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Nachruf

StD i.R. Johann Wiedemann BGR verstorben

11.09.2026

Der langjährige Religionslehrer und Bischöflich Geistliche Rat Studiendirektor i.R. Johann Wiedemann ist am Dienstag, 8. September im Alter von 100 Jahren verstorben. Er wurde am 28. Mai 1926 in Augsburg geboren und am 3. Mai 1953 zum Priester geweiht. Bischof Bertram würdigt ihn als glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums, der den ihm anvertrauten jungen Menschen den Weg in den Glauben eröffnet habe.

„Der dienstälteste Priester des Bistums Augsburg ist von uns gegangen. Wenige Monate nach seinem 100. Geburtstag hat der Herr über Leben und Tod den geschätzten Geistlichen Johann Joseph Wiedemann am Fest Mariä Geburt zu sich gerufen", würdigt Bischof Bertram den Verstorbenen. "Nach Kaplansjahren in Manching und Kimradshofen war Studiendirektor Wiedemann fast ein Vierteljahrhundert an der Städtischen Berufsschule Neu-Ulm als Religionslehrer tätig. Sein Herzensanliegen war es, den ihm anvertrauten Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Tür zum Leben und den Weg in den Glauben zu öffnen. Er war ein glaubwürdiger Zeuge des Evangeliums im anspruchsvollen Raum der Schule, wo er seine Berufung als Priester erkannte. Der Herr lohne ihm sein Wirken für die junge Generation.“

Johann Joseph Wiedemann wuchs gemeinsam mit vier Schwestern in Augsburg auf; die Mutter der Familie starb schon früh und konnte nicht mehr erleben, wie ihr Sohn, der mit zehn Jahren in das Bischöfliche Knabenseminar nach Dillingen kam, begann, sich intensiver auf die priesterliche Laufbahn vorzubereiten. Der Zweite Weltkrieg machte dem indes einen ersten Strich durch die Rechnung: Im Alter von nur 17 Jahren wurde Wiedemann 1943 zum Kriegsdienst eingezogen und musste zunächst als Feldjäger in Tirol und später als Funker an der Ostfront dienen.

Ein prägendes Erlebnis war dabei der wenige Tage umfassende Heimaturlaub, den er 1944 erhielt, nachdem sein Elternhaus in Augsburg bei einem Bombenangriff zerstört und eine seiner Schwestern dabei verschüttet wurde. In dieser Zeit half er auch bei Löscharbeiten am Augsburger Dom, der von zahlreichen Brandbomben getroffen worden war. Nach seiner Rückkehr an die Front geriet Johann Wiedemann gegen Kriegsende in Kriegsgefangenschaft, wurde aber schon bald wieder freigelassen und kehrte nach Dillingen zurück, um dort den Schulunterricht wieder aufzunehmen und das Abitur abzuschließen. Direkt im Anschluss trat er in das damals ebenfalls noch in Dillingen befindliche Priesterseminar ein und studierte dort Philosophie und Theologie. 1953 erhielt er schließlich nur wenige Tage vor seinem 27. Geburtstag die Priesterweihe.

Nach seiner Weihe war Johann Wiedemann zunächst drei Jahre als Kaplan in Manching eingesetzt; daraufhin folgte ein über siebenjähriges Wirken wiederum als Kaplan in Kimratshofen. In dieser Zeit entdeckte er auch seine Leidenschaft und Begabung für den Schuldienst, der auch zu seinen Pflichten als Kaplan gehörte. Zweimal in der Woche fuhr er so mit dem Fahrrad die rund zwanzig Kilometer nach Kempten, um in der dortigen Berufsschule den Religionsunterricht durchzuführen. 1964 erhielt er schließlich die Gelegenheit, als Religionslehrer an der städtischen Berufsschule in Neu-Ulm ganz in den Schuldienst zu wechseln. Dieser Schule blieb er auch über seine ganze Lehrerlaufbahn hin verbunden: 23 Jahre lang wirkte er ununterbrochen dort und unterrichtete Generationen an Schülerinnen und Schülern in der katholischen Religion.

Gleichzeitig war es Johann Wiedemann auch stets ein Anliegen, seiner priesterlichen Berufung zur Seelsorge weiterhin nachzukommen. In den umliegenden Gemeinden war er ein gern gesehener Gast, der immer wieder als Hilfspriester in Erscheinung trat, Gottesdienste feierte und auch während der Schulferien pastoral wirkte. Dies setzte er auch nach seinem Ruhestand 1987 fort und wirkte so zum Beispiel noch viele Jahre lang als Urlaubsvertretung für andere Geistliche in der Region. Erst im Alter von 97 Jahren musste er dieses Engagement schließlich einstellen, nachdem ein Schlaganfall seine Kräfte stark beansprucht hatte.

Bis zuletzt war Johann Wiedemann der Umgang mit Menschen wichtig, und so erhielt er selbst im hohen Alter noch regelmäßig Besuch von Freunden und Weggefährten, die ihn als bescheidenen und gütigen Menschen kennengelernt hatten und ihn gern in seinem Eigenheim im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld, wo er schon seit 1967 wohnte, aufsuchten. Ende Mai feierte er noch seinen hundertsten Geburtstag im Kreise zahlreicher Gratulanten. Er war zuletzt der in Lebens- und Dienstjahren zweitälteste bzw. älteste Priester des Bistums Augsburg. Am 8. September ist Johann Wiedemann zuhause sanft entschlafen.

Das Requiem für Johann Wiedemann wird am Dienstag, 15. September um 10.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Günzburg gefeiert. Die Beisetzung findet im Anschluss auf dem Günzburger Hauptfriedhof statt.

Der Herr vergelte ihm seine treuen Dienste. Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen.