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Aus den Pfarreien

Welfenmünster Steingaden vor 850 Jahren geweiht

24.10.2026

Bevor Welf VI. Mitte des 12. Jahrhunderts zu einem Kreuzzug ins Heilige Land aufbrach, stiftete er zu seinem Gedächtnis das Kloster in Steingaden. 850 Jahre später existiert von der einstigen Anlage nur noch die Kirche. Deren Jubiläum wurde am Samstagabend groß begangen. Bischof Dr. Bertram Meier feierte dort in großer Gemeinschaft ein Pontifikalamt. In seiner Predigt rief er die Gläubigen dazu auf, als Getaufte ein Fingerzeig Gottes inmitten dieser Welt zu sein und den Glauben authentisch zu leben.

„Was wäre der Anblick von Steingaden ohne diese Kirche?“, mit dieser provokanten Frage begann Bischof Dr. Bertram Meier am Samstagabend seine Predigt in der ehemaligen Klosterkirche St. Johannes Baptist. Die Antwort: „Sie ist Teil Ihrer Identität, sie gehört zur Geschichte Bayerns und der Geschichte unseres Bistums. All das verleiht ihr Bedeutung und Wert.“ Gleichzeitig sei jede Kirche mit ihrem Kirchturm, wie einst die Person Johannes des Täufers, ein „Fingerzeig auf Gott hin“. Währen die Gottesfrage in der Bevölkerung immer mehr in den Hintergrund rücke, würden Kirchen, Kapellen und Wegkreuze diese Frage wachhalten. Schon von weitem sichtbar, spreche ein jeder Kirchturm: „Hier wohnt Gott“. Er rage in den Himmel und weise zugleich auf das Kirchengebäude hin, mit dem er in Verbindung stehe. Gott erweise uns in Jesus Christus seine bleibende Nähe, daher seien unsere Kirchen auch nicht leer, so der Bischof.

Kirche heißt, Jesus Christus als Person kennen zu lernen

Die Gläubigen lud er außerdem dazu ein, Jesus Christus persönlich kennenzulernen. Die Kirche von außen wahrzunehmen sei das eine, etwas anderes sei es, in ihr Inneres einzutreten. Bischof Bertram: „In das Innere von Kirche eintreten ist daher mehr als durch die Pforte zu schreiten – wenn auch das ein erster wichtiger Schritt sein kann. Es heißt, in ihren Bräuchen, Riten und im Glauben der Kirche zu Hause zu sein. Die Gemeinschaft der Gläubigen und ihre Rituale bieten uns Halt. Doch wird der Raum des Glaubens noch einmal geweitet und vertieft, wo wir in eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus hineinfinden. Kirche soll der Raum sein, wo wir Jesus kennen lernen: im Wort und Sakrament.“ Glauben zu können sei jedoch keine Leistung, sondern ein Geschenk. Oft brauche es eine Erfahrung, dass ein Mensch im Inneren verstehen könne, dass „dieser Jesus“ jetzt auch für ihn oder sie da sei.

Daher beendete der Bischof seine Predigt auch mit einem Zuspruch, dass die anwesenden Gemeindemitglieder eben auch den Mut finden sollten, anderen Menschen von der positiven Kraft zu erzählen, die der Glauben in ihr Leben bringe. „Menschen spüren, wenn unser Glaube authentisch ist und unsere Liebe zu ihnen echt ist. In diesem Sinn dürfen wir als Getaufte so etwas wie ein Kirchturm, ein Fingerzeig Gottes, inmitten dieser Welt sein“, so Bischof Bertram.

Ein Kloster im Wandel der Zeit

Das Kloster Steingaden im Dekanat Weilheim-Schongau wurde am 17. April 1147 von Welf VI. gestiftet, bevor dieser zum Zweiten Kreuzzug aufbrach. Er ließ das Kloster mit umfangreichen Gütern ausstatten und besiedelte es mit Prämonstratensern aus Rot an der Rot. Die romanische Klosterkirche wurde 1176 geweiht und trägt das Patronat des heiligen Johannes des Täufers. Da sowohl Welf VI. als auch sein Sohn Welf VII. in der Kirche bestattet wurden, trägt sie bis heute den Namen „Welfenmünster“.

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Viele der Klostergebäude wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. (Foto: gemeinfrei)

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus mehrfach beschädigt: 1402 durch einen Großbrand, 1525 während des Bauernkriegs und 1646 im Dreißigjährigen Krieg. Nach den Zerstörungen wurde die Kirche jeweils wiederhergestellt und dabei dem Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet. Besonders prägend war die barocke Neugestaltung des Mittelschiffs, die 1747 anlässlich des 600-jährigen Klosterjubiläums erfolgte. Mit der Säkularisation im Jahr 1803 endete die mehr als 650-jährige Klosterzeit. Während die meisten Klostergebäude in den folgenden Jahren abgerissen wurden, blieb die Kirche erhalten und diente fortan als Pfarrkirche.

Von 2017 bis 2019 wurde das Welfenmünster erstmals seit mehr als 200 Jahren umfassend saniert. Dabei erhielt es unter anderem einen neuen Altar, den Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger weihte. Mit Pater Petrus-Adrian Lerchenmüller wirkte von 2012 bis 2023 erneut ein Prämonstratenser als Geistlicher vor Ort. Seit dessen Wahl zum Abt des Klosters Windberg leitet P. Joyice Thomas Lanithottam CMI die zugehörige Pfarreiengemeinschaft. Auf ihrem Gebiet liegt auch die bekannte Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies.