Kreuzbund im Bistum Augsburg feiert 40-jähriges Jubiläum
Augsburg (pca). Eine Suchtabhängigkeit macht krank, zerstört Leben, nimmt den Arbeitsplatz und zerreißt Familien. Ein unerlässlicher Schritt aus diesen Schatten der Suchtabhängigkeit ist die persönliche Entscheidung, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Dazu braucht man die Suchthilfe. Dauerhaft abstinent zu leben, das ermöglichen Selbsthilfegruppen wie der Kreuzbund der Caritas. Dieser feierte am Donnerstagabend in Augsburg sein 40-jähriges Bestehen. Im Bistum ist er an zwölf Standorten vertreten und zählt deutlich über 100 Mitglieder.
Der Caritasverband für die Diözese Augsburg hatte anlässlich des Jubiläums zu einer Feierstunde eingeladen. Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller betonte dabei, dass er das Thema Sucht und die Arbeit der Suchthilfe wie auch in den Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes aus dem Schatten der Öffentlichkeit herausholen möchte. „Ihre Arbeit, Ihre Lebensleistung für sich und andere, auch für die Gesellschaft verdient Dank und Anerkennung“, sagte er zu den zahlreichen Mitgliedern des Kreuzbundes, darunter auch Gründungsmitglieder, die nun auf über 40 Jahre Abstinenz auch dank des Kreuzbundes zurückblicken. Barbara Habermann, Bereichsleiterin Soziales im Diözesan-Caritasverband und verantwortlich für den Bereich Sucht und Psychiatrie, betonte wiederum, dass der Kreuzbund und alle Mitglieder wegen ihrer Leistungen für so viele Menschen die Solidarität nötig habe und auch verdiene.
Bischof Bertram drückt seine Hochachtung aus
Auch wenn der Kreuzbund für allzu viele in der Öffentlichkeit eine große Unbekannte ist, Fachleute aus der Sozial- und Gesundheitspolitik, der Medizin und Vertreter der Kostenträger zeigten mit ihrer Anwesenheit, wie sehr sie die Mitglieder und die Arbeit des Kreuzbundes schätzen. Bischof Dr. Bertram Meier, kurz zuvor aus Sarajevo zurückkehrt, wollte sich diese Feier nicht nehmen lassen. Anzuerkennen, dass man Hilfe braucht, und bereit zu sein, Hilfe anzunehmen und einen klaren Entschluss zu fassen, nicht mehr wie bisher weiter zu leben, „dass benötigt viel Mut und Kraft“. Dafür sprach Bischof Bertram seine „große Hochachtung“ aus. 40 Jahre Kreuzbund bedeuten für ihn gleichzeitig „40 Jahre Aufrichtigkeit zu sich selbst und untereinander“. Der zu sein, der man ist, dass könnten die suchtkranken Menschen in den Selbsthilfegruppen sein. Sie sieht der Bischof als das „Herzstück“ der Arbeit des Kreuzbundes. Sie seien die Orte, an den Menschen sich öffnen können, ohne bewertet zu werden, und wo sie voraussetzungslos erleben, „dass sie nicht allein sind“. Auch die Kirche stehe an ihrer Seite, „so wie Jesus jeden Tag an unserer Seite steht, uns stützt und begleitet. Seien Sie sich gewiss: Gott ist an ihrer Seite!“
Dass die Gruppentreffen des Kreuzbundes für ihre Mitglieder eine besondere Bedeutung entfalten, unterstrich die Bundesgeschäftsführerin des Kreuzbundes aus Hamm, Dr. Daniela Ruf. Die Kreuzbundgruppen seien für ihre Mitglieder „Anker, Lebensschulen und oft wie ein Zuhause“, beschrieb sie die Wirksamkeit der Selbsthilfearbeit in den Gruppen. Sie bedauerte gleichzeitig den geringen Bekanntheitsgrad des Kreuzbundes. Er aber könnte durch seine Leistungen dazu beitragen, „dass weniger Menschen aus dem Netz fallen und gleichzeitig mehr Kinder in suchtbelasteten Familien unbelastet aufwachsen könnten“. Sie lud deshalb alle Gäste der Jubiläumsfeier ein, mehr für den Kreuzbund zu werben. Er biete nämlich „Halt, wo ansonsten Einsamkeit herrscht und macht Mut, neue Wege zu gehen - als Betroffene oder Angehörige.“ Vorbildcharakter entfalte der Kreuzbund für die Gesellschaft dadurch, indem „er nicht von den Problemen wegschaut“. Denn das Prinzip des Kreuzbundes gelte nicht nur dort: „Menschen brauchen Menschen“.
Der Kreuzbund im Kontext von Stadt und Klinik
Auch wenn Selbsthilfegruppen sich besonders ihren Mitgliedern widmen, so haben sie doch eine große Bedeutung für das Sozial- und Gesundheitswesen der Kommunen. „Sie unterstützen uns in unserer Arbeit“, betonte der Augsburger Sozialreferent Martin Schenkelberg bei der Veranstaltung. Im Kern gehe es zwar in diesen Gruppen um „Selbstermächtigung und Selbstverwirklichung“. Aber dort treffe man jene Menschen, die einem beweisen, dass man andere Wege sehr gut gehen kann. Umso mehr sei es unverantwortlich, die Mitglieder zu stigmatisieren. „Was unserer Gesellschaft ohnehin am meisten schadet, sind Tabus“, sagte Schenkelberg. Oberarzt Dr. Marcus Gertzen vom Augsburger Bezirkskrankenhaus möchte ebenfalls die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Selbsthilfegruppen nicht missen. „Es ist mehrfach wissenschaftlich bewiesen, dass wir in der medizinischen Suchthilfe sehr viel von Betroffenen lernen können“.
Reinhard Philipp, Mitglied des Kreuzbundes, warb schließlich gemeinsam mit Marta Budna-Lamla, Leitung der Suchtfachambulanzen der Caritas in Aichach und in Augsburg-Land, für die Arbeit und die Gruppen des Kreuzbundes. „Hier kann jede und jeder alles erzählen, was ihn bewegt und belastet. Wir hören zu und reden darüber. Wir helfen uns gegenseitig, unser Selbstbewusstsein zu stärken, und machen uns gegenseitig stark, damit niemand rückfällig wird.“ Dass dabei sehr viel Herzlichkeit und viel Wärme untereinander herrscht, beobachtet Budna-Lamla bei den Gruppentreffen. Basis aller Zusammenarbeit sei dabei „der Mensch in seiner Würde“. Das verbinde die professionelle Suchtarbeit der Caritas mit den Mitgliedern der Kreuzgruppen, „denn nur so öffnen sich viele Wege“. „Ohne die Selbsthilfegruppen“, so die Suchttherapeutin Budna-Lamla, „wäre die Suchthilfe nicht mehr gesund, denn ohne sie könnte sie sich nicht weiterentwickeln“.