Kloster- und Pfarrkirche seit 100 Jahren päpstliche Basilika minor
Am 25. Januar 1926 erhob Papst Pius XI. (1922-1939) die Ottobeurener Klosterkirche St. Alexander und Theodor zur Basilika minor. Dieses große Jubiläum feierten Konvent und Pfarreiengemeinschaft auf den Tag genau 100 Jahre danach im Rahmen eines Pontifikalamtes. Diözesanbischof Dr. Bertram Meier betonte dabei in seiner Predigt, dass das barocke Gotteshaus eine Anziehungskraft besitze, die es Menschen ermögliche, das Licht Christi für ihr Leben zu entdecken.
Die vom damaligen Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri unterzeichnete lateinische Erhebungsurkunde geht unter anderem auf die Wiederrichtung des Klosters und das Marienbildnis „Eldern“ ein. Die Abteikirche sei, wegen ihres ehrwürdigen Alters und der Kunstwerke „höchst berühmt“ und werde von zahlreichen Pilgern in der Region aufgesucht. Daher werde sie, auf Bitten des Ottobeurener Abtes und des Präses der bayerischen Benediktinerkongregation mit dem Titel und den Privilegien einer Basilica minor ausgezeichnet. Der entscheidende Satz lautet im Original: „Quapropter cum memoratus Abbas Ottenburanus enixis Nos rogaverit precibus, quas quoque Benedictinae Congregationis Bavaricae Abbas Praeses suffragio suo commendavit, ut titulo privilegiisque Basilicae minoris pro benignitate Nostra eandem Abbatialem Ecclesiam honestare dignemur.“
Das in der Urkunde erwähnte Gnadenbild wurde aus diesem Anlass auf einem prächtigen Altar ins Zentrum der Kirche gerückt. Anlässlich den Jubiläums bekam es von einem anonymen Spender auch ein neues Kleid gestiftet, das durch Bischof Bertram gesegnet wurde.
Bischof Bertram predigt über die Bedeutung der Basilika
Eine Basilika verdeutliche immer auch die Einheit zum Papsttum, so der Bischof in seiner Predigt während des Pontifikalamtes. Auch in seinem Bischofsamt sehe er jeden Tag mehr, wie notwendig und herausfordernd es sei, um Einheit zu ringen. Das Ziel sei dabei nicht die Uniformität. Vielmehr unterstreiche gerade eine Basilika minor, dass Christsein hieße, Teil einer weltweiten Familie zu sein. Überall, wo Gott und der Nächste geachtet würden, blitze das Licht Christi auf. Die Glaubwürdigkeit der Christen werde deswegen vor allem an Solidarität und Hilfsbereitschaft gemessen. Energie gehe hingegen verloren, „wenn wir mit binnenkirchlichen Diskussionen beschäftigt sind“.
Die Basilika in Ottobeuren als Hoffnungsort
Die Kirche wachse aber vor allem durch Anziehungskraft: „Bei der Erhebung dieses Gotteshauses zur Basilika minor wurde diesem Gebetsort eine solche Kraft zugesprochen.“ Deswegen sei sie auch ein „Kristallisationspunkt des Glaubens“ für eine weite Umgebung. Den Besuchern werde direkt klar, dass die Basilika kein Museum sei, sondern ein „Ort lebendiger Hoffnung und gelebten Glaubens“. Den versammelten Gläubigen, den Haupt- und Ehrenamtlichen wünschte er daher: „Möge Gott Ihr Tun segnen und Ihr Gebet fruchtbar werden lassen, damit auch im Jahr 2026 Menschen im Raum dieser Basilika das Licht Christi für ihr Leben entdecken.“
Basilikachor und -orchester umrahmten den Festgottesdienst am 3. Sonntag im Jahreskreis mit der Pastoralmesse von Karl Kempter. Bischof Bertram beendete den Gottesdienst mit dem Angelusgebet, das Papst Leo XIV. zeitgleich ebenfalls betete.
Ein beeindruckender Barockbau: St. Alexander und Theodor
Die Basilika von Ottobeuren ist eng mit der Geschichte des gesamten Klosters verbunden. Mehrfach wurden Abtei und Kirche neu aufgebaut. 1737 erfolgte schließlich die Grundsteinlegung für das markante Gebäude, 1766 war der Bau abgeschlossen. Der Architekt Simpert Kramer orientierte sich dabei stark an der Klosterkirche der oberschwäbischen Abtei Weingarten. Der riesige Kirchraum ist von drei Kuppeln, den Marmorsäulen und den drei Schiffen geprägt. Die auf Josef Michael Feuchtmayer zurückgehende barocke Ausstattung wird durch ein romanisches Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert ergänzt. Das prächtige Chorgestühl umrahmt im Chorraum den Hochaltar mit einer Darstellung der Trinität.
Das Kirchenportrait des Fernsehsenders katholisch1.tv bietet weitere Informationen zur Basilika.
Die Geschichte der Basiliken
Im Bistum Augsburg gibt es insgesamt sechs Basiliken: St. Ulrich und Afra (Augsburg), St. Alexander und Theodor (Ottobeuren), St. Michael (Altenstadt), St. Lorenz (Kempten), St. Benedikt (Benediktbeuern) und St. Peter (Dillingen). In ganz Deutschland wurden bislang 79 Kirchen zu Basilicae minores erhoben, weltweit tragen über 1900 Kirchen diesen besonderen Ehrentitel. Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird so versucht, bedeutende Kirchen hervorzuheben und diese stärker an das Papsttum zu binden.
Eine Basilika ist an drei Merkmalen zu erkennen: Am Eingang befindet sich stets das Papstwappen. Außerdem darf im Kircheninneren der sogenannte Padiglione, ein rot-gelber Seidenschirm, aufgestellt werden. Ebenfalls eine Insignie der Basiliken ist das Tintinnabulum, eine auf einem Stab befestigte kleine Glocke.
Im Gegensatz zu den kleinen Basiliken gibt es vier römische Kirchen, die den Titel einer Basilika maior (Papstbasilika) tragen: die Lateranbasilika, der Petersdom, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore.