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Wichtiges
150 Jahre Cassianeum

Gedenken mit Schattierungen

11.01.2026

Gut 150 Jahre nach Gründung des Cassianeums hat Bischof Dr. Bertram Meier an diesem Sonntag in Donauwörth für das Engagement vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in all diesen Jahrzehnten gedankt, gleichzeitig aber auch an den vielfachen Missbrauch erinnert, der im ehemaligen Kinderheim verübt wurde. Bischof Bertram: „Gerade heute dürfen wir nicht darüber schweigen.“

Im Jahr 2019 hatte eine vom damaligen Bischof Dr. Konrad Zdarsa beauftragte unabhängige Arbeitsgruppe die Gewalttaten im ehemaligen Kinderheim Heilig Kreuz aufgedeckt. Bischof Bertram wandte sich während des Gottesdienstes in seiner Predigt am Sonntag direkt an die Betroffenen: „Von dieser Stelle aus möchte ich mich an Sie alle wenden und das wiederholen, was ich im November zur Studie der Unabhängigen Aufarbeitungskommission unseres Bistums sagte: ‚Unabhängig davon, ob Sie die Kraft gefunden haben, über diese schrecklichen Erfahrungen zu sprechen und sich Hilfe zu holen, ob Sie noch alleine mit diesen Erlebnissen kämpfen oder ob das Bistum Augsburg auf die eine oder andere Weise bereits von Ihrem Schicksal erfahren hat: Ihr Leid geht mir sehr zu Herzen und die schwere Schuld des Bistums Augsburg Ihnen gegenüber lastet mir auf der Seele.‘ Seit Beginn meiner Amtszeit stehe ich für Null Toleranz gegenüber Missbrauch. Das ist das Gebot der Stunde, die Richtlinie der Diözese und mein persönliches Versprechen.“

Die Leidenschaft für die Gründung des Cassianeums hatte Ludwig Auer vor 150 Jahren aus dem Gefühl der Notwendigkeit gezogen, sich um die Bildung der Jugend zu kümmern – dies, so Bischof Bertram, sei auch heute wieder eine wichtige Aufgabe: „Im Gegensatz zu manch anderen Kontinenten nimmt das Interesse am Christentum hier ab. Soll uns das entmutigen? Ich meine: nein. Unsere Verantwortung für die Verkündigung der Frohen Botschaft dürfen wir heute noch intensiver wahrnehmen. Gerade heute wird unser Engagement für das Evangelium besonders erwartet…Gerade heute müssen wir als Christinnen und Christen für eine Kirche stehen, die die Jugend einlädt, annimmt und aufblühen lässt.“

Im Juni 1875 hatte der Lehrer Ludwig Auer, noch in Neuburg an der Donau, eine katholische Bildungsinstitution gegründet, die er nach dem heiligen Kassian, dem Schutzpatron der Lehrer, benannte. Schon Ende 1875 übersiedelte das Cassianeum nach Donauwörth, wo Auer kurze Zeit später das ehemalige Kloster Heilig Kreuz kaufte. 1910 überführte Auer das Cassianeum in eine Stiftung. Heute gibt es auf dem Gelände eine Realschule, deren Träger das Schulwerk der Diözese Augsburg ist.