Landwirtschaft und Kirche im Dialog
Der diözesane Fachbereich „Kirche und Umwelt“ pflegt zu aktuellen Themen regelmäßig Kontakt mit dem Bezirksverband Schwaben des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Daraus entstand der Wunsch nach einer Begegnung in größerer Runde. Auf diesem Hintergrund trafen sich jüngst BBV-Vertreter aus Ehren- und Hauptamt aus weiten Teilen der Diözese sowie Repräsentanten des Bistums und kirchlicher Verbände zu einem Austausch in Leitershofen, bei dem auch Bischof Bertram anwesend war.
Landwirtschaft und Kirche haben und hatten über die Jahrhunderte eine enge Verbindung. Gemeinsam im Dialog zwischen den Teilnehmern des Bauernverbands aus Ehren- und Hauptamt und den Vertretern aus verschiedenen Bereichen des Bistums sollte das gegenseitige Verständnis füreinander gestärkt werden. Der Umweltbeauftragte der Diözese, Dr. Karl-Georg Michel, begrüßte die Anwesenden Gäste und betonte, dass dieser Austausch etwas Besonderes sei, da man in so großer Runde bisher noch nie in den Dialog gegangen sei. BBV-Bezirkspräsident Stephan Bissinger ging in seiner Begrüßung auf die sich verändernden gesellschaftlichen Strukturen im ländlichen Raum ein und darauf, dass die Verbundenheit zur Kirche in den Familien mit bäuerlichem Hintergrund noch gepflegt werde.
Besonders freuten sich die Anwesenden, dass Bischof Dr. Bertram Meier sich die Zeit nahm und die Begegnung mit einem Statement bereicherte. „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“, zitierte er aus der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Diese Worte, so der Bischof, passten sehr gut zu der Begegnung, denn gerade die Landwirtschaft sei stark vom gesellschaftlichen, aber auch vom Klimawandel betroffen. Mit Blick auf die viel und kontrovers diskutierte Agrarstudie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofkonferenz unterstrich er sein Selbstverständnis als Brückenbauer, der den Dialog ermöglichen möchte und auch über die Studie hinaus zuhören will. Zum Abschluss seines Impulses drückte der Bischof seinen Dank an die Landwirte aus: „Sie wirken maßgeblich daran mit, dass hierzulande jeder sein ‚täglich Brot‘ bekommt.“
Stellvertretend für Landesbäuerin Christine Singer, die krankheitsbedingt leider nicht teilnehmen konnte, übernahm Bezirksbäuerin Christiane Ade den Impuls von Seiten des BBV. Sie hob die Vielfalt der Landwirtschaft und der Themen hervor, die die Landwirte bewegen. Egal ob der Konkurrenzdruck zu Produkten aus dem Ausland, die Frage der Wirtschaftlichkeit bei stagnierenden Erzeugerpreisen oder der Entzug wichtiger Produktionsflächen – das alles spiele eine Rolle bei den Überlegungen für die Zukunft und dabei, ob es auch künftig noch junge Menschen gebe, die sich diesen Herausforderungen stellen wollen.
Die Moderation des folgenden Austauschs übernahmen Roman Aigner, früherer Landvolk-Referent, und für den BBV der Direktor des Bezirks Schwaben, Matthias Letzing. Zunächst tauschte man sich zum Thema Pachtflächen aus und über die immer wieder zu hörenden Gerüchte, dass die Kirche Biolandwirten bei der Vergabe den Vorzug gebe. Diane Rußwurm, Vorsitzende des Katholischen Pfründestiftungsverbunds St. Ulrich, beruhigte die Anwesenden BBV-Vertreter. Das Thema sei zwar intern diskutiert worden, letztendlich sei man aber zu dem Ergebnis gekommen, sich in die Arbeit der „Experten auf der Fläche“ nicht einzumischen. Aus diesem Grund gebe es in den Pachtverträgen auch keine zusätzlichen Auflagen. „Davon haben Sie eh schon genug“, so Rußwurm.
Im Zusammenhang mit den kircheneigenen Flächen wurde auch die Frage nach der Sicht auf Freiflächen-PV gestellt. Max Markmiller, der Klimaschutzmanager der Diözese, betonte, dass er das Anliegen „erst auf die Dächer, dann auf die Fläche“ bereits aus früheren Austauschrunden mit dem Bauernverband mitgenommen habe und schon länger in seine Arbeit einfließen lasse. „In unserer Arbeit ist Freiflächen-PV neben Windkraft und Batteriespeichern natürlich ein Thema“, erklärte Gernot Beer, Geschäftsführer der Ulrich Energie GmbH. Man gehe aber sehr sensibel vor bei der Auswahl möglicher Flächen und zudem handle es sich gegebenenfalls nur um einen marginalen Teil.
Imagesorgen und die mangelnde Wertschätzung gegenüber den Landwirten und ihrer Arbeit aus der Bevölkerung waren ein weiteres Anliegen, dass die BBV-Vertreter an die Vertreter der Diözese herantrugen. Auch die Kirche kämpfe mit beidem, so die Vertreter der Diözese. Beide Seiten wünschten sich mehr Achtsamkeit dabei, wie man übereinander spricht. Die Landwirte seien nicht nur in der Produktion regionaler Lebensmittel aktiv, sondern stellten auch einen großen Teil der im ländlichen Raum kirchlich aktiven Bevölkerung. Und gerade auch deshalb seien solche Austauschformate wichtig, um Verständnis füreinander zu schaffen.
Bevor sich die Vertreterinnen und Vertreter der Landwirte, des Bistums und der kirchlichen Verbände wieder in alle Himmelsrichtungen voneinander verabschiedeten, feierten sie zusammen eine kurze Andacht.