Internationaler Tag der Schöpfung

"Wo die Schöpfung auf der Strecke bleibt, wird auch der Mensch scheitern"

04.09.2021

Anlässlich des Internationalen Tages der Schöpfung hat Bischof Dr. Bertram Meier zu einem ehrlichen Umgang mit der Klimakrise aufgerufen. „Ein sinnvoller Weg in die Zukunft führt nur über die Bewahrung der Schöpfung“, sagte er an diesem Samstag in Lindau am Bodensee. Eine Bildergalerie mit weiteren Impressionen des Tages finden Sie auf den Seiten der ACK Deutschland.

Bischof Bertram vor dem "Ring of Peace" auf dem Gelände der Gartenschau Lindau (Foto: Fachbereich Kirche und Umwelt im Bistum Augsburg).
Bischof Bertram vor dem "Ring of Peace" auf dem Gelände der Gartenschau Lindau (Foto: Fachbereich Kirche und Umwelt im Bistum Augsburg). © Fachbereich Kirche und Umwelt im Bistum Augsburg

Der ökumenische "Tag der Schöpfung" wurde in diesem Jahr im deutschsprachigen Raum erstmals grenzüberschreitend begangen. Unter dem Motto „Damit Ströme lebendigen Wassers fließen“ verbrachten die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und der Schweiz sowie des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich gemeinsam den Tag. Bischof Bertram vertrat dabei die ACK Deutschland. Im Mittelpunkt des Tages standen das Lob des Schöpfers, die eigene Umkehr angesichts der Zerstörung der Schöpfung und konkrete Schritte zu ihrem Schutz.

Bereits am Vormittag hatte die Dreiländerfahrt der ACK-Vertreter in Bregenz mit Bischof Dr. Benno Elbs (Feldkirch) begonnen. Am späten Nachmittag feierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Gottesdienst mit dem christlich-katholischen Bischof der Schweiz, Harald Rein, in Romanshorn.

Auf der zweiten Etappe trafen sich die ACK-Vertreter zu einem ökumenischen Mittagsgebet auf dem Gelände der Gartenschau in Lindau. In seiner Predigt erinnerte Bischof Bertram an das Wasser im Garten Eden und den Sonnengesang des hl. Franz von Assisi. „Franziskus besingt keine Monokultur, er weiß um den Reichtum aller, die ihr Leben aus Gottes Hand empfangen haben“, so der Bischof, der gleichzeitig an das Wasser der Taufe erinnerte: „Wenn wir kleine Kinder taufen oder auch als Erwachsene die Taufe empfangen, es geht immer um das Eine: uns reinigen lassen; ein reines, das heißt aufrichtiges, ehrliches Leben führen; klar und transparent sein.“

Dazu gehöre, den Menschen als Krone der Schöpfung zu würdigen: „Daraus folgt, dass die Würde des Menschen unantastbar und damit zu schützen ist – von der Zeugung bis zum natürlichen Tod.“ Gerade Getaufte schützten das menschliche Leben, so Bischof Bertram: „Da wünsche ich mir wieder mehr ökumenischen Schulterschluss. Der Schutz des menschlichen Lebens darf uns aber nicht vergessen lassen, dass die ganze Schöpfung wie eine Familie ist, dass wir verschwistert sind mit allem, was lebt. Das bedeutet: Wo die Schöpfung auf der Strecke bleibt, wird auch der Mensch scheitern.“

Die Zeit, die die Menschheit gerade erlebe und erleide, zeige das. „Wir werden als Menschen nur überleben, wenn wir als Treuhänder die ganze Schöpfung hegen und pflegen. Doch wenn der ‚Garten Gottes‘ krank ist, wird auch der Mensch Schaden nehmen; er wird leiden und sterben“, so Bischof Meier. Dabei ging er konkret auf die Katastrophenlagen ein: „Der durcheinander geratene Wasserhaushalt zeigt es uns: Überschwemmungen, Flutkatastrophen und extreme Dürre sind Anzeichen dafür, dass das ‚globale Haus‘ nicht mehr im Lot ist.“ Angesichts dieser Krisen wandte sich Bischof Bertram ausdrücklich gegen jede Form der Klimaleugnung. Wenn behauptet werde, dass es weder einen Klimawandel noch eine Umweltkatastrophe gebe, sei das mehr als traurig: „Solche Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit. Sie sind Fake News. Lassen wir uns davon nicht blenden! Es geht nicht um Panikmache, sondern um Ehrlichkeit!“