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Akademisches Forum

Die Kraft des Dialogs

24.10.2026

„Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt.“ So steht es in einem Dokument, das Papst Franziskus und Großimam Ahmad al-Tayyib 2019 in Abu Dhabi unterzeichneten. Die Frage, wie dieser Satz zwischen den Religionen im Alltag gelebt werden kann, stand am Freitagabend im Mittelpunkt der Veranstaltung „Brücken des Glaubens“ des Akademischen Forums der Diözese Augsburg.

In seinem Vortrag zitierte Bischof Dr. Bertram Meier diesen Satz aus dem berühmt gewordenen Abu-Dhabi-Dokument, das die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt unterstrich. Der Bischof, der im Jahr 2023 selbst an einer großen interreligiösen Konferenz in Abu Dhabi als Redner teilgenommen hatte, hob besonders hervor: „Bemerkenswert ist: Religiöser und kultureller Pluralismus werden im Abu-Dhabi-Dokument explizit als Ausdruck des göttlichen Willens aufgefasst.“

Bischof Bertram, der gerade der katholischen "Tagespost" ein vielbeachtetes Interview zum interreligiösen DIalog gegeben hat, berichtete auch über andere Reisen, die er in der Rolle als Weltkirchebischof der Deutschen Bischofskonferenz unternommen hatte, nach Nigeria, Syrien, Bosnien und Singapur – ganz unterschiedliche Länder, und doch entdeckte der Bischof immer wieder eine gemeinsame Haltung von Menschen, die vor Ort Initiativen gegründet haben, um als Christen und Muslime friedlich miteinander leben zu können.

„Mir sind“, so Bischof Bertram, „auf meinen weltkirchlichen Reisen viele beeindruckende Menschen begegnet, die die Kraft des Dialogs bezeugt haben. Gerade angesichts schmerzhafter Erfahrungen haben sie sich aufgemacht und den Dialog gesucht.“ Denn die Verbundenheit mit dem jeweils Anderen erwachse nicht zuletzt aus Situationen der ‚Compassion‘, gründe auf Empathie und Mit-Leid.

Bischof Dr. Bertram Meier war von 2021 bis September 2026 Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Vor vier Wochen wurde er zum Vorsitzenden der neugebildeten DBK-Kommission für Ökumene und interreligiösen Dialog gewählt.

Dr. Timo Güzelmansur, Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO), die bei der Deutschen Bischofskonferenz angesiedelt ist, wuchs in der Türkei in einem alawitischen Elternhaus auf, entschied sich als 20-jähriger jedoch für den Katholizismus. Mit beiden Seiten also bestens vertraut, berichtete er über theologische Grundlagen, gelingende Begegnungen, aber auch Konfliktthemen.

In den Mittelpunkt seines Vortrags stellte er die neueste Arbeitshilfe zum christlich-muslimischen Dialog, die die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Frühjahr veröffentlicht hatte und die sehr viel stärker den Fokus auf konkrete Beziehungsarbeit im Alltag stellt als es Vorgängerpapiere getan hatten.

Güzelmansur: „Der christlich-islamische Dialog braucht Herzlichkeit und Freundlichkeit – aber das ist nicht genug. Er braucht außerdem theologische Klarheit, gute Erfahrungen und die Bereitschaft, Unterschiede auch auszuhalten.“

Den Vortragsreigen komplettierte die Direktorin des Islamischen Forums Penzberg, Gönül Yerli. Sie ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten des interreligiösen Dialogs in Bayern und engagiert sich seit vielen Jahren intensiv für das harmonische Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen. Gönül Yerli setzt sich stark für die Rolle der Frau im Islam ein und skizzierte auch in Augsburg eine moderne, zeitgemäße Auslegung religiöser Inhalte. Auch in ihren Ausführungen stand die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den Religionen im Mittelpunkt.

Unter großem Applaus fasste Bischof Bertram den gemeinsamen Grundgedanken zusammen: „Ohne den Dialog geht viel verloren – mit dem Dialog können wir nur gewinnen.“