Dem Heiligen aus Assisi auf der Spur
Ein Ort, in dem ein Brunnen, ein Platz und auch der Kindergarten nach dem heiligen Franz von Assisi benannt sind, zeugt nicht nur von Jahrhunderten franziskanischer Tradition. In Klosterlechfeld wird bis zum heutigen Tag die Erinnerung an diesen großen Heiligen lebendig gehalten. Aus diesem Grund kam Bischof Bertram am Sonntagabend in die ehemals von Franziskanern betreute Wallfahrtskirche Maria Hilf, um mit den Gläubigen den Festgottesdienst zur Eröffnung des Franziskusjubiläums zu feiern – für die Lechfeld-Gemeinde um Pfarrer Thomas Demel, aber auch ein stückweit für die ganze Diözese.
Denn der Bischof versteht das Gedenken an den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi (1182-1226) durchaus als eine gute Gelegenheit, sich in dieser gesellschaftlich so unruhigen Zeit durch das Wirken und die Worte dieses Heiligen inspirieren zu lassen. Es war ein einzelner Satz aus dessen geistigem Testament, an dem er bei der erneuten Lektüre hängen blieb: „Danach hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt“. Worte, über die es sich nachzudenken lohne und die uns auch nach Jahrhunderten Impulse für das eigene Leben geben.
„Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal bewusst eine Weile innegehalten, in sich hineingehört, Ihre Gedanken sortiert?“, fragte Bischof Bertram in den bis auf den letzten Platz gefüllten Kircheninnenraum hinein. In einer immer häufiger als hektisch empfundenen Zeit litten ganz viele Menschen darunter, das Gefühl zu haben, getrieben zu sein und nicht mehr mitzukommen. Die rasanten Entwicklungen, etwa der digitalen Welt, aber auch der Zusammenbruch vermeintlicher Sicherheiten im Politischen und Sozialen beunruhigten große Teile der Bevölkerung. In einer solchen Gemengelage sei es für das eigene Wohlbefinden geradezu notwendig, durchzuatmen und sich innerlich neu zu sammeln, so der Bischof.
Dabei legte er den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern insbesondere das Vorbild des Heiligen aus Assisi ans Herz. Denn: „Dessen Erfahrungen und Handlungen haben seit Jahrhunderten Menschen aller Gesellschaftsschichten inspiriert und in vielen Fällen dazu beigetragen, ein erfüllteres Leben im Sinne der Botschaft Jesu Christi führen zu können.“ Drei Impulse aus der franziskanischen Spiritualität seien für ihn dabei herauszuheben: die Liebe zur Schöpfung, die Liebe zu seinen Mitmenschen und die Suche nach der göttlichen Wahrheit.
Bischof Bertram betonte, dass das Verständnis des heiligen Franziskus von dieser Welt als Lebensraum, in dem Pflanzen, Tiere und Menschen miteinander verbunden sind und deshalb allen Geschöpfen mit höchster Wertschätzung zu begegnen ist, aktueller denn je sei. Daher freue er sich auch, dass viele Menschen im Bistum sich für den Erhalt der Umwelt und die Bewahrung von Gottes Schöpfung einsetzen. „Lassen wir nicht nach und sorgen wir uns weiter um unser gemeinsames Haus, das uns von Gott unserem Schöpfer zur Pflege übergeben wurde“, appellierte der Bischof an seine Zuhörer. Neben seiner außergewöhnlichen Liebe zum Nächsten hob Bischof Bertram in der Predigt zudem dessen Vorbildfunktion für den interreligiösen Dialog hervor. „Franziskus wusste, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt, egal welcher Herkunft, Kultur oder Religion. Auch das sollten wir uns als Christinnen und Christen immer wieder ins Bewusstsein rufen und uns für weltweiten Frieden und Dialog einsetzen.“
Zu guter Letzt ging er auf den zweiten Teil des eingangs zitierten Satz ein: „… und verließ die Welt“. Dabei lieferte Franziskus selbst die Interpretation, indem er auf die Notwendigkeit des Gebets verwies. Bischof Bertram dazu: „Dies scheint mir eine sehr wichtige Botschaft zu sein: Der Heilige gibt offen zu, dass er selbst oft gar nicht wusste, was genau er eigentlich tun sollte. Er betete aber, und am Ende war es immer der Herr, der ihm offenbarte, auf welche Weise er das Evangelium leben sollte. (...) Folgen wir also den Spuren des poverello, wie der hl. Franz von Assisi mit Spitznamen genannt wurde, indem wir uns in diesem Jubiläumsjahr neu oder noch bewusster von dessen Worten und Taten inspirieren lassen.“
Die musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes übernahmen die Band „Mosaik“ und der Kirchenchor aus Schwabegg, bei denen sich Pfarrer Thomas Demel bei seiner Begrüßung bedankte. Sie sangen die Franziskusmesse „Fra Francesco“ vom Allgäuer Liedermacher Robert Haas und riefen damit in Bischof Bertram Erinnerungen an die Familienwallfahrt zu den Wirkungsstätten des heiligen Franziskus vor einigen Jahren wach: „Sie verwandeln Klosterlechfeld in Klein-Assisi.“
Zum Franziskusjubiläum
Augsburg gilt als Wiege der franziskanischen Gemeinschaften in Deutschland, da hier im Jahr 1221 die ersten Minderbrüder vom Bischof aufgenommen wurden. So bezeichnete Bischof Bertram bereits in einem Schreiben an die Pfarreien, Ordensgemeinschaften und Verbände zu Beginn des Jahres den heiligen Franziskus als eine der „faszinierendsten spirituellen Persönlichkeiten des letzten Jahrtausends“. Bis heute fordere uns sein Leben der radikalen Christus-Nachfolge heraus, bleibe in einer häufig unmenschlichen Welt stets Mahnung und gebe Anlass, sich in die franziskanische Spiritualität zu vertiefen. „Möge uns nicht zuletzt die Beschäftigung mit dem Leben und Wirken des kleinen Armen auch hilfreiche Impulse für den aktuellen Synodalen Prozess im Bistum und in der Weltkirche schenken“, wünscht sich der Bischof.
Unter dem Leitwort „Du führst uns hinaus ins Weite(r)“ knüpft die Diözese anlässlich dieses Jubiläums zusammen mit den franziskanischen Gemeinschaften an einem Netz mit fünf christlichen Konfessionen. Das Jahr sei ökumenisch ausgerichtet, kirchlich getragen und franziskanisch geprägt, heißt es auf der Jubiläumsseite. Es möchte einladen zum Dabeisein, zum Mitgehen und dort, wo es möglich ist, auch zum Mitgestalten. Dabei sollen Räume geschaffen werden für Begegnung und Austausch, spirituelle Erfahrungen, gemeinsames Fragen, Suchen und Feier sowie neue Verbindungen zwischen Menschen, Gruppen und Generationen.
Das Jubiläumsjahr wird vom diözesanen Fachbereich Geistliches Leben unter der Leitung des Bischöflichen Beauftragten Dr. Christian Hartl koordiniert. Es hält für alle Generationen etwas bereit und möchte Spiritualität, Bildung und Kultur miteinander verbinden. Einen Überblick auf das vielfältige Angebot, die Veranstaltungen und Materialien bietet der Internetauftritt unter www.spiritualitaet-augsburg.de/franziskus2026.
Wallfahrt und ehemals franziskanisches Leben auf dem Lechfeld
Die Wallfahrtskirche Maria Hilf liegt in der Mitte des Ortes Klosterlechfeld im Landkreis Augsburg. Das 1984 aufwändig restaurierte Gotteshaus gilt als eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten auf dem Lechfeld. Die Wallfahrt geht auf eine Stiftung der Witwe des Augsburger Bürgermeisters Raimund von Imhof zurück. Der Grundstein zum Kirchlein „Unserer Lieben Frauen Hilf“ wurde am 7. April 1603 gelegt. Bereits am Dreifaltigkeitstag des folgenden Jahres konnte der Augsburger Weihbischof Sebastian Breuning den Bau weihen. Der Entwurf der Rotunde stammte von Elias Holl, der sich das Pantheon in Rom zum Vorbild genommen hatte.
Schon bald setzte eine rege Wallfahrt zur Muttergottes auf dem Lechfeld ein, zu deren Betreuung sich ab 1606 Franziskaner (OFM) aus der Provinz Straßburg niederließen. Die Stifterin errichtete den Brüdern daraufhin ein erstes Klostergebäude, das rasch ausgebaut und schon bald zum Konvent erhoben wurde. Nach einer Blütezeit der Wallfahrt im 18. Jahrhundert, dem Weiterbestand des Klosters trotz Säkularisation wurde das kleine Kloster neben der Kirche erst 1993 aufgelöst.