Zwei Perspektiven auf das Kreuz
Mit einem feierlichen Festgottesdienst hat die Pfarrgemeinde im Ichenhauser Stadtteil Hochwang gemeinsam mit Bischof Dr. Bertram Meier an diesem Sonntag des 275. Weihetags ihrer Pfarrkirche Heilig Kreuz gedacht. In das Zentrum seiner Festpredigt rückte der Bischof die Betrachtung des Kreuzes, das er als Kompass für das menschliche Leben beschrieb und dazu einlud, die „irdische“ und die „himmlische“ Perspektive des Lebens miteinander zu verbinden.
Seine Predigtworte leitete Bischof Bertram mit einem theologischen Gruß von Papst Leo XIV. und dessen Aufforderung ein, sich regelmäßig mit dem heiligen Augustinus zu befassen. Mit Blick auf das Kreuz schrieb der Kirchenvater einmal: „Wir Christen gehen nur deshalb in den Stürmen der Welt nicht unter, weil wir vom Kreuzesholz getragen werden.“ Damit ermutige er uns bis heute, in allen Lebenslagen auf den gekreuzigten Jesus zu schauen, „weil das allein das überragende Zeichen unseres Glaubens und unserer Hoffnung ist“. Eine vermeintlich einfache Aufgabe für die Gläubigen in einer Pfarrkirche, in der das Heilige Kreuz aufgrund seiner reichen künstlerischen Ausstattung allgegenwärtig ist.
Und dennoch bleiben diese Betrachtung und der damit verbundene Weg in der Nachfolge des Gekreuzigten eine lebenslange Herausforderung, wie der Bischof in seiner Auslegung der Schriftworte vor der Festgemeinde herausstellte. Das Symbol des Kreuzes mit seinen zwei geometrischen Linien - dem waagerechten und dem senkrechten Balken – deutete er diesbezüglich als irdische und himmlische Sichtweisen auf das Leben.
Die irdische Perspektive
Bezugnehmend auf das alttestamentliche Buch Numeri im Alten Testament schilderte Bischof Bertram den Moment, als das Volk Israel in der Wüste ungeduldig wurde und gegen Gott und seine Führer aufbegehrte. Die rein irdische Sichtweise habe nur das Naheliegende und Messbare im Blick. Sie kreise um das eigene Ich, um Sorgen und Ängste. Und blende aus, dass Gott selbst Mensch wurde, auf die Erde kam und alles mit uns teilte. „Kann das nicht ein großer Trost für uns sein und gleichzeitig helfen, den Blick auf das Leben neu zu justieren, im Glauben daran, dass unser Gott ein mitfühlender Gott ist?“, fragte der Bischof.
Gleichzeitig warnte er seine Zuhörerschaft davor, alles schlecht zu sehen, stets wütend zu sein und die Schuld nur bei Anderen zu suchen. „Gehen wir stattdessen den Weg Jesu nach, indem wir dankbar sind für das, was wir haben, und zugleich in unserem Alltag schauen, wo wir einen Beitrag leisten können, damit sich Dinge verbessern und es möglichst allen Menschen gutgeht.“ Dies sei keine theologische Schönfärberei, sondern konkret christliche Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit und Gesellschaft.
Die himmlische Perspektive
Wer vom Boden des Kreuzes Richtung Himmel aufblicke, schaue nicht nur dem Gekreuzigten in die Augen, sondern werde gleichsam mit dessen Machtfülle und Erlösungstat konfrontiert. „Sein Beispiel lehrt uns, dass Demut, Güte und Nächstenliebe jene Tugenden sind, die den Menschen erhöhen, während Stolz, Eitelkeit oder Selbstsucht uns erniedrigen – vor Gott, aber auch vor uns selbst und den Mitmenschen“, verglich Bischof Bertram das Kreuz als Spiegel, in den wir blicken und dabei unser Leben selbst reflektieren. Unter der Schablone der Liebe Christi, in dem sich Himmel und Erde verbinden, seien wir deshalb alle dazu berufen, „seinem Vorbild zu folgen, indem wir Gott an die erste Stelle setzen und ebenso füreinander da sind“.
Die Pfarrkirche Heilig Kreuz steht in Hochwang, einem Stadtteil von Ichenhausen im Dekanat Günzburg. Die heutige Saalkirche wurde 1750/51 unter Verwendung von Teilen des spätgotischen Vorgängerbaus aus dem späten 14. Jahrhundert errichtet. Im Rahmen des Jubiläums soll es auch im Inneren der Kirche, die erst vor drei Jahren innen und außen saniert wurde, zu einer Veränderung kommen: Der Hochaltar bekommt ein neues Altarbild, das mit seiner Kreuzigungsdarstellung künftig bereits beim Betreten des Gotteshauses auf den ersten Blick deutlich macht, was in ihrem Zentrum steht.