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Ansprache an Karfreitag 2016 im Hohen Dom zu Augsburg

Mein Gott warum hast du mich verlassen?

25.03.2016 Mein Gott warum hast du mich verlassen. Es kommt selten vor, dass eine ganze Schule wie auf einen Schlag ihr inneres Gleichgewicht verliert. Das geschah, als frühmorgens im Sekretariat der Telefonanruf der Polizei einging: Carina hat sich das Leben genommen. Sofort legt sich eine bleierne Stille über das sonst so quirlige und laute Haus. Seelsorger, Religionslehrer und auch das Krisenintervensionsteam kümmern sich um die Schülerinnen, vor allem um die Klasse, in der Carina lebte. Sofort kommen auch all die Fragen auf: Wer war schuld? Was war schuld? Was hat sich mit solch bleiernem Gewicht auf das Leben dieser sympathischen jungen Frau gelegt, so dass es nicht mehr weiterging?
Predigt an Karfreitag im Hohen Dom zu Augsburg

20 Jahre Kruzifix-Urteil

24.04.2015 An diesem Karfreitag des Jahres 2015 stehen wir vor einem zweifelhaften Jubiläum. 20 Jahre ist es nun her, seit das Bundesverfassungsgericht das hochumstrittene „Kruzifix-Urteil“ verkündete. Am 16. Mai 1995 hatte das höchste Gericht der Republik verfügt, dass es im Namen des hohen Gutes der Religionsfreiheit einem Schüler nicht zumutbar sei, unter dem Kreuz zu lernen, und deshalb das Kreuz - unter Umständen auch gegen den Willen der Mehrheit der Mitschüler - aus seinem Klassenzimmer zu entfernen sei.
Wir erlebten daraufhin eine tiefe Entrüstung bei vielen Christen, empörte Leserbriefserien in allen großen Zeitungen, Eltern, die sich zu Wort meldeten und ihren Elternwillen zu einer christlichen Erziehung ihrer Kinder „unter dem Kreuz“ dokumentierten, und klare Gegenpositionen aus allen kirchlichen Ebenen und die größte kirchliche Demonstration der Republik. Wollen wir wirklich eine Bildung ohne das Kreuz? Ohne religiösen Bezugspunkt? Ohne Sinnfragen? Ohne die grundlegende Wertedimensionen eines christlichen Abendlandes, für die das Kreuz steht? Und erfüllt es nicht viele von uns mit staunenden Fragen, wenn dasselbe höchste Gericht soeben unter Berufung auf dasselbe hohe Prinzip der Religionsfreiheit das Kopftuch für Lehrerinnen im Klasszimmer billigt, während vor dem gleichen Grundrecht das Kreuz abgehängt werden soll?
Über die rechtliche Debatte hinaus ist aber dies der entscheidende Punkt, der uns als Christen zutiefst beunruhigen und herausfordern muss. Es ist die zentrale Frage: Welche Bedeutung hat das Kreuz für uns? Warum brauchen wir das Kreuz? Und wo?
Ein erster wichtiger Platz für das Kreuz ist und bleibt die Schule!
Ansprache an Karfreitag 2014 im Hohen Dom zu Augsburg

Die Schüler von Winnenden

12.06.2014 „Die Schüler von Winnenden. Unser Leben nach dem Amoklauf“, so lautet der Titel eines unscheinbaren, aber doch ungemein ergreifenden kleinen Taschenbüchleins, das seit einigen Tagen auf meinem Schreibtisch liegt. Sechs betroffene Menschen, fünf Jugendliche und eine Lehrerin haben sich daran gemacht, aus eigener Perspektive noch einmal zu berichten, wie sie den 11. März 2009, den Tag des ungeheuren Amoklaufs in Winnenden erlebten. Fünf Jahre danach werden sie die Schule verlassen. Und es wird niemand mehr da sein, der selbst dabei war, die Todesängste und das Sterben von 15 Menschen gesehen hatte.
Christliche Werte und Führungskultur - 5. Eichstätter Gespräche Kirche - Wirtschaft - Wissenschaft

Die Schlafwandler

21.02.2014 „Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog“ so lautet der Titel der wohl meistbeachteten historischen Bucherscheinung dieses Jahres. 100 Jahre Gedenken des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und die Frage nach den Gründen – das ist das Thema. Christopher Clark, der renommierte britische Historiker schreibt in seinem Bestseller „Die Entscheidungsträger bewegten sich mit behutsamen, wohlberechneten Schritten auf die Gefahr zu.“ Muss nicht gefragt werden: Wenn sie so behutsam waren, und ihre Schritte wohl berechneten, warum bewegten sie sich nicht von der Gefahr weg? Weil sie vielleicht gute Argumente und Gründe für den nächsten und übernächsten Schritt hatten, nicht aber freie Sicht auf das, was jenseits dieser Schritte lag.
Predigt an Christi Himmelfahrt im Hohen Dom zu Augsburg

Eine ewige Perspektive

17.05.2012 Johann Wolfgang von Goethe, der große Dichterfürst, den sich selbst wohl eher als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet hätte, berichtet einmal über eine religiöse Begegnung, die ihn persönlich bewegte. Es ist die Feier des Rochusfestes in der Stadt Bingen, die nach der langen Unterbrechung durch die napoleonischen Kriege zum ersten Mal wieder stattfindet.
Weihbischof Anton Losinger im Hohen Dom zu Augsburg an Karfreitag 2012

Das Kreuz – Konfrontation mit einer Vertikalen

06.04.2012 Weihbischof Anton Losinger im Hohen Dom zu Augsburg an Karfreitag 2012 In einer großen psychiatrischen Klinik auf dem Boden unserer Diözese wird die Karfreitagsliturgie gefeiert. Viele der psychisch kranken Patienten sind in die Kapelle gekommen, auch einige Ärzte, Pfleger und Schwestern sind da und eine Gruppe von Angehörigen. Der Klinikseelsorger weiß um die Sensibilität des Themas Leid und Tod für psychisch kranke Menschen und hat ein sehr schönes Zeichen der Kreuzverehrung vorbereitet. Mit einer gelben Blume in der Hand gehen die Patienten nach vorne und legen sie vor dem gekreuzigten Heiland nieder. Plötzlich entsteht Unruhe. Ein Patient der geschlossenen Abteilung drängt auf einmal nach vorne, stürmt wild durch die Reihe hindurch und kniet schließlich vor dem Kreuz nieder. Dann zückt er eine Schere und holt - zum Staunen aller - aus seiner Hosentasche Verbandsmaterial und Heftpflaster heraus. Und er beginnt in einer ergreifenden Ruhe dem gekreuzigten Herrn die Wunden zu verbinden, erst die Füße, dann die Hände und das Herz.
Die Lebensfrage nach der PID-Entscheidung

Was heißt unantastbar?

03.08.2011 Die Entscheidung des Deutschen Bundestages zu PID ist gefallen. Mit deutlicher Mehrheit wurde das weitreichende Modell zur Legitimierung der Präimplantationsdiagnostik gebilligt, das die künstliche Herstellung von menschlichen Embryonen in Vitro (IVF) akzeptiert und im Falle der Entdeckung genetischer Auffälligkeiten nach Präimplantationsdiagnistik (PID) deren Verwerfung, also Tötung, legitimiert.
PID-Gesetzgebung: Weihbischof Anton Losinger kritisiert Entscheidung des Bundestages

Karlsruhe als letzte Möglichkeit?

03.08.2011 Augsburg – Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger kritisiert im Bayernkurier die Entscheidung des Deutschen Bundestags, die Präimplantationsdiagnostik (PID) weitgehend zuzulassen. Bei der PID werden menschliche Embryonen auf genetische Schäden untersucht und gegebenenfalls abgetötet. Das sei „eine permanente Erosion, die das Lebensrecht in unserem Land in seiner Substanz unterspült“.
Weihbischof Anton Losinger und Moraltheologe Eberhard Schockenhoff kritisieren BGH-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik

„Neue Zeitrechnung der Fortpflanzungsmedizin in die verkehrte Richtung“

13.07.2010 Die beiden Vertreter der katholischen Kirche im Deutschen Ethikrat, der Augsburger Weihbischof Anton Losinger und der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, haben das Urteil des 5. Strafsenates des Bundesgerichtshofes zur Präimplantationsdiagnostik scharf kritisiert. Das Urteil erleichtere eine Fehlentwicklung der modernen Fortpflanzungsmedizin, weil es eine Selektion unter den künstlich erzeugten Embryonen erlaube.
Biobanken horten sensible Daten - Experten raten zur Vorsicht

"Ein enormer Vertrauensvorschuss"

13.07.2010 Die biomedizinische Forschung macht rasante Fortschritte. Als unverzichtbares Hilfsmittel gelten Biobanken. Noch ist die Forschung mit Sammlungen aus Biobanken ein nahezu rechtsfreier Raum. In seiner jüngsten Stellungnahme drängt der Deutsche Ethikrat deshalb auf eine verbindliche gesetzliche Regelung und breite Aufklärung. Im Interview mit der Katholischen SonntagsZeitung diskutierten der Augsburger Weihbischof Anton Losinger und der Freiburger Moraltheologe Professor Eberhard Schockenhoff Chancen und Risiken der Biobanken.