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Nachruf

Pfarrer i.R. Monsignore Helmut Bullinger verstorben

07.01.2026

Der älteste Priester des Bistums Augsburg und langjährige Pfarrer von Manching, Monsignore Helmut Bullinger, ist am Montag, 5. Januar im Alter von 103 Jahren verstorben. Er wurde am 28. Februar 1922 in Neuburg an der Donau geboren und am 6. Mai 1951 zum Priester geweiht. Bischof Bertram würdigt den Verstorbenen als „gottverbundenen und menschennahen Priester“, für dessen fast 75 Jahre währendes Wirken als Seelsorger er tiefe Dankbarkeit empfinde.

„Der Tod von Msgr. Pfarrer Helmut Bullinger, des ältesten Priesters der Diözese Augsburg, erfüllt mich mit Trauer, aber in diese Gefühle des Schmerzes mischt sich auch tiefe Dankbarkeit“, betont Bischof Bertram in seiner Würdigung. „Geboren 1922 in Neuburg an der Donau durchkreuzte der Zweite Weltkrieg zunächst seinen Wunsch, Priester zu werden. Seine Erfahrungen im Arbeits- und Kriegsdienst, in der Verwundung und Gefangenschaft bestärkten ihn jedoch in seiner Berufung", so der Bischof weiter. "Sein besonderes Einfühlungsvermögen zeigte sich in der Einführung und Begleitung von insgesamt 16 Kaplänen sowie im Umgang mit den Mitbrüdern als Dekan – ein Amt, das er knapp 20 Jahre bekleidete. Bis zuletzt machte sich Pfarrer Bullinger unterstützend in der Seelsorge und als Prediger in seiner Heimatstadt nützlich. In den Herzen vieler Menschen hinterlässt er Spuren als gottverbundener und menschennaher Priester. Der Herr lohne ihm sein Wirken!“

Kriegserlebnisse und Priesterlaufbahn

Helmut Bullinger wuchs als zweiter von vier Söhnen in einer Neuburger Kaufmannsfamilie auf und nahm bereits als Elfjähriger den heraufziehenden Konflikt zwischen der katholischen Jugend und der neugegründeten Hitlerjugend in der Donaustadt als Anlass, über eine geistliche Karriere nachzudenken. Nach dem Abitur 1941 wurde er zunächst zum sechsmonatigen Reichsarbeitsdiensteinsatz nach Manching abgeordnet, bevor er als Heeressoldat in Kempten seinen Wehrdienst antrat. Noch im Winter desselben Jahres wurde er an die Ostfront geschickt, wo ihn bei minus vierzig Grad in der Schlacht um Moskau ein Schuss in die Brust traf und er gerade so überlebte. Nach längerer Zeit im Lazarett wurde er in Frankreich am Westwall stationiert und geriet 1945 schließlich in französische Kriegsgefangenschaft. Später bezeichnete Bullinger die schlimmen Erlebnisse aus Nazidiktatur und Krieg als entscheidende Weichenstellungen auf dem Weg zu seiner Berufswahl; auch die Begegnungen mit anderen Wehrmachtssoldaten, die vor Kriegsbeginn Theologie studiert hatten, hätten stark dazu beigetragen.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft trat Helmut Bullinger in das bischöfliche Priesterseminar in Dillingen ein und begann damit die Ausbildung zum Priester. Im Mai 1951 wurde er durch den damaligen Bischof Dr. Joseph Freundorfer gemeinsam mit 17 weiteren Seminaristen zum Priester geweiht; seine Primiz feierte der Neuburger Neupriester am Pfingstmontag in der Hofkirche seiner Heimatstadt. Nach Kaplansstellen in Neu-Ulm und Penzberg erhielt er 1954 seine erste „eigene“ Pfründe als Benefiziat in Mindelheim. Drei Jahre später ereilte ihn wiederum der Ruf auf die erste und letzte Pfarrstelle seiner Karriere: Ausgerechnet in Manching, wo er Jahre zuvor bereits als Abiturient seinen Arbeitsdienst hatte ableisten müssen, sollte er fortan als Pfarrer wirken.

Wirken in der Marktgemeinde

Und Helmut Bullinger trat diesen Dienst gerne und mit Begeisterung an: 34 Jahre lang prägte er das kirchliche und gesellschaftliche Leben in der Kleinstadt ganz im Bistumsnorden entscheidend. Das „Wirtschaftswunder“, das die Bundesrepublik in den Fünfzigerjahren durchschritt, erreichte auch die kleine Gemeinde, die sich in den Jahrzehnten des dortigen Wirkens von Pfarrer Bullinger von einem beschaulichen Marktflecken in einen bedeutenden Industriestandort wandelte. Auch die Einwohnerzahl verdoppelte sich in dieser Zeit beinahe. Dies bedeutete auch für die katholische Kirchengemeinde entscheidende Veränderungen: So war die Pfarrkirche St. Peter bereits kurz vor Amtsantritt des neuen Pfarrers zu großen Teilen neu gebaut und eingeweiht worden, doch standen für die schnell wachsende Pfarrei auch weiterhin zahlreiche neue Aufgaben an. 1960 folgte so bereits die Einweihung eines neuen Pfarrhauses, 1963-67 dann der Bau eines Schwesternhauses mit Jugendheim, kurz darauf auch ein neuer katholische Kindergarten, ein katholisches Seniorenheim und 1988 schließlich noch das St.-Ulrich-Haus mit sechs Wohneinheiten. Zudem schmückt seit 1964 eine Mosaikdarstellung des Apostelfürsten die Westfassade der ihm geweihten Pfarrkirche.

