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Wichtiges
Gebetsstätte Wigratzbad

Der Fels und das Wasser

30.05.2026

Vor fünfzig Jahren wurde die Sühnekirche der Gebetsstätte Wigratzbad im Süden des Bistums durch Bischof Josef Stimpfle feierlich konsekriert und ist seitdem für zahlreiche Menschen ein Ort der Gottesbegegnung in Gottesdienst und Gebet. Zum Jahrestag der Kirchenweihe hat Bischof Bertram in seiner Predigt den nur scheinbaren Gegensatz zwischen Dynamik und Stabilität in den Mittelpunkt gestellt.

„Wenn die Antike und das Mittelalter die Ruhe (Hesychia) liebten, hat die Moderne die Mobilität aufgewertet. In Bewegung zu sein, gilt in der Neuzeit als Zeichen von Kreativität und Fortschritt“, erklärte der Bischof eingangs in seiner Predigt. Die „extreme Fluidität“ der Moderne berge aber auch Gefahren in sich: „Was geschieht, wenn Werte in zynischer Weise relativiert werden, wenn Positionen, die noch vor Kurzem undenkbar in ihrer Geschmacklosigkeit gewesen wären, salonfähig werden, wenn es immer schwerer fällt, zwischen wahr und falsch, richtig und irrig, angebracht und nicht angemessen zu unterscheiden?“

Der christliche Glaube sei darin ein wichtiger Fix- und Ankerpunkt zur Verortung und Verfestigung in einer schwer zu navigierenden Gegenwart: „Für unseren Glauben ist der Fels die Person Jesu Christi, der uns als Freund, Bruder und Lehrer stärkt und führt. Als verlässlicher Bezugspunkt schenkt er Orientierung und Hoffnung.“ Dabei gehe es nicht notwendigerweise um ein System an Lehrsätzen, sondern letztendlich um die persönliche Beziehung zum menschgewordenen Gott, wie sie an Orten wie Wigratzbad gepflegt und verfestigt werden könne.

Diese Stabilität und Christusbezogenheit sei freilich nichts Starres; stattdessen seien Glaube und entsprechend auch die Kirche immer schon dynamische Elemente gewesen. Der sprichwörtlich gewordene Fels, auf dem die Kirche erbaut worden ist, sei als „archimedischer Punkt“ und Voraussetzung für Wachstum und Entfaltung zu verstehen, so Bischof Bertram: „Wie jeder lebendige Organismus wächst auch die Kirche. Sie reagiert auf die Impulse der Zeit, in der sie steht, und tritt mit ihr in Beziehung. Sie ist kein Museum und auch kein Sammelort für Nostalgiker eines idealisierten vergangenen Zeitalters. Sie steht vielmehr in einer lebendigen Beziehung zu ihrer Tradition.“

Die Gnadenkapelle von Wigratzbad wurde 1938 errichtet und ist der Vorläufer der größeren Sühnekirche.

Die Gnadenkapelle von Wigratzbad wurde 1938 errichtet und ist der Vorläufer der größeren Sühnekirche.

Dieses nicht immer einfache Zusammenspiel von Stabilität und Dynamik und von Einheit und Vielfalt sei in der katholischen Kirche ganz grundlegend durch das Petrusamt gewährleistet. Das Vertrauen in den Bischof von Rom sei entscheidend für das richtige Verständnis von Kirche: „In der Kirche gibt es nur einen Papst – und er tut seine Arbeit gut“, betonte der Bischof abschließend und gratulierte der Gebetsstätte zu ihrem Festtag: „Menschen werden im Glauben gestärkt und schöpfen Kraft aus der Spiritualität, die an diesem Ort mit großer Beständigkeit gepflegt wird. Wigratzbad ist ein Ort gläubiger Zuversicht sowie des Vertrauens auf ‚Maria vom Sieg‘.“

Die Gebetsstätte Wigratzbad geht auf eine 1936 errichtete Lourdesgrotte zurück, die während der Zeit des Nationalsozialismus und den Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre schnell zu einem zahlreich besuchten Wallfahrtsort avancierte. Eine bereits 1938 erbaute Gnadenkapelle erwies sich als zu klein für die Besucherströme, weshalb ab 1970 mit der Planung und dem Bau der heutigen, dem Herz Jesu und der Gottesmutter Maria geweihten Sühnekirche begonnen wurde. Mit der Konsekration am 30. Mai 1976 ging auch die Anerkennung als diözesane Gebetsstätte einher. Seit 2021 wird sie von der Ordensgemeinschaft „Pro Deo et fratribus – Familie Mariens“ betreut.