„Jesus kommt nach Hause“
In einem bemerkenswert gut gefüllten Augsburger Dom hat Bischof Dr. Bertram Meier am Montagabend eine Pontifikalmesse anlässlich des Festes „Darstellung des Herrn“ gefeiert. In diesem Fest, früher Mariä Lichtmess genannt, wird des ersten Besuches des neugeborenen Jesus im Tempel von Jerusalem gedacht. Bischof Bertram: „Jesus kommt nach Hause.“
Das Lukas-Evangelium erzählt die anrührende Geschichte zweier alter Menschen - Simeon und Hannah -, die in dem Baby, das Maria und Josef in den Tempel tragen, den Messias erkennen. Jesus kommt, wie er es später nennen wird, in das Haus des Vaters, und Simeon und Hannah heißen ihn willkommen. Bischof Bertram schaute in seiner Predigt in die Gegenwart: „Wie willkommen ist Jesus uns in unseren kirchlichen Strukturen und Strategien? Rechnen wir mit seinem Kommen in unseren Herausforderungen und Krisen? Kirche - das ist eine jede und ein jeder von uns! Wir sind seine engsten Brüder und Schwestern, seine Angehörigen, seine Familie. Wir sind der Tempel, in dem der Herr gegenwärtig sein will! Dazu sind wir in der Taufe gerufen – und befähigt worden.“ Allerdings, so der Bischof, laufe mit der Taufe kein Automatismus ab, bis die Menschen im Himmel seien. Es gehe darum, Jesus mit offenem Herzen und mit wachem Geist aufzunehmen.
Der Bischof begrüßte in seiner Predigt ausdrücklich auch die vor allem älteren Ordensfrauen und -männer, die zahlreich im Dom vertreten waren, denn seit 1997 wird der 2. Februar auch als Tag des gottgeweihten Lebens begangen. „Vielleicht reißen Sie angesichts Ihres Alters keine Bäume mehr aus, vielleicht bohren Sie keine dicken Bretter mehr - aber es kommt nicht darauf an, was Sie tun, sondern darauf, was Sie sind!“
Kerzen bildeten an diesem Abend den feierlichen Rahmen im Dom. Simeon nennt Jesus im Lukas-Evangelium ein "Licht, das die Heiden erleuchtet". Daher hatte Bischof Bertram zu Beginn des Gottesdienstes im Westchor des Doms Kerzen gesegnet. Direkt im Anschluss an die Heilige Messe dann empfingen die Gläubigen im Dom den Blasiussegen. Der Segen geht auf den heiligen Blasius von Sebaste zurück, einen Arzt und Bischof, der im 4. Jahrhundert als Märtyrer starb. Der Legende nach rettete er ein Kind vor dem Erstickungstod durch eine Fischgräte, weshalb er als Schutzpatron für Halsleiden gilt. In der katholischen Kirche wird am 3. Februar sein Gedenktag gefeiert.
Das Fest der Darstellung des Herrn
Entsprechend des Berichts aus dem Lukasevangelium findet 40 Tage nach Weihnachten das Fest der Darstellung des Herrn statt. Es erinnert an den Besuch von Maria und Josef sowie dem Neugeborenen im Jerusalemer Tempel. Entsprechend der jüdischen Tradition brachte die arme Familie an diesem Tag das vorgeschriebene Reinigungsopfer in Form von zwei Tauben dar.
Bis zur Liturgiereform bildete das damals noch Mariä Lichtmess genannte Fest den Abschluss der Weihnachtszeit. Aus diesem Grund bleiben vielerorts bis zu diesem Tag auch die Weihnachtsbäume in den Kirchen stehen. Mit dem Fest eng verbunden ist die Segnung der Kerzen und eine Lichterprozession zu Beginn. Dieser Brauch existiert bereits seit dem 5. Jahrhundert und erinnert an den ersten Einzug des Messias´ in das Haus seines Vaters in Jerusalem.