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Wichtiges
Pfingsten im Dom

Vom Geist des Friedens

24.05.2026

Beim feierlichen Festgottesdienst am Pfingstsonntag im Hohen Dom zu Augsburg hat Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger das biblische Pfingstwunder als hochaktuelle Antwort auf die globalen Krisen unserer Zeit gedeutet. Der Weihbischof betonte, dass das Wunder der Spracheneinheit genau die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung treffe, die angesichts täglicher Zerstörungen und Menschenrechtsverletzungen weltweit herrsche. Das Überwinden der babylonischen Sprachverwirrung zeige, dass echte Verständigung über alle Grenzen hinweg möglich sei.

Um diesen „Geist des Friedens“ in der heutigen Welt Wirklichkeit werden zu lassen, entfaltete Weihbischof Losinger eine dreiteilige Friedensethik. Als erstes zentrales Fundament nannte er die Gerechtigkeit und bezog sich dabei auf das historische Leitwort von Papst Pius XII.: „Friede ist ein Werk der Gerechtigkeit“ (opus iustitiae pax). Er machte deutlich, dass gerechte Strukturen die absolute Voraussetzung für ein friedliches Miteinander sind. „Ist eine Schulklasse, ein Betrieb, eine Gruppe denkbar, in der Friede herrschen soll, wenn gleichzeitig einzelne tyrannisiert, gemobbt oder ständig zurückgesetzt und ungerecht behandelt werden“, fragte der Weihbischof die Gläubigen im Dom.

Wo Menschen Gerechtigkeit vorenthalten werde, rühre sich der Hass, werde es stetig brodeln. Ein stabiler Friede lasse sich niemals durch Waffen erzwingen, sondern wachse nur dort, wo die Würde des Nächsten geachtet werde, wie sie etwa im Grundgesetz und in der UN-Charta festgeschrieben ist.

Als zweite Säule forderte der Weihbischof eine unaufhörliche gesellschaftliche Wachsamkeit. Gesellschaftlicher Friede sei kein bleibender Besitz, den man einmal erwirbt und dann für immer sicher verwahren kann. Weihbischof Losinger mahnte mit den Worten aus der Büchner-Preis-Rede von Erich Kästner, dass man wachsam sein müsse gegenüber einer schleichenden Spaltung in der Gesellschaft und nicht warten dürfe, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden sei. Er forderte die Gläubigen dazu auf, den Mut zur Wahrheit aufzubringen und Unrecht frühzeitig beim Namen zu nennen. „Darum dürfen wir als Christen und als Bürger niemals wegschauen, wo Gefahr droht und uns der wachsamen Verantwortung für den Frieden niemals entziehen. Kirche ist politisch, weil das Leid der Menschen eine politische Dimension hat.“

In Anlehnung an eine Kindheitserfahrung von Albert Schweitzer stellte der Prediger den Respekt, die Wertschätzung und Ehrfurcht vor dem Leben aller Geschöpfe als drittes unverzichtbares Element heraus. Weihbischof Losinger ermutigte die Festgemeinde zum Abschluss seiner Predigt: „Pfingsten, der Geist des Friedens, soll uns ein starker Impuls sein und uns auch künftig darin bestärken, niemals nachzulassen, wo es um die kostbare Gabe des Friedens geht, um Wachsamkeit für Menschenrecht und Menschenwürde und um Respekt für eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen.“