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Nachruf

Ruhestandspfarrer Richard Tyroller verstorben

04.11.2026

Der Ruhestandspfarrer und langjährige Priester im Missionsdienst Richard Tyroller ist am Dienstag, 3. November im Alter von 87 Jahren verstorben. Er wurde am 30. Mai 1939 in München geboren und am 26. Juni 1966 zum Priester geweiht. Bischof Bertram würdigt den Verstorbenen als weltkirchlich orientierten Seelsorger voller Begeisterung für das Evangelium.

„Der Tod von Pfarrer Richard Tyroller macht mich traurig. Mit ihm verliert das Bistum Augsburg einen Missionar aus Passion“, betont der Bischof in seiner Würdigung. „Vom frischen Wind des Zweiten Vatikanischen Konzils angesteckt, drängte es ihn bereits ein Jahr nach seiner Priesterweihe 1967 nach Afrika. Zunächst wirkte er in Uganda, später in Kenia. Zusammen mit seinem leiblichen Bruder Xaver war er vom Wunsch durchdrungen, den Menschen in einem fernen Land die Frohe Botschaft zu verkünden. Sein Engagement für das Evangelium war von der Überzeugung geprägt, dass Weltkirche eine Lerngemeinschaft ist, in der wir uns über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg mit unseren Talenten gegenseitig beschenken und bereichern können. Nachdem Pfarrer Tyroller 1997 aus Afrika zurückgekehrt war, wirkte er mit Begeisterung und Schwung noch zwölf Jahre als Pfarrer in Raisting, wo er wertvolle Ideen aus der Weltkirche einbrachte. Der Herr lohne ihm sein unermüdliches Wirken.“ 

Familiäre Bande

Richard Tyroller wuchs in Mühlried auf dem elterlichen Bauernhof und später in Schrobenhausen auf. Seine Familie entstammte der Landwirtschaft und war bereits über eine Tante, die als Ordensschwester in Indien diente, mit der Mission verbunden. Nach dem Eintritt seines knapp acht Jahre älteren Bruders Xaver in das Priesterseminar wurde auch für Richard bald klar, dass die priesterliche Laufbahn für ihn ebenfalls das Ziel darstellte. Von Anfang an war dabei das Engagement für die Mission einer seiner Hauptbeweggründe. Nach seiner Priesterweihe, die er 1966 in der Dillinger Studienkirche gemeinsam mit neun weiteren Weihekandidaten empfing, war er für nun ein Jahr als Kaplan in Manching tätig, bevor er als sogenannter Fidei-Donum-Priester durch Bischof Stimpfle nach Uganda entsandt wurde.

Dieser Missionseinsatz folgte dabei einem größeren Plan des Bischofs, die katholische Kirche in dem erst wenige Jahre zuvor unabhängig gewordenen zentralafrikanischen Staat zu unterstützen und aufzubauen. Gemeinsam mit dem ebenfalls aus Schrobenhausen stammenden und eng mit der Familie Tyroller befreundeten Jungpriester Richard Steiner, sechs Karmelitinnen aus dem Kloster Welden und einer Handvoll weiterer Missionarinnen und Missionare machte Richard Tyroller sich daran, die Stadtpfarrei Mityana im Zentrum des Landes aufzubauen und die Gründung einer katholischen Diözese in dem Gebiet vorzubereiten. Unter der brutalen Militärdiktatur Idi Amins verschärfte sich die Lage für christliche Gruppierungen und Missionare aber ab 1971 in einem solchen Ausmaß, dass Richard Tyroller und seine weiteren Augsburger Mitstreiter sich 1974 gezwungen sahen, das Land zu verlassen und in das Bistum Augsburg zurückzukehren.

Der Traum eines missionarischen Lebens begleitete ihn jedoch weiterhin. Nach nur wenigen Monaten als Pfarrvikar in Burgheim brach er wieder nach Afrika auf und schloss sich seinem Bruder Xaver an, der kurz zuvor ebenfalls in die Mission gewechselt war und nun als Priester im nordkenianischen North Horr wirkte. Seit Frühjahr 1976 waren nun beide Tyroller-Brüder in dem nomadischen geprägten Gebiet tätig, wo bereits seit 1964 italienische Geistliche des Consolata-Ordens eine christliche Mission aufgebaut hatten und wo die zwei Schrobenhausener nun für das Bistum eine eigene Missionsstation errichteten. Die in der Diözese Marsabit gelegene Wüstengemeinde dehnt sich über eine Fläche von rund 20.000 Quadratkilometern aus und wird vorwiegend von nomadisch beziehungsweise halbnomadisch lebenden Menschen aus dem Stamm der Gabbra bewohnt. Richard Tyroller baute gemeinsam mit seinem Bruder neben der eigentlichen Missionsstation zahlreiche Außenstationen in ihrem weiten Seelsorgesprengel auf; außerdem konnten mehrere Schulen und Kindergärten sowie eine Krankenstation errichtet werden. Rund fünftausend Menschen bekennen sich heute in Marsabit zur katholischen Kirche.

„Anwalt der Nomaden“

Dabei wurden die beiden stets von einem respektvollen und menschenfreundlichen Missionsverständnis geprägt und getragen. In einem Brief aus den Achtzigerjahren führte Richard Tyroller seine Gedanken dazu aus: „[…] dass Missionare nicht einfach Vertreter einer Institution Kirche sind, die mehr oder weniger militant einfach drauf lospredigen und taufen, sondern dass wir mit großer Ehrfurcht dem konkreten Gabbra begegnen. […] Ich wage Ehrfurcht zu sagen, weil dieses Wort stark genug ist, unser vorsichtiges Bemühen auszudrücken, die Gabbrawürde zu respektieren, und nur auf dieser Ebene Missionar für die Gabbra zu sein. […] Wir wollen als Mission versuchen Anwalt der Nomaden zu sein, bei all unseren Grenzen als Reingeschmeckte.“

Über ihre Beziehungen in die altbayerische Heimat konnten die beiden Brüder zudem zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer für die Belange der Gabbra gewinnen; zudem begeisterten sie auch weitere Priester aus dem Bistum für den Einsatz in dem und für das Missionsgebiet wie etwa ihre Neffen Thomas Krowiorsch (+1995) und Peter Brummer; Anton Mahl und Hubert Mößmer, die seit den Neunzigerjahren die Arbeit der Tyroller-Brüder in Kenia fortführen, oder auch den späteren Pfarrer ihres Heimatorts Mühlried, Anton Keller, der mit ihrer Hilfe dort eine bis heute lebendige Afrikahilfe aufbaute. Auch die Keniahilfe Bühl geht mittelbar auf den Einfluss der Brüder zurück: Ihr Gründer Hansjörg Willig war 1975 als Wissenschaftler für einen Forschungsaufenthalt nach North Horr gekommen und von dem Einsatz der Missionare dort so bewegt, dass er nach seiner Rückkehr in die badische Heimat eine Hilfsinitiative aufbaute, die unter tatkräftiger Unterstützung der Tyroller-Brüder bald zu beachtlicher Größe anwuchs.

Von Kenia nach Oberbayern

1994 beendete Xaver Tyroller seinen Missionsdienst in Kenia. Sein Bruder Richard führte diese Aufgabe noch drei Jahre lang weiter, bevor er 1997 ebenfalls die Missionsarbeit in die Hände jüngerer Priester legte und in seinem Heimatbistum die Stelle als Pfarrer in Raisting antrat. Zwei Jahre später kam dann auch die Pfarrei Pähl hinzu, die er von seinem ehemaligen Gefährten in Uganda, Richard Steiner, übernahm. Bis 2009 engagierte Richard Tyroller sich nun als Seelsorger in den beschaulichen Ammersee-Gemeinden. Kurz nach seinem 70. Geburtstag ging er schließlich in den Ruhestand und zog mit seinem Bruder Xaver gemeinsam nach Frieding, von wo aus die beiden sich weiterhin viel und gerne priesterlich betätigten und auch den Kontakt nach Afrika nicht abreißen ließen.

Nach dem Tod Xaver Tyrollers zog Richard Tyroller wieder in die Nähe seiner Familie nach Schrobenhausen, wo er bis vor kurzem noch als Ruhestandspriester aushalf und Gottesdienste übernahm. Im Juni dieses Jahres konnte er noch sein diamantenes Priesterjubiläum feiern. Am 3. November ist Richard Tyroller nun in Schrobenhausen verstorben.

Der Sterberosenkranz für Pfarrer Richard Tyroller wird am Sonntag, 8. November um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Heilig Geist in Mühlried gebetet. Das Requiem wird am darauffolgenden Montag, 9. November ebendort um 14 Uhr gefeiert werden. Richard Tyroller wird im Anschluss daran seine letzte Ruhe auf dem neuen Friedhof in Schrobenhausen finden. Konzelebrierende Priester sind gebeten, sich vorher im Pfarrbüro Schrobenhausen anzumelden und violette Paramente mitzubringen.

Der Herr vergelte ihm seine treuen Dienste. Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen.