie ein Ehemaligen-Chor mit den Werken „Frisch gesungen“ von Friedrich Silcher, „Spanische Nächte“ von Ernst Fischer, „Kein schöner Land“ von Karl Marx und „Die Abendglocken“ von Franz Abt.

Musik als eine Schule des Glaubens – Bischof Bertram predigt im Dom

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Bischof Bertram blickte auf zahlreiche gemeinsame Momente mit den Domsingknaben zurück, wie beispielsweise 2004 bei Papst Johannes Paul II.

Bereits zuvor hatten die Domsingknaben zu einer feierlichen Dankesmesse in den Augsburger Dom eingeladen. In seiner Predigt ging Bischof Dr. Bertram Meier vor allem auf die religiöse Bedeutung der Kirchenmusik ein, hob aber auch die Bedeutung des Augsburger Domes in diesem Zusammenhang hervor: „Vergesst Eure Wurzeln nicht. Sie liegen im Dom. Erst wer um die Wurzeln weiß, bekommt Flügel, um auszustrahlen und in die Ferne zu schweifen.“ So sei es den Domsingknaben laut Bischof Bertram auch ins „Stammbuch eingeschrieben, zur Ehre Gottes zu singen“. Der Dienst im Dom müsse darum weiterhin die erste Priorität haben, bei allen zusätzlichen Veranstaltungen, Konzerten und Tourneen, die schön seien und die man auch genießen dürfe. „Denn dies ist der Ort, wo Gott uns in den liturgischen Feiern begegnen möchte“, so der Bischof.

Gleichzeitig hob er die Bedeutung des Singens an sich hervor: „Wir leben in einer Zeit, in der täglich so viele Nachrichten und Wortmeldungen auf uns Menschen einprasseln, dass es schwer ist, überhaupt noch offen zu bleiben und die Stimme Gottes in all dem Lärm herauszuhören. Hier kann die Musik einen Unterschied darstellen, insofern sie uns auf einer anderen Ebene anspricht.“ Ein christlicher Chor sollte sich, so der Bischof, aber nicht nur durch musikalischen Wohlklang auszeichnen. In einem Chor gebe es nicht nur verschiedene Stimmlagen, sondern auch völlig unterschiedliche Charaktere und Veranlagungen. Entscheidend sei daher, dass am Ende nicht jeder nur auf seine eigene Stimme höre, sondern auch auf die der anderen. Nur so könne ein harmonischer Klang entstehen. In einer Zeit, in der der Individualismus gesellschaftlich immer weiter um sich greife, sei es daher wichtig, dass die Kirche dafür eintrete, Unterschiede nicht reflexartig als Bedrohung anzusehen. Seine tiefste Wirkung aber entfalte ein Chor dort, wo das Gesungene auch im Leben Gestalt gewinne: „Wenn durch das gemeinsame Singen der Sinn für Gemeinschaft gestärkt wird; wenn aus Probendisziplin die Bereitschaft entsteht, auch in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen; wenn aus dem Lob Gottes eine Dankbarkeit erwächst, die nicht nur an den Festtagen spürbar ist. Dann wird Musik zu einer Schule des Glaubens und zu einem wahren Zeugnis für das Evangelium.“

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Mitglieder der Domsingknaben trugen die Fürbitten vor.

Das musikalische Programm reichte vom Kyrie und dem Sanctus aus der „Missa Puerorum“ (J. Rheinberger), über das Gloria aus der „Missa Virgo Prudentissima“ (H. Isaac) über „Ich bin ein rechter Weinstock“ von Heinrich Schütz. Das Agnus Dei war der „Mass for four voices“ von William Byrd entnommen. Zur Kommunion erklang von ihm das „Venite comedite“. Entlassen wurden die Gottesdienstbesucher mit dem Jubilate Deo von Ko Matsushita. Beteiligt waren neben dem Kammerchor unter der Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann der Karl-Kraft-Chor unter der Leitung von Domkantor Julian Müller-Henneberg. Ebenfalls involviert waren die Chor-Aspiranten unter der Leitung von Judith Adldinger sowie die Nachwuchschöre unter der Leitung von Andrea Hartinger. Die Orgel wurde von Domorganistin Claudia Waßner gespielt.

 

 

Ein weiterer Artikel auf der Bistumshompage blickt auf die historische Entwicklung der Sängerknaben am Dom zurück und zeigt 50 Fotos aus 50 Jahren: zum Beitrag.