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Wichtiges
Silvesterpredigt

Jahresschluss: „Gott, du bist ohne Anfang und ohne Ende“

31.12.2025

Im Rahmen der traditionellen Andacht zum Abschluss des bürgerlichen Jahres hat Bischof Dr. Bertram Meier einen Rückblick auf die vergangenen Monate gehalten. Ins Zentrum seiner Betrachtung stellte er dabei das Phänomen der Zeit und rief dazu auf, aufmerksam für die Gnadenstunden zu sein, die Gott auch im neuen Jahr schenkt.

„Ohne Uhr können wir nicht mehr leben“, mit dieser grundlegenden Feststellung stieg Bischof Bertram am Silvestertag in seiner Predigt ein. Zu seiner Firmung habe er seine erste Uhr geschenkt bekommen. Heute müsse er feststellen, dass nicht er die Uhr habe, sondern die Uhr ihn. Die verstreichende Zeit schenke allerdings auch viele Erfahrungen. Zukunftsfähig seien Menschen, Christen und Kirche aber vor allem durch den „Blick nach vorn“.

In der Zeit auch den Moment erleben

Ausgehend von der griechischen Götterwelt ging Bischof Bertram dann auch auf den Unterschied zwischen der reinen Zeit (Chronos) und dem Augenblick (Kairos) ein. Bischof Bertram: „Das alte Jahr fügt wieder einige Seiten unserer Chronik hinzu, die Chronologie unseres Lebens wird weitergehen, doch wichtig ist es, in diesem Rhythmus der Stunden, Tage und Jahre das Jetzt, den günstigen Moment zu erhaschen, in dem Gott mir besonders nahe ist: Wir könnten auch sagen: aufmerksam sein für die Gnadenstunden, die mir Gott auch im Neuen Jahr schenken will.“ In einem persönlichen Rückblick erinnerte er auch an drei Ereignisse aus seinem eigenen Leben im Jahr 2025. So habe er sich im Frühjahr einer Operation unterziehen müssen, sich gleichzeitig aber dadurch wieder mehr auf Gebet, Glauben und Gottvertrauen konzentrieren können. Aber auch sein 65. Geburtstag sowie das 40-jährige Priesterjubiläum seien wichtige Augenblicke gewesen. Den Gläubigen riet er daher ganz bewusst dazu, solche „Gnadenstunden“ beim Schopf zu packen.

Auch Gott habe sich Zeit gelassen mit seiner Menschwerdung, bis er schließlich zum Zeit-Genossen der Menschen geworden sei. Jesu Leben ließe sich aber auch nicht an der relativ kurzen Zeitspanne von 33 Lebensjahren messen, sondern vielmehr aufgrund der Qualität dieser Zeit: „Jesus war ganz da, ganz präsent, und in der Chronik unseres Lebens ist er zu allen Zeiten dabei: Immanuel, Gott ist mit uns.“ Den Versammelten wünschte er daher auch ganz bewusst, dem Leben nicht einfach nur mehr Jahre zu geben, sondern „den Jahren mehr Leben zu geben“. Im Hinblick auf den Jahreswechsel könnten die Christen das alte Jahr bei Gott abgeben und im Blick auf das neue beten: „Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.“ (Ps 31)

Ritus zum Ende des Heiligen Jahres 2024/2025

Im Anschluss an seine Silvesterpredigt verabschiedete Bischof Bertram das Heilig Jahr. Hymne und Kerze standen symbolisch für diesen besonderen Anlass. Papst Franziskus hatte es am Weihnachtstag 2024 unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“ eröffnet. Hoffnung, so Bischof Bertram, sei aber nicht einfach nur ein frommer Wunsch, sondern eine Kraft aus dem Herzen Gottes, die unser Leben trage. „Am Ende dieses Jahres danken wir Gott für alles, was er uns in diesem Heiligen Jahr geschenkt hat: für Trost in der Not, für jeden Neuanfang, für jeden Funken Hoffnung, den er in uns geweckt, und für jeden Schritt aufeinander zu, den er ermöglicht hat.“ Die Heilige Pforte schließe sich, doch Christus, die lebendige Tür zum Vater, bleibe für uns geöffnet. Bischof Bertram: „Gott gebe uns Kraft und Mut, jedem zu antworten, der nach dem Grund unserer Hoffnung fragt.“

Silvester als Abschluss des Jahres

Die Andacht am Silvesterabend ist traditionell von zwei Elementen geprägt: Dank und Bitte. Vor dem ausgesetzten Altarsakrament wurde so auch um den Segen für das neue Jahr gebetet. Die Feier endete mit dem Sakramentalen Segen und dem Te deum. Die musikalische Gestaltung oblag dem Domchor.

Während das bürgerliche Jahr am Silvestertag endet, schlägt das Kirchenjahr eine Brücke. Obwohl in der Vergangenheit verschiedene Jahresbeginne Gültigkeit hatten, legte Papst Innozenz XII. im Jahr 1692 den 1. Januar als offiziellen Jahresanfang fest. Die Kirche gedenkt an diesem Tag der Beschneidung Jesu, die dem Lukasevangelium zufolge acht Tage nach der Geburt stattgefunden hat. Der 1. Januar ist seit der Liturgiereform nicht nur der Oktavtag zu Weihnachten, sondern auch das Hochfest der Gottesmutter Maria. Die Weihnachtszeit selbst endet am Sonntag nach Dreikönig.

Benannt ist der 31. Dezember nach dem heiligen Papst Silvester I., der von 314 bis zu seinem Tod am 31. Dezember 335 als Bischof von Rom amtierte. Während seines Pontifikates vollzog sich eine Religionswende innerhalb des römischen Reiches, hin zu einer überaus christenfreundlichen Haltung. Auch die Basiliken St. Salvator im Lateran, St. Peter im Vatikan und St. Paul vor den Mauern wurden unter ihm errichtet. Der Legende nach soll Silvester Kaiser Konstantin den Großen getauft haben.