Die Manchinger Pfarrkirche St. Peter mit ihrem markanten Mosaik war für viele Jahre die Wirkungsstätte von Pfarrer Bullinger (Foto: H. Helmlechner / Wikimedia Commons)

Die Manchinger Pfarrkirche St. Peter mit ihrem markanten Mosaik war für viele Jahre die Wirkungsstätte von Pfarrer Bullinger (Foto: H. Helmlechner / Wikimedia Commons)

Doch auch abseits der zahlreichen Baumaßnahmen, die in diesen Jahrzehnten der rasanten wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen auch die kirchliche Gemeinde in Manching aktiv und präsent hielten, zeichnete Pfarrer Bullinger durch großes Engagement aus. Da war zum einen natürlich der tiefgreifende Wandel, den die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeleitet hatten und der auch vor Manching nicht Halt machte. Helmut Bullinger, der bereits 1969 für seine Arbeit mit dem Titel eines Geistlichen Rates geehrt wurde, hatte dabei nicht nur die liturgischen Veränderungen einzuführen und umzusetzen, sondern auch die theologische Neuausrichtung der Kirche in der Marktgemeinde mit Leben zu erfüllen. Über seine seelsorgerischen Tätigkeiten vor Ort hinaus wurde er zudem 1972 zum Dekan des Dekanats Pfaffenhofen berufen und galt dabei vor allem als treuer und hilfsbereiter Begleiter der zahlreichen Neupriester, die in den fast zwanzig Jahren seiner Amtszeit die priesterliche Arbeit dort in der Praxis erlernten.

Auch im Ruhestand aktiv

Pfarrer Bullinger, der über viele Jahre hinweg von seiner Pfarrhaushälterin Centa Hagenauer begleitet und unterstützt wurde, trat nach fast 34 Jahren in Manching 1991 den altersbedingten Ruhestand an, blieb aber auch darüber hinaus als Priester und Seelsorger aktiv. Von der Wohnung aus, die er in seiner Heimatstadt Neuburg bezog, brachte er sich gerne und vielfach ein; vor allem die Seelsorge in der kleinen Gemeinde St. Luzia im Neuburger Stadtteil Zell war ihm dabei ein Herzensanliegen, das er über Jahrzehnte hinweg mit großem Eifer verfolgte. Unter anderem rief er dort den Kirchenchor ins Leben, führte regelmäßige Altennachmittage ein und war natürlich auch baulich mit Rat und Tat zur Stelle, etwa wenn es um Kirchensanierungen oder den dortigen Neubau des Pfarr- und Jugendheimes ging. Aber auch über Zell hinaus war Pfarrer Bullinger, der seit 1991 auch Ehrenbürger der Marktgemeinde Manching war, als Seelsorger tätig. Vor allem war ihm die Betreuung und Begleitung der Maria-Ward-Schwestern in Neuburg ein großes Anliegen. Erst 2020 zwangen ihn das Alter und die Corona-Pandemie, kürzer zu treten und die Arbeit in Zell abzugeben; dennoch besuchte er weiterhin regelmäßig die Schwesterkongregation für die Werktagsgottesdienste, traf sich mit ehemaligen und aktuellen Mitstreitern und war gerne zur Hilfe bereit, solang es seine Gesundheit irgendwie zuließ.

2023 erhielt Pfarrer Bullinger von Papst Franziskus den Ehrentitel eines Monsignore (Foto: Martin Mägele)

2023 erhielt Pfarrer Bullinger von Papst Franziskus den Ehrentitel eines Monsignore (Foto: Martin Mägele)

Für all diese Verdienste wurde Bullinger, der 2021 sein siebzigstes Priesterjubiläum und 2022 seinen hundertsten Geburtstag feiern konnte, 2023 schließlich von Papst Franziskus zum „Kaplan seiner Heiligkeit“ ernannt und konnte seitdem den Titel eines Monsignore tragen. Bei der Ehrung, die im Wohnzimmer des Jubilars stattfand, betonte Bischof Bertram damals die zahlreichen Suren, die Pfarrer Bullinger in den Herzen vieler Menschen hinterlassen habe und rühmte seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschen: „Er war und ist ein echter Seelenhirte.“ Ein Rezept für sein langes Leben hatte der „Leuchtturm der katholischen Kirche“, wie ihn der Neuburger Oberbürgermeister einmal anerkennend nannte, allerdings nicht: „Ich habe kein Geheimrezept. Aber ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich so alt werden darf.“ In den frühen Abendstunden des Montags, 5. Januar ist Monsignore Bullinger wenige Wochen vor seinem 104. Geburtstag nach kurzer Krankheit im Neuburger Krankenhaus verstorben.

Am Dienstag, 13. Januar wird in der Pfarrkirche St. Luzia in Neuburg-Zell der Rosenkranz für den Verstorbenen gebetet; anschließend findet um 14 Uhr das Requiem ebendort mit anschließender Beerdigung im Priestergrab statt. Konzelebranten sind gebeten, sich zuvor im Pfarrbüro der Pfarreiengemeinschaft Neuburg St. Ulrich (pg.neuburg-st.ulrich@bistum-augsburg.de) anzumelden und violette liturgische Kleidung mitzubringen. Eine Ankleidemöglichkeit dafür besteht im Pfarrheim (Am Zeller Kanal 11, Neuburg-Zell).

Der Herr vergelte ihm seine treuen Dienste. Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen.