Erwachsenentaufe: Sinn und Halt im Leben
Am 1. Fastensonntag hat Bischof Dr. Bertram Meier im Rahmen einer Wortgottesfeier im Westchor des Domes 17 Männer und Frauen für den Empfang der Sakramente zugelassen. Diese wurden dabei von ihren Familien sowie den zuständigen Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort begleitet. Beeindruckende Glaubenszeugnisse gaben Einblicke in einen Prozess, an dessen Ende für 13 von ihnen die Taufe und für vier die Firmung steht.
Im Gegensatz zur Kindertaufe, ist die Erwachsenentaufe in der katholischen Kirche mit einem längeren Prozess und einer intensiven Begleitung verbunden. In Form eines Katechumenats werden die Personen in die Grundsätze und Glaubenslehre der katholischen Kirche eingewiesen. Traditionell findet dann in der Osternacht die Taufspendung durch den Ortspfarrer statt, an die im Anschluss die Firmung folgt. Im Rahmen der Eucharistiefeier empfangen die Täuflinge dann auch die Erstkommunion und sind damit voll in die Gemeinschaft der Gläubigen initiiert. Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese Form des Katechumenats in Anlehnung an die frühchristliche Praxis wieder eingeführt.
Was sind die Markenzeichen eines Christen?
Bevor die Katechumenen in den Pfarreien allerdings die Sakramente empfangen dürfen, braucht es eine formelle Zulassung durch den Bischof. Diese findet traditionell am 1. Fastensonntag im Dom statt. Im Rahmen seiner Predigt ging Bischof Dr. Bertram Meier daher in Anlehnung an seinen Fastenhirtenbrief darauf ein, woran man einen Christen erkennen könne, was einen Christen auszeichne. Dazu stellte er einen Dreiklang auf: Bewegen – Begleiten – Beten.
So fange der christliche Glaube immer mit einer Bewegung, einem Aufbruch an. Dieser sei das Markenzeichen des Christseins, nicht das Stehenbleiben, so der Bischof. Den Kandidatinnen und Kandidaten riet er daher, in Glaubenssachen nicht „Däumchen zu drehen“. Dies unterstrich er mit einer humorigen Geschichte aus seiner eigenen Ministrantenzeit, als „der junge Bertram im Alter von vielleicht zehn Jahren während der langwierigen Rosenkranzandachten Däumchen gedreht hat“. In die Gebetsform habe er erst hineinwachsen müssen, gab er zu. Aber der Glaube sei ja eben auch genau das „Gegenteil von Stillstand“.
Gleichzeitig richtete er auch seinen Blick auf die Begleitpersonen aus der jeweiligen Pfarrgemeinde. Diese Aufgabe sei gerade für Geistliche kein Hobby, sondern Pflicht. Angesichts des immer größer werdenden bürokratischen Aufwandes dankte er bewusst für die Zeit, die sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger für die Begleitung nehmen würden.
Christen seien aber auch daran zu erkennen, dass sie füreinander beten würden, weshalb auch die Feier am Ersten Fastensonntag bewusst in der Bischofskirche stattfinde. Mit einbezogen in das Gebet wurden daher auch ausdrücklich die Katechumenen, die nicht vor Ort anwesend sein konnten. Ganz besonders empfahl Bischof Bertram die Eucharistische Anbetung, die vielerorts sogar rund um die Uhr gepflegt werde. Sein abschließender Wunsch lautete: „Strecken Sie sich nach dem aus, der unser Freund, Meister und Lehrer sein will.“
Die Initiation Erwachsener in die Kirche
Da die Taufe im Regelfall von den unterschiedlichen Konfessionen gegenseitig anerkannt wird, finden im Falle eines Übertritts zur katholischen Kirche nur Firmung und Erstkommunion statt. Ebenfalls können katholisch getaufte Personen, die im Kinder- und Jugendalter nicht die weiteren Initiationssakramente empfangen haben, dies als Erwachsene nachholen.
Im Rahmen der Zulassungsfeier werden die Kandidatinnen und Kandidaten dem Bischof vorgestellt sowie die Empfehlungsschreiben überreicht. Durch Segensgebet und Handauflegung vollzieht der Bischof dann die eigentliche Zulassung zu den Sakramenten. Anschließend beauftragt er die örtlichen Pfarrer mit der Spendung der Sakramente. Heuer kommen die Katechumenen aus Murnau, Weilheim, St. Ottilien, Heimenkirch, Wigratzbad, Nördlingen, Kempten, Augsburg, Aichach, Dinkelsbühl, Lechbruck und Mindelheim. Nach der Feier bestand im Kolpinghaus Gelegenheit zu Begegnung und Austausch